Hoch­schul­zu­las­sung – Über­bu­chun­gen und das Kapa­zi­täts­er­schöp­fungs­ge­bot

Von der Hoch­schu­le über die fest­ge­setz­te Zulas­sungs­zahl vor­ge­nom­me­ne Ein­schrei­bun­gen (Über­bu­chun­gen) sind gegen­über wei­te­ren Stu­di­en­be­wer­bern inso­weit nicht als kapa­zi­täts­wirk­sam anzu­er­ken­nen, als die zusätz­li­chen Ein­schrei­bun­gen dar­auf beru­hen, dass die Hoch­schu­le mit den Zulas­sun­gen mehr Stu­di­en­plät­ze beset­zen woll­te, als rechts­förm­lich fest­ge­setzt waren.

Hoch­schul­zu­las­sung – Über­bu­chun­gen und das Kapa­zi­täts­er­schöp­fungs­ge­bot

Ein all­ge­mei­ner Grund­satz, dass bei wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern stets die höchst zuläs­si­ge Lehr­ver­pflich­tung aus­zu­schöp­fen ist, lässt sich dem Kapa­zi­täts­er­schöp­fungs­ge­bot nicht ent­neh­men. Auch las­sen sich dar­aus sich kei­ne kon­kre­ten Lehr­ver­pflich­tun­gen für bestimm­te Per­so­nen­grup­pen her­lei­ten.

Die Hoch­schu­len dür­fen im Rege­lungs­be­reich der Zulas­sungs­zah­len­ver­ord­nun­gen aus eige­ner Kom­pe­tenz kei­ne dort nicht aus­ge­wie­se­nen Stu­di­en­plät­ze ver­ge­ben1. Damit ist die Zahl der als kapa­zi­täts­wirk­sam anzu Ein­schrei­bun­gen auf die Zahl zu ver­rin­gern, die sich nach dem Annah­me­ver­hal­ten der Stu­di­en­be­wer­ber erge­ben hät­te, wenn die Hoch­schu­le ange­strebt hät­te, die in der Zulas­sungs­zah­len­ver­ord­nung aus­ge­wie­se­ne 150 Plät­ze (statt 160) zu beset­zen.

Das Bestre­ben der Hoch­schu­le, 160 statt der aus­ge­wie­se­nen 150 Plät­ze zu beset­zen, erklärt sich zwar vor dem Hin­ter­grund, dass ihr noch nach dem hier maß­geb­li­chen Berech­nungs­stich­tag (01.04.2013) aus dem Hoch­schul­pakt II neue Mit­tel in Aus­sicht gestellt wor­den waren und sie sich durch die wei­te­re Ziel- und Leis­tungs­ver­ein­ba­rung mit der Behör­de für Wis­sen­schaft und For­schung vom 20.08.2013 zur Schaf­fung wei­te­rer Stu­di­en­plät­ze, u. a. 90 in der Fakul­tät für Erzie­hungs­wis­sen­schaft, Psy­cho­lo­gie und Bewe­gungs­wis­sen­schaft, ver­pflich­tet hat­te, von denen offen­bar 10 Plät­ze dem Bache­lor­stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie zur Ver­fü­gung gestellt wer­den soll­ten. Gleich­wohl müs­sen sich ande­re Stu­di­en­be­wer­ber, die gel­tend machen, dass die Kapa­zi­tät mit der Zulas­sungs­zahl von 150 nicht aus­ge­schöpft sei, die o. g. 11 von der Antrags­geg­ne­rin außer­halb des Kapa­zi­täts­rechts besetz­ten Plät­ze nicht im Rah­men ihrer Rech­te aus Art. 12 Abs. 1 GG als kapa­zi­täts- und anspruchs­ver­nich­tend ent­ge­gen­hal­ten las­sen. Es han­delt sich zum einen inso­weit nicht um kapa­zi­täts­recht­lich anzu, weil unab­sicht­li­che Über­bu­chun­gen, die gemäß § 5 Abs. 2 Satz 4 UniZS nach Maß­ga­be des Annah­me­ver­hal­tens in frü­he­ren Zulas­sungs­ver­fah­ren auf erhöh­ten Zulas­sun­gen zur Ver­mei­dung von Nach­rück­ver­fah­ren beru­hen. Eben­so wenig ergibt sich zum ande­ren eine Kapa­zi­täts­wirk­sam­keit die­ser 11 Ein­schrei­bun­gen aus dem Kapa­zi­täts­recht selbst. Die Freie und Han­se­stadt Ham­burg hat die von ihr und von der Antrags­geg­ne­rin – im Anschluss an die am 13.06.2013 von den Minis­ter­prä­si­den­ten der Län­der und der Bun­des­kanz­le­rin beschlos­se­ne Auf­sto­ckung der Mit­tel aus dem Hoch­schul­pakt II – ange­streb­te Erhö­hung der Stu­di­en­platz­zah­len nicht zum Anlass genom­men, die kapa­zi­täts­recht­lich maß­geb­li­che Ver­ord­nung über Zulas­sungs­zah­len für das Win­ter­se­mes­ter2 ent­spre­chend zu aktua­li­sie­ren oder nach­träg­lich zu ändern, so dass es hier für die Antrags­geg­ne­rin kei­ne kapa­zi­täts­recht­lich hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge dafür gab, nun­mehr im Hin­blick auf Mit­tel aus dem Hoch­schul­pakt II mehr als die ver­ord­nungs­recht­lich fest­ge­setz­ten Plät­ze beset­zen zu wol­len. Die Ziel- und Leis­tungs­ver­ein­ba­rung vom 20.08.2013 war als blo­ße Ver­wal­tungs­ver­ein­ba­rung nicht geeig­net, die Rechts­ver­ord­nung über Zulas­sungs­zah­len zu ver­drän­gen. Dies unter­schei­det den vor­lie­gen­den Fall von der Situa­ti­on bei der Leh­rein­heit BWL im Berech­nungs­zeit­raum 2012/​2013, als ent­spre­chen­de in Aus­sicht gestell­te Mit­tel bereits Grund­la­ge der von der Antrags­geg­ne­rin errech­ne­ten und von der Frei­en und Han­se­stadt Ham­burg ver­ord­nungs­recht­lich fest­ge­setz­ten Kapa­zi­tät gewe­sen waren3.

Die Auf­fas­sung, in sog. har­ten N- C‑Fächern sei bei der Lehr­ver­pflich­tung der wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ter das zuläs­si­ge Maxi­mum aus­zu­schöp­fen, trifft nach der Recht­spre­chung des Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts nicht zu. Ein all­ge­mei­ner Grund­satz, dass bei wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern stets die höchst zuläs­si­ge Lehr­ver­pflich­tung aus­zu­schöp­fen ist, lässt sich dem Kapa­zi­täts­er­schöp­fungs­ge­bot nicht ent­neh­men. Aus dem Grund­satz, dass in zulas­sungs­be­schränk­ten Stu­di­en­gän­gen vor­han­de­ne Aus­bil­dungs­ka­pa­zi­tä­ten erschöp­fend genutzt wer­den müs­sen, las­sen sich kei­ne kon­kre­ten Lehr­ver­pflich­tun­gen für bestimm­te Per­so­nen­grup­pen her­lei­ten4

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 3. Juni 2014 – 3 Nc 122/​13

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 23.03.2011, BVerw­GE 139, 210, Rn. 15 []
  2. vom 19.07.2013, HmbGVBl. S. 324 []
  3. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 15.10.2013, 3 Nc 158/​12 []
  4. vgl. OVG Ham­burg, Beschluss vom 12.10.2012, a. a. O. []