Gul­li-Rei­ni­gung

Die Rei­ni­gung von zur Stra­ße gehö­ren­den Regen­was­ser­ab­läu­fen und Sink­käs­ten ist bun­des­recht­lich, näm­lich durch § 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2, Abs. 2 des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes [1], dem Régime der Abwas­ser­be­sei­ti­gung zuge­wie­sen, weil die­se Ein­rich­tun­gen dem Sam­meln und Fort­lei­ten des im Bereich der befes­tig­ten Stra­ßen­flä­chen anfal­len­den Nie­der­schlags­was­sers die­nen. Die Bestim­mung der zur Erfül­lung die­ser Auf­ga­be ver­pflich­te­ten juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder eines ande­ren Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­pflich­ti­gen obliegt dem Lan­des­recht (§ 56 Satz 1 und 2 WHG 2010).

Gul­li-Rei­ni­gung

Gemäß § 18a Abs. 2 Satz 1 des bis zum 28.02.2010 gel­ten­den Was­ser­haus­halts­ge­set­zes [2] regel­ten die Län­der (u.a.), wel­che Kör­per­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts zur Abwas­ser­be­sei­ti­gung ver­pflich­tet sind. Abwas­ser­be­sei­ti­gung im Sin­ne des Geset­zes umfass­te (u.a.) das Sam­meln und Fort­lei­ten von Abwas­ser. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat zu die­ser rah­men­recht­li­chen Rechts­la­ge (Art. 75 Abs. 1 Nr. 4 GG a.F.) und in Bezug auf das Was­ser­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len (§ 51 Abs. 1, § 53 Abs. 2 LWG NRW) ent­schie­den, dass gemäß § 18a Abs. 2 WHG a.F. der Lan­des­ge­setz­ge­ber befugt war, den Trä­ger der Stra­ßen­bau­last zu ver­pflich­ten, das auf Ver­kehrs­flä­chen ent­ste­hen­de Nie­der­schlags­was­ser zu besei­ti­gen und die hier­für ent­ste­hen­den Kos­ten zu tra­gen [3]. Hier­nach war bereits nach alter Rechts­la­ge die Auf­ga­be der Besei­ti­gung des auf befes­tig­ten Stra­ßen­flä­chen anfal­len­den Nie­der­schlags­was­sers kraft Bundes(rahmen)rechts dem Régime des Was­ser­rechts und der Abwas­ser­be­sei­ti­gung zuge­ord­net [4].

Hier­an hat sich durch die am 1. März 2010 in Kraft getre­te­ne Novel­lie­rung des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes (WHG 2010) im Ergeb­nis nichts geän­dert. Der wesent­li­che Unter­schied der Novel­le besteht im hier inter­es­sie­ren­den Zusam­men­hang dar­in, dass das alte Recht nur ein­zel­ne, auf lan­des­ge­setz­li­che Aus­fül­lung ange­leg­te Bestim­mun­gen über die Abwas­ser­be­sei­ti­gung ent­hielt, wäh­rend nun­mehr §§ 54 bis 61 WHG 2010 auf eine bun­des­recht­li­che Voll­re­ge­lung zie­len [5]. Lan­des­recht­li­cher Ergän­zungs­be­darf besteht nur noch hin­sicht­lich der Per­son des Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­pflich­ti­gen (§ 56 WHG 2010). Dar­über hin­aus besit­zen die Län­der mit Aus­nah­me weni­ger ein­fach­ge­setz­li­cher Abwei­chungs­vor­be­hal­te (§ 58 Abs. 1 Satz 3 und 4, § 60 Abs. 4 WHG 2010) kei­nen sub­stan­ti­el­len Rege­lungs­spiel­raum mehr, unbe­scha­det ihrer ver­fas­sungs­recht­li­chen Befug­nis zur Abwei­chungs­ge­setz­ge­bung gemäß Art. 72 Abs. 3 GG [6].

