Hells Angels – und das Ver­eins­ver­bot

Gemäß Art. 9 Abs. 2 GG sind Ver­ei­ni­gun­gen, deren Zwe­cke oder deren Tätig­keit den Straf­ge­set­zen zuwi­der­lau­fen oder die sich gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung oder gegen den Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung rich­ten, ver­bo­ten. Mit die­ser abschlie­ßen­den Fest­le­gung von Ver­bots­grün­den beschränkt Art. 9 Abs. 2 GG das kol­lek­ti­ve Recht auf Fort­be­stand der Ver­ei­ni­gung und setzt dem Grund­recht der Ver­ei­ni­gungs­frei­heit von Ver­fas­sungs wegen eine eigen­stän­di­ge Gren­ze.

Hells Angels – und das Ver­eins­ver­bot

Die grund­recht­li­che Gewähr­leis­tung des Art. 9 GG ist mit­hin dahin aus­zu­le­gen, dass Absatz 1 die Ver­ei­ni­gungs­frei­heit ledig­lich mit der sich aus Absatz 2 erge­ben­den Ein­schrän­kung gewähr­leis­tet 1. Hier­aus folgt, dass im ein­zel­nen Fall den Anfor­de­run­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit nur bei der Prü­fung Rech­nung getra­gen wer­den kann, ob die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen eines Ver­bots­grunds erfüllt sind, denn nach der Fest­stel­lung eines sol­chen Grunds ist nach der Rege­lungs­struk­tur des Art. 9 Abs. 2 GG für eine Ver­hält­nis­mä­ßig­keits­prü­fung kein Raum mehr.

Die Fest­stel­lung eines Ver­bots­grunds und die an die­se anknüp­fen­de Auf­lö­sung des betref­fen­den Ver­eins set­zen des­halb die Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Anfor­de­run­gen des ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sat­zes der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit vor­aus 2.

Bei dem hier in Rede ste­hen­den Ver­bots­grund des Art. 9 Abs. 2 Alt. 1 GG i.V.m. § 3 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 Ver­einsG bil­det das Erfor­der­nis, dass ein unter dem Gesichts­punkt der Straf­ge­setz­wid­rig­keit rele­van­tes und dem Ver­ein zuzu­rech­nen­des Ver­hal­ten ein­zel­ner Per­so­nen des­sen Cha­rak­ter prä­gen muss, den Ansatz­punkt für die Berück­sich­ti­gung der aus dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ableit­ba­ren Gebo­te 3.

Der Sach­ver­halt, der dem genann­ten Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs für Men­schen­rech­te zu Grun­de lag und von dem Gerichts­hof in die erst­ge­nann­te Fall­grup­pe ein­ge­ord­net wor­den ist, betraf die Ein­bin­dung eines Ver­eins in die rechts­wid­ri­ge Beset­zung von leer­ste­hen­den Häu­sern. Die­ser Sach­ver­halt ist mit dem Fall des Klä­gers nicht ver­gleich­bar. Dies ergibt sich zum einen aus den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts über die ein­zel­nen straf­ba­ren Hand­lun­gen von Mit­glie­dern des Klä­gers bzw. eines sei­ner Sup­por­ter­clubs, gegen die der Klä­ger in der Begrün­dung sei­ner Beschwer­de kei­ne Ver­fah­rens­rügen erhebt; es folgt zum ande­ren aus den recht­li­chen Erwä­gun­gen der Vor­in­stanz zur Zurech­nung die­ser Straf­ta­ten gegen­über dem Klä­ger, die die­ser als sol­che nicht angreift. In Anbe­tracht der Schwe­re der in Rede ste­hen­den Straf­ta­ten hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt den Fall des Klä­gers nach den Maß­stä­ben der zwei­ten der oben genann­ten Fall­grup­pen ent­schie­den. Grund­sätz­li­cher recht­li­cher Klä­run­gen bedarf es in die­sem Zusam­men­hang nicht.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – 6 B 31.2014 -

  1. BVerfG, Beschluss vom 15.06.1989 – 2 BvL 4/​87, BVerfGE 80, 244, 253[]
  2. stRspr; zuletzt BVerwG, Urteil vom 14.05.2014 – 6 A 3.13 22, 70[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 05.08.2009 – 6 A 3.08, BVerw­GE 134, 275 = Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 50 Rn. 16, 42; und vom 19.12 2012 – 6 A 6.11, Buch­holz 402.45 Ver­einsG Nr. 59 Rn. 50 f.; Beschluss vom 19.11.2013 – 6 B 25.13[]