Haf­tung des Schul­trä­gers für man­gel­haf­te Werk­leis­tun­gen einer "Schü­ler­fir­ma"

Erbringt eine "Schü­ler­fir­ma" man­gel­haf­te Werk­leis­tun­gen, haf­tet hier­für nicht der Schul­trä­ger.

Haf­tung des Schul­trä­gers für man­gel­haf­te Werk­leis­tun­gen einer "Schü­ler­fir­ma"

In dem hier vom Land­ge­richt Frei­burg ent­schie­de­nen Fall macht die Auf­trag­ge­be­rin gegen die beklag­te Schul­trä­ge­rin Scha­dens­er­satz­an­sprü­che wegen eines feh­ler­haft aus­ge­führ­ten Rad­wech­sels an ihrem Fahr­zeug gel­tend. Durch­ge­führt wur­de der Rad­wech­sel im Rah­men des Schul­pro­jekts "Fahr­zeug­ser­vice M.schu­le", bei dem Schü­ler unter der Auf­sicht eines Leh­rers auf dem Park­platz der Schu­le Werk­leis­tun­gen an Fahr­zeu­gen anbo­ten.

Der Klä­ge­rin gegen den Schul­trä­ger kein ver­trag­li­cher Scha­dens­er­satz­an­spruch zu, weil zwi­schen bei­den kein Ver­trag zustan­de gekom­men ist. Etwai­ge Werk­ver­trä­ge, die im Rah­men des Schul­pro­jekts "Fahr­zeug­ser­vice M.schule" geschlos­sen wur­den, kamen – unab­hän­gig davon, wer Ver­trags­part­ner gewor­den ist – jeden­falls nicht mit dem Schul­trä­ger zustan­de.

Zwar ist die beklag­te Kom­mu­ne gem. § 28 Abs. 1 SchulG Schul­trä­ger der M.schule und hat damit gem. § 27 Abs. 1 SchulG die säch­li­chen Kos­ten der Schu­le zu tra­gen. Dies bedeu­tet jedoch nicht, dass jeder Ver­trag, der im schu­li­schen Umfeld geschlos­sen wird, mit dem Schul­trä­ger zustan­de kommt. Viel­mehr han­delt die Schu­le als nicht rechts­fä­hi­ge Anstalt des öffent­li­chen Rechts (§ 23 Abs. 1 SchulG) nur inso­weit mit Rechts­wir­kun­gen für den Schul­trä­ger, als das "äuße­re Schul­ver­hält­nis" betrof­fen ist, d.h. die säch­li­che Aus­stat­tung der Schu­le, ein­schließ­lich der bau­li­chen Ein­rich­tun­gen (§§ 27, 36 SchulG). Soweit dage­gen das "inne­re Schul­ver­hält­nis" d.h. die inhalt­li­che und päd­ago­gisch­di­dak­ti­sche Auf­ga­be der Schu­le betrof­fen ist, han­delt die Schu­le – sofern kei­ne Eigen­haf­tung der Han­deln­den in Betracht kommt – mit Rechts­wir­kun­gen für das Land 1.

Da das Schul­pro­jekt "Fahr­zeug­ser­vice M.schule" nicht Gegen­stand der säch­li­chen Aus­stat­tung der Schu­le ist, son­dern eine päd­ago­gisch­di­dak­ti­sche Ziel­set­zung ver­folgt, ist das inne­re Schul­ver­hält­nis betrof­fen, so dass ein Han­deln der Schü­ler und des Leh­rers mit Rechts­wir­kun­gen für die Beklag­te als Trä­ger der säch­li­chen Schul­last aus­schei­det.

Anhalts­punk­te, aus denen sich eine delik­ti­sche Haf­tung des Schul­trä­gers erge­ben könn­te, waren vor­lie­gend auch nicht ersicht­lich. Für eine Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung des betreu­en­den Leh­rers müss­te der Dienst­herr des Leh­rers, also das Land Baden-Würt­tem­berg, ein­ste­hen.

Land­ge­richt Frei­burg, Urteil vom 3. April 2014 – 3 S 6/​14

  1. vgl. zur Abgren­zung des inne­ren und des äuße­ren Schul­ver­hält­nis­ses Lambert/​Müller/​Sutor, Schul­recht Baden-Würt­tem­berg, Stand Feb.2013, Kap. 13.23 Ziff. 1; vgl. auch LG Bonn, Urteil v. 12.02.2007, 1 O 99/​06, zitiert nach Jur­i­onRS 2007, 53686[]