Höhe­re Ton­nage­be­gren­zung am Flug­ha­fen und die Lärm­be­las­tung

Durch die Anhe­bung der Ton­nage­be­gren­zung von 75 t auf 100 t für an einem Flug­ha­fen ver­keh­ren­de Flug­zeu­ge wer­den weder grö­ße­re Berei­che eines benach­bar­ten Gemein­de­ge­biets einer kom­mu­na­len Pla­nung ent­zo­gen noch kom­mu­na­le Ein­rich­tun­gen erheb­lich beein­träch­tigt, weil allen­falls mar­gi­na­le Ver­än­de­run­gen der Lärm­be­las­tun­gen zu erwar­ten sind.

Höhe­re Ton­nage­be­gren­zung am Flug­ha­fen und die Lärm­be­las­tung

Mit die­ser Begrün­dung ist die Kla­ge einer dem Flug­ha­fen Dort­mund benach­bar­ten Gemein­de vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len abge­wie­sen wor­den, die sich gegen die Anhe­bung des höchst­zu­läs­si­gen Start­ge­wichts für die am Flug­ha­fen ver­keh­ren­den Flug­zeu­ge von ursprüng­lich 75 t auf 100 t gewandt hat. Der Betrieb des Ver­kehrs­flug­ha­fens Dort­mund erfolgt unter ande­rem auf der Grund­la­ge einer Geneh­mi­gung aus dem Jahr 2000, wel­che das höchst­zu­läs­si­ge Start­ge­wicht für am Flug­ha­fen ver­keh­ren­de Flug­zeu­ge auf 75 t begrenzt hat­te (Ton­nage­be­gren­zung). Auf Antrag des Flug­ha­fens hob die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter im Jahr 2003 die­se Ton­nage­be­gren­zung völ­lig auf, um zu ermög­li­chen, dass moder­ne­re und schwe­re­re Wei­ter­ent­wick­lun­gen der am Flug­ha­fen ver­keh­ren­den Flug­zeug­mus­ter den Flug­ha­fen wei­ter­hin nut­zen kön­nen. Eine dage­gen gerich­te­te Kla­ge der Nach­bar­ge­mein­de hat­te im Dezem­ber 2005 teil­wei­se Erfolg. Die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter wur­de ver­ur­teilt, über eine Begren­zung der Ton­nage­frei­ga­be erneut zu ent­schei­den. Dies tat sie mit Bescheid vom 9. Mai 2009, nach­dem sie zuvor meh­re­re Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten zu den Lärm­aus­wir­kun­gen ver­schie­de­ner Sze­na­ri­en einer Ton­nage­be­gren­zun­g/-frei­ga­be ein­ge­holt hat­te, und setz­te das höchst­zu­läs­si­ge Start­ge­wicht auf 100 t fest. Gegen die­se Ent­schei­dung hat die Nach­bar­ge­mein­de nun erneut Kla­ge erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len sei die Kla­ge jeden­falls unbe­grün­det soweit die Auf­he­bung des Bescheids vom 9. Mai 2009 ver­langt wer­de, weil eine Rechts­ver­let­zung der Klä­ge­rin nicht vor­lie­ge. Die Ver­let­zung eines Betei­li­gungs­rechts schei­de aus, weil der Klä­ge­rin die im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten vor der Ent­schei­dung zur Kennt­nis gebracht wor­den sei­en. Eine Beein­träch­ti­gung der Pla­nungs­ho­heit der Klä­ge­rin lie­ge offen­sicht­lich nicht vor. Dies sei bereits mit dem Urteil aus Dezem­ber 2005 ent­schie­den wor­den.

Unab­hän­gig davon wür­den durch die Anhe­bung der Ton­nage­be­gren­zung auf 100 t weder grö­ße­re Berei­che des Gemein­de­ge­biets der Klä­ge­rin einer kom­mu­na­len Pla­nung ent­zo­gen noch kom­mu­na­le Ein­rich­tun­gen erheb­lich beein­träch­tigt, weil nach den ein­ge­hol­ten Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten auf­grund der Anhe­bung der Ton­nage­be­gren­zung allen­falls mar­gi­na­le Ver­än­de­run­gen der Lärm­be­las­tun­gen zu erwar­ten sei­en. Die Klä­ge­rin habe wei­ter­hin kei­nen Anspruch dar­auf, dass erneut über eine wei­ter­ge­hen­de Begren­zung der Ton­na­ge oder aber über Schutz­auf­la­gen zu ihren Guns­ten ent­schie­den wer­de. Der Bescheid vom 7. Mai 2009 ent­hal­te kei­nen Abwä­gungs