Heil­prak­ti­ker – und die Eigenbluttherapie

Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter hat Heil­prak­ti­kern zu Recht unter­sagt, ihren Pati­en­ten Blut zur Her­stel­lung von Eigen­blut­pro­duk­ten zu ent­neh­men. Das hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt heu­te in drei Fäl­len ent­schie­den und damit die erst­in­stanz­li­chen Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts Müns­ter1 bestätigt.

Heil­prak­ti­ker – und die Eigenbluttherapie

Geklagt hat­ten Homöo­pa­then aus Bor­ken, Nord­wal­de und Sen­den. Sie ent­neh­men im Rah­men der – unter Heil­prak­ti­kern ver­brei­te­ten – Eigen­blut­the­ra­pie den Pati­en­ten eine gerin­ge Men­ge Blut und inji­zie­ren es ihnen nach Zusatz eines Sauer­stoff-Ozon-Gemi­sches oder nach der Mischung mit homöo­pa­thi­schen Fer­tig­arz­nei­mit­teln zurück. Mit arz­nei­mit­tel­recht­li­chen Ord­nungs­ver­fü­gun­gen hat­te die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter ihnen wegen des Arzt­vor­be­halts die Blut­ent­nah­me zu die­sen Zwe­cken unter­sagt. Die dage­gen gerich­te­ten Kla­gen wies das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter ab. Auch die Beru­fun­gen der Heil­prak­ti­ker hat­ten kei­nen Erfolg:

Die Ent­nah­me einer Blut­spen­de darf nach dem Trans­fu­si­ons­ge­setz nur durch einen Arzt oder unter Ver­ant­wor­tung eines Arz­tes erfol­gen, wor­an es hier fehlt. Der gesetz­li­che Begriff der Blut­spen­de erfasst neben der Ent­nah­me von Fremd­blut auch die von Eigen­blut. Der Sinn und Zweck des Geset­zes, für eine siche­re Gewin­nung von Blut und Blut­be­stand­tei­len zu sor­gen, greift auch bei Eigen­blut­spen­den, und zwar unab­hän­gig davon, ob nur eine gerin­ge Men­ge ent­nom­men wird. Die Heil­prak­ti­ker kön­nen sich auch nicht auf die Aus­nah­me­re­ge­lung für homöo­pa­thi­sche Eigen­blut­pro­duk­te beru­fen. Denn um sol­che geht es hier nicht. Homöo­pa­thisch ist nicht jedes Eigen­blut­pro­dukt, das durch einen Heil­prak­ti­ker her­ge­stellt wird. Der Begriff ist unter Her­an­zie­hung des Arz­nei­mit­tel­ge­set­zes zu bestim­men und setzt des­halb vor­aus, dass das Eigen­blut­pro­dukt in einem homöo­pa­thi­schen Zube­rei­tungs­ver­fah­ren her­ge­stellt wird, das im Euro­päi­schen Arz­nei­buch oder in einem der offi­zi­ell gebräuch­li­chen amt­li­chen Arz­nei­bü­cher (Phar­ma­ko­pö­en) der Mit­glied­staa­ten der EU beschrie­ben ist. Ein sol­ches Ver­fah­ren wen­den die Klä­ger nicht an. Sie ver­mi­schen ledig­lich das Eigen­blut mit einem homöo­pa­thi­schen Fer­tig­arz­nei­mit­tel bzw. mit einem Sauer­stoff-Ozon-Gemisch und unter­zie­hen dabei weder das Blut selbst noch das Eigen­blut­prä­pa­rat einer homöo­pa­thi­schen Tech­nik. Da das Trans­fu­si­ons­ge­setz dem Gesund­heits­schutz auch der spen­den­den Per­so­nen dient, ist die Aus­nah­me­re­ge­lung eng aus­zu­le­gen. Die Pri­vi­le­gie­rung der homöo­pa­thi­schen The­ra­pie­rich­tung kommt des­halb nur in Betracht, soweit ein im Arz­nei­mit­tel­ge­setz aner­kann­tes Zube­rei­tungs­ver­fah­ren ange­wen­det wird. Der Auf­fas­sung der Klä­ger, bei einem sol­chen Begriffs­ver­ständ­nis blei­be kein Anwen­dungs­be­reich für die Aus­nah­me­vor­schrift, folg­te der Senat nicht. 

Die Sicher­heit und Wirk­sam­keit von Eigen­blut­the­ra­pien war nicht Gegen­stand des Ver­fah­rens. Auch hat der Senat nicht ent­schie­den, ob Heil­prak­ti­ker für sol­che Eigen­blut­pro­duk­te eine Her­stel­lungs­er­laub­nis nach dem Arz­nei­mit­tel­ge­setz benö­ti­gen und ob sie die­se erhal­ten können. 

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 23. April 2021 – 9 A 4073/​18; 9 A 4108/​18 und 9 A 4109/​18

  1. VG Müns­ter, Urtei­le vom 17.09.2018 – 5 K 579/​18, 5 K 1118/​18 und 5 K 1161/​18[]

Bild­nach­weis: