Her­aus­ga­be von Unter­la­gen der Sta­si-Unter­la­gen­be­hör­de

Für die Ein­stu­fung als Mit­ar­bei­ter des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR ist es ohne Belang, dass kei­ne Ver­pflich­tungs­er­klä­rung vor­liegt, wenn der Betrof­fe­ne unter einem Deck­na­men über Jah­re wis­sent­lich und wil­lent­lich eine Viel­zahl von Infor­ma­tio­nen an das MfS gelie­fert hat.

Her­aus­ga­be von Unter­la­gen der Sta­si-Unter­la­gen­be­hör­de

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Eil­an­tra­ges des Inves­tors der East-Side-Gal­le­ry ent­schie­den, der sich damit gegen die Her­aus­ga­be von Unter­la­gen durch den Bun­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR (BStU) an die Pres­se gewandt hat. Der Antrag­stel­ler steht seit Anfang des Jah­res als Geschäfts­füh­rer einer Immo­bi­li­en­pro­jekt­ent­wick­lungs­ge­sell­schaft zur Errich­tung eines Wohn­hoch­hau­ses an der Ber­li­ner East Side Gal­le­ry im Licht der Öffent­lich­keit. Ver­schie­de­ne Pres­se­un­ter­neh­men bean­trag­ten ab März 2013 beim BStU die Her­aus­ga­be von Unter­la­gen zu sei­ner Per­son, weil der Ver­dacht auf­ge­kom­men war, er habe in den 80er Jah­ren mit dem Staats­si­cher­heits­dienst der DDR zusam­men gear­bei­tet. Der BStU kam nach Recher­chen zum Ergeb­nis, er sei als Inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter unter dem Deck­na­men "Jens Peter" tätig gewor­den; die zusam­men­ge­stell­ten Unter­la­gen will sie an Pres­se­un­ter­neh­men her­aus­ge­ben. Der Antrag­stel­ler meint, er gehö­re nicht zu dem Per­so­nen­kreis, über den per­so­nen­be­zo­ge­ne Infor­ma­tio­nen an die Pres­se oder Drit­te her­aus­ge­ge­ben wer­den dürf­ten. Er sei kei­ne Per­son der Zeit­ge­schich­te und auch kein Inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter des MfS gewe­sen, zumal er kei­ne Ver­pflich­tungs­er­klä­rung zur Zusam­men­ar­beit abge­ge­ben habe.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin lägen die Vor­aus­set­zun­gen für eine Her­aus­ga­be der Unter­la­gen vor. Nach dem Gesetz über die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik (StUG) dür­fe der BStU Unter­la­gen zum Zweck der poli­ti­schen und his­to­ri­schen Auf­ar­bei­tung der Tätig­keit des Staats­si­cher­heits­diens­tes zur Ver­fü­gung stel­len. Der Antrag­stel­ler sei nach dem StUG als Mit­ar­bei­ter des Staats­si­cher­heits­diens­tes zu qua­li­fi­zie­ren, weil er sich zur Lie­fe­rung von Infor­ma­tio­nen an den Staats­si­cher­heits­dienst bereit erklärt habe. Es sei unschäd­lich, dass kei­ne Ver­pflich­tungs­er­klä­rung vor­lie­ge, denn der Antrag­stel­ler habe unter dem Deck­na­men "Jens Peter" von 1982 an wis­sent­lich und wil­lent­lich eine Viel­zahl von Infor­ma­tio­nen an das MfS gelie­fert. Auf über­wie­gen­de schutz­wür­di­gen Belan­ge kön­ne sich der Antrag­stel­ler nicht beru­fen. Daher wies das Ver­wal­tungs­ge­richt den Antrag zurück.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Beschluss vom 21. Juni 2013 – 1 L 136.13

  1. vgl. BVerfGE 111, 307, 317[]