Nach neu­em Recht gilt: Gemäß der Legal­de­fi­ni­ti­on in § 54 Abs. 2 Satz 1 WHG 2010 umfasst die Abwas­ser­be­sei­ti­gung (u.a.) das Sam­meln und Fort­lei­ten von Abwas­ser. Abwas­ser ist neben dem Schmutz­was­ser (§ 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 WHG 2010) auch das Nie­der­schlags­was­ser, d.h. das von Nie­der­schlä­gen aus dem Bereich von bebau­ten oder befes­tig­ten Flä­chen gesam­melt abflie­ßen­de Was­ser (§ 54 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 WHG 2010). Vor allem nach län­ge­ren Tro­cken­pe­ri­oden ent­hält die­ses Was­ser regel­mä­ßig erheb­li­che Schmutz­men­gen, die sei­ne recht­li­che Ein­ord­nung als Abwas­ser erfor­der­lich machen [7]. Das im Bereich der befes­tig­ten Stra­ßen­flä­chen anfal­len­de Regen­was­ser ist Nie­der­schlags­was­ser in die­sem Sin­ne. Das gilt unab­hän­gig von sei­nem Ver­schmut­zungs­grad. Die im Nie­der­schlags­was­ser ent­hal­te­nen Schweb­stof­fe, sons­ti­ge dar­in mit­ge­führ­te stoff­li­che Bestand­tei­le und der von ihm weg­ge­schwemm­te Stra­ßen­schmutz, die sämt­lich von den Sink­käs­ten zurück­ge­hal­ten wer­den, sind Teil des Nie­der­schlags­was­sers. Sie unter­lie­gen kei­nem gegen­über dem übri­gen, abflie­ßen­den Abwas­ser geson­der­ten Schick­sal. Die Regen­was­ser­ab­läu­fe und Sink­käs­ten die­nen dazu, die­ses Nie­der­schlags­was­ser zu sam­meln und in die Kana­li­sa­ti­on fort­zu­lei­ten. Sie sind daher defi­ni­ti­ons­ge­mäß Ein­rich­tun­gen des Vor­gangs der Abwas­ser­be­sei­ti­gung (§ 54 Abs. 2 WHG 2010). Dabei haben die Sink­käs­ten die Auf­ga­be, Stra­ßen­schmutz und sons­ti­ge Stof­fe (z.B. Staub, Blät­ter, Abrieb) auf­zu­fan­gen und zu ver­hin­dern, dass die Lei­tun­gen der öffent­li­chen Abwas­ser­be­sei­ti­gungs­an­la­ge sich durch sol­che Stof­fe auf Dau­er zuset­zen und ver­stop­fen. Nur die Stra­ßen­ent­wäs­se­rung erfor­dert Sink­käs­ten und deren Rei­ni­gung, wäh­rend die pri­va­te Grund­stücks­ent­wäs­se­rung für sich genom­men grund­sätz­lich kei­ne Sink­käs­ten benö­tigt. Auch wenn die Rei­ni­gung der Regen­was­ser­ab­läu­fe und Sink­käs­ten der Funk­ti­ons­fä­hig­keit des gesam­ten Kana­li­sa­ti­ons­net­zes zugu­te kommt, gäbe es doch ohne die Ablei­tung des Abwas­sers von öffent­li­chen Stra­ßen, Wegen und Plät­zen kei­ne Sink­käs­ten, die zu rei­ni­gen wären. Ihre Unter­hal­tung und Rei­ni­gung gehört daher zum Pflich­ten­kreis der Abwas­ser­be­sei­ti­gung und nicht zur Stra­ßen­rei­ni­gung [8].

Die in den Sink­käs­ten auf­ge­fan­ge­nen Stof­fe unter­fal­len im Übri­gen auch nicht dem Régime des Abfall­rechts [9]. Denn gemäß § 2 Abs. 2 Nr. 6 des Kreis­lauf­wirt­schafts- und Abfall­ge­set­zes (KrW-AbfG) gel­ten die Vor­schrif­ten die­ses Geset­zes nicht für Stof­fe, sobald die­se in Gewäs­ser oder Abwas­ser­an­la­gen ein­ge­lei­tet oder ein­ge­bracht wor­den sind. Letz­te­res geschieht aber gera­de mit dem Ablau­fen des Ober­flä­chen­was­sers von der Stra­ßen­fahr­bahn in die Regen­was­ser­ab­läu­fe, wo sie sich in den ein­ge­las­se­nen Sink­käs­ten abla­gern.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Juni 2011 – 9 B 99.10

  1. in der Fas­sung des Art. 1 des Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Was­ser­rechts vom 31. Juli 2009, BGBl I S. 2585, in Kraft getre­ten am 1. März 2010[]
  2. in der Neu­fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 19.08.2002, BGBl I S. 3245 []
  3. BVerwG, Urteil vom 13.09.1985 – 4 C 47.82, Buch­holz 445.4 § 18a WHG Nr. 1 S. 2 = NVwZ 1986, 204, 205[]
  4. vgl. auch Czychowski/​Reinhardt, WHG, 9. Aufl. 2007, § 18a Rn. 4 und 19 mit umfang­rei­chen Nach­wei­sen; fer­ner Zöll­ner, in: Sieder/​Zeitler/​Dah­me, WHG/​AbwAG, Bd. 3, WHG a.F., 36. Erg.Lfg. 8.2008, § 18a Rn. 16; Kotul­la, WHG, 2003, § 18a Rn. 34; zum Lan­des­recht bei­spiel­haft Queitsch, in: Queit­sch/­Koll-Sar­fel­d/­Wall­baum, Was­ser­ge­setz für das Land Nord­rhein-West­fa­len, 4. Erg.Lfg.08.2010, § 53 Rn. 122 ff.[]
  5. vgl. BT-Drucks 16/​12275 S. 41[]
  6. vgl. Zöll­ner, in: Sieder/​Zeitler/​Dahme, a.a.O., Bd. 1, 40. Erg.Lfg. 8.2010, § 54 WHG Rn. 1; Knopp, Das neue Was­ser­haus­halts­recht, 2010 Rn. 96 ff., 143 und 410[]
  7. vgl. BT-Drucks 7/​2272 S. 27[]
  8. vgl. – noch zur alten Rechts­la­ge und unter dem Gesichts­punkt des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­rechts – OVG NRW, Urteil vom 31.01.1984 – 2 A 1312/​82, KStZ 1984, 139, 140; und Teil­ur­teil vom 24.06.2008 – 9 A 373/​06, KStZ 2009, 12, 15 = NWVBl 2008, 394, 397; Brü­ning, in: Drie­haus, Kom­mu­nal­ab­ga­ben­recht, 40. Erg.Lfg. 3.2009, § 6 Rn. 462; Wich­mann, Stra­ßen­rei­ni­gung und Win­ter­dienst in der kom­mu­na­len Pra­xis, 6. Aufl. 2009, Rn. 26 m.w.N.; eben­so zum neu­en Recht: Czychowski/​Reinhardt, WHG, 10. Aufl. 2010, § 54 Rn. 15 und 21[]
  9. vgl. Czychowski/​Reinhardt, a.a.O. § 54 Rn. 21[]