Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge

Eine gene­rel­le Höchst­al­ters­gren­ze von 70 Jah­ren für Prüf­sach­ver­stän­di­ge, wie sie etwa die Hes­si­sche Bau­ord­nung für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in bestimm­ten Gebäu­den wie Kran­ken­häu­sern, Schu­len oder Ver­samm­lungs­stät­ten vor­sieht, ist zuläs­sig. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sieht hier­durch weder das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz noch euro­päi­sches Uni­ons­recht ver­letzt.

Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall wur­de der heu­te 71jährige Antrag­stel­ler im Okto­ber 2011 von der Inge­nieur­kam­mer Hes­sen als Prüf­sach­ver­stän­di­ger für tech­ni­sche Anla­gen und Ein­rich­tun­gen in Gebäu­den aner­kannt. Er wen­det sich gegen § 7 Abs. 1 Nr. 2 der Hes­si­schen Prüf­be­rech­tig­ten- und Prüf­sach­ver­stän­di­gen­ver­ord­nung; danach erlischt die Aner­ken­nung als Prüf­sach­ver­stän­di­ger mit der Voll­endung des 70. Lebens­jah­res. Der Antrag­stel­ler macht gel­tend, die Höchst­al­ters­gren­ze ver­sto­ße gegen das Ver­bot der Alters­dis­kri­mi­nie­rung. Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat den Nor­men­kon­troll­an­trag abge­lehnt 1. Die Höchst­al­ters­gren­ze sei nicht zu bean­stan­den.

Auf die Revi­si­on des Inge­nieurs hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt das Urteil des Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs bestä­tigt und die Revi­si­on des Inge­nieurs zurück­ge­wie­sen:

Die gene­rel­le Höchst­al­ters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge stellt zwar eine unmit­tel­ba­re Benach­tei­li­gung wegen des Alters nach dem All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­setz dar, sie wird aber durch den in Art. 2 Abs. 5 der Euro­päi­schen Gleich­be­hand­lungs­richt­li­nie 2000/​78/​EG ent­hal­te­nen Sicher­heits­vor­be­halt legi­ti­miert. Die Fest­le­gung der Alters­gren­ze für Prüf­sach­ver­stän­di­ge dient der Gebäu­de­si­cher­heit, dem Schutz von Leben und Gesund­heit der Gebäu­de­nut­zer und der All­ge­mein­heit (Bau­si­cher­heit) und damit der öffent­li­chen Sicher­heit als einem legi­ti­men Zweck. Zur Gewähr­leis­tung der Bau­si­cher­heit ist die Alters­gren­ze auch not­wen­dig. Sie ist geeig­net, zur Bau­si­cher­heit bei­zu­tra­gen, indem sie das alters­be­dingt erhöh­te Risi­ko von Fehl­leis­tun­gen bei der Prüf­tä­tig­keit aus­schließt. Die Alters­gren­ze genügt den Anfor­de­run­gen an eine kohä­ren­te und sys­te­ma­ti­sche Rege­lung, weil auch Prüf­sach­ver­stän­di­ge aus ande­ren Län­dern und ande­ren Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on mit einem höhe­ren Lebens­al­ter als 70 Jah­ren nicht in Hes­sen tätig sein dür­fen. Eine fle­xi­ble Alters­gren­ze, die an eine indi­vi­du­el­le Über­prü­fung der Leis­tungs­fä­hig­keit des jewei­li­gen Prüf­sach­ver­stän­di­gen knüpft, stellt gegen­über der gene­rel­len Höchst­al­ters­gren­ze ein zwar mil­de­res, aber nicht gleich wirk­sa­mes Mit­tel zur Gewähr­leis­tung der Bau­si­cher­heit dar. Schließ­lich belas­tet die Höchst­al­ters­gren­ze von 70 Jah­ren den Antrag­stel­ler nicht unzu­mut­bar. Sie liegt über dem all­ge­mei­nen Ren­ten­ein­tritts­al­ter sowie über der Regel­al­ters­gren­ze der tech­ni­schen Beam­ten der Bau­auf­sichts­be­hör­den von 67 Jah­ren, deren Tätig­keit der­je­ni­gen des Prüf­sach­ver­stän­di­gen ver­gleich­bar ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 21. Janu­ar 2015 – 10 CN 1.2014 -

  1. Hess. VGH, Urteil vom 07.08.2013 – 7 C 897/​13.N[]