Haus­ver­bot für Not­un­ter­künf­te

Ein unbe­fris­te­tes und für sämt­li­che Not­un­ter­künf­te einer Stadt gel­ten­des Haus­ver­bot für einen Obdach­lo­sen ist rechts­wid­rig. Es belas­tet den Obdach­lo­sen in unan­ge­mes­se­ner Wei­se und nimmt ihm jeg­li­che Per­spek­ti­ve, im Bedarfs­fal­le inner­halb die­ser Stadt unter­ge­bracht zu wer­den.

Haus­ver­bot für Not­un­ter­künf­te

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Stadt Georgs­ma­ri­en­hüt­te ver­pflich­tet, einem Obdach­lo­sen trotz eines ent­spre­chen­den Haus­ver­bo­tes vor­läu­fig eine Not­un­ter­kunft zur Ver­fü­gung zu stel­len. Der spä­te­re Obdach­lo­se muss­te am 22.08.2011 die mit sei­ner Ehe­frau gemein­sam genutz­te Woh­nung ver­las­sen. Anschlie­ßend ist er nach sei­ner Erklä­rung „mal hier und mal da unter­ge­kom­men". Am 25.03.2012 ver­lor auch die Ehe­frau die Woh­nung. Noch am sel­ben Tage wies die Stadt Georgs­ma­ri­en­hüt­te die Ehe­leu­te wegen deren Obdach­lo­sig­keit in eine gemein­sa­me Not­un­ter­kunft ein. Sie lag in einem der bei­den Gebäu­de, die die Stadt als Not­un­ter­künf­te bereit hält. Am Abend der Ein­wei­sung kam es zu einem Zer­würf­nis zwi­schen den Ehe­leu­ten. Bei der Zuwei­sung einer ande­ren Unter­kunft belei­dig­te und bedroh­te der Ehe­mann städ­ti­sche Ord­nungs­kräf­te, schrie her­um und beschä­dig­te zum Haus gehö­ren­de Gegen­stän­de. Nach der Ein­schal­tung der Poli­zei erteil­te die Stadt ihm ein unbe­fris­te­tes Haus­ver­bot für sämt­li­che städ­ti­schen Not­un­ter­künf­te. Einen spä­te­ren Antrag auf erneu­te Unter­brin­gung lehn­te die Stadt ab.

Dar­auf­hin bean­trag­te der Obdach­lo­se gericht­li­che Hil­fe. Damit woll­te er das Haus­ver­bot vor­läu­fig außer Kraft gesetzt wis­sen und dar­über hin­aus eine Not­un­ter­kunft in mög­lichst enger räum­li­cher Nähe zu der­je­ni­gen sei­ner Ehe­frau zuge­wie­sen bekom­men. Er führ­te aus, er habe sich bereits am Tage des Strei­tes mit sei­ner Frau ver­söhnt. Auf­grund des Haus­ver­bo­tes kön­ne er sie aber schon vier Wochen lang ledig­lich in der Öffent­lich­keit tref­fen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Osna­brück kann trotz sei­nes erheb­li­chen Fehl­ver­hal­tens der Antrag­stel­ler (noch) nicht von der begehr­ten Unter­brin­gung in einer Not­un­ter­kunft aus­ge­schlos­sen wer­den. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass das unbe­fris­te­te und für sämt­li­che Not­un­ter­künf­te der Stadt Georgs­ma­ri­en­hüt­te gel­ten­de Haus­ver­bot rechts­wid­rig ist, denn es belas­tet den Obdach­lo­sen in unan­ge­mes­se­ner Wei­se. Mit die­ser Maß­nah­me ist ihm jeg­li­che Per­spek­ti­ve genom­men wor­den, im Bedarfs­fal­le inner­halb der Stadt Georgs­ma­ri­en­hüt­te unter­ge­bracht zu wer­den. Dar­über hin­aus ist bei der Fra­ge einer Auf­nah­me des mit sei­ner Ehe­frau offen­sicht­lich wie­der ver­söhn­ten Antrag­stel­lers in eine Not­un­ter­kunft auch dem durch Art. 6 des Grund­ge­set­zes gewähr­leis­te­ten beson­de­ren Schutz der Ehe Rech­nung zu tra­gen. Ein berech­tig­ter Grund, die­sen Schutz hier ein­zu­schrän­ken, ist nicht erkenn­bar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Beschluss vom 4. Mai 2012 – 6 B 44/​12