Hoch­was­ser­schä­den – und die Amts­haf­tung

Hoch­was­ser­ge­schä­dig­ten Eigen­heim­be­sit­zern steht nach Ansicht des Ober­lan­des­ge­richts Dres­den kein Amts­haf­tungs­an­spruch gegen die Gemein­de zu, die in ihrem Bebau­ungs­plan eine Bebau­ung in den vom Hoch­was­ser 2013 betrof­fe­nen Über­schwem­mungs­ge­bie­ten ermög­licht hat.

Hoch­was­ser­schä­den – und die Amts­haf­tung

Die Klä­ger, die im Gemein­de­ge­biet der beklag­ten Gemein­de Nünchritz gele­ge­nen Grund­stü­cke zwi­schen 1998 und 2001 erwor­ben und mit Wohn­häu­sern bebaut hat­ten, hat­ten Scha­den­er­satz­an­sprü­che gel­tend gemacht, nach­dem ihre Wohn­häu­ser durch das Hoch­was­ser im Juni 2013 – wie bereits 2002 – über­schwemmt wor­den waren. Nach Ansicht der Klä­ger hät­ten ihre Haus­grund­stü­cke durch das Hoch­was­ser 2013 Min­de­run­gen des Ver­kehrs­wer­tes erfah­ren, die sie je nach Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten mit ca. 80.000 bis 226.000 € bezif­fern.

Das Ober­lan­des­ge­richt Dres­den lehn­te einen Amts­haf­tungs­an­spruch ab: Der Gemein­de Nünchritz sei bei der Auf­stel­lung des Bebau­ungs­pla­nes im Jahr 1997 kei­ne schuld­haf­te Pflicht­ver­let­zung vor­zu­wer­fen. Die dama­li­gen Hoch­was­ser­schutz­vor­schrif­ten sei­en beach­tet wor­den. Stren­ge­re Hoch­was­ser­schutz­vor­schrif­ten sei­en erst ab 2005 in Kraft getre­ten. Zudem sei frag­lich, ob die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer über­haupt geschütz­te Drit­te des Bebau­ungs­pla­nes gewe­sen wären, der pri­mär die geord­ne­te städ­te­bau­li­che Ent­wick­lung gegen­über der All­ge­mein­heit absi­chern soll.

Auch nach der Flut 2002 sei der Gemein­de kei­ne Pflicht­ver­let­zung vor­zu­wer­fen. Ein Anspruch auf Ände­rung des Bebau­ungs­pla­nes bestehe nicht. Im Übri­gen sei die Gemein­de auch für das von der Elbe aus­ge­hen­de Hoch­was­ser, einem Gewäs­ser 1. Ord­nung, grund­sätz­lich nicht hoch­was­ser­schutz­pflich­tig.

Ober­lan­des­ge­richt Dres­den, Urteil vom 26. August 2015 – 1 U 76/​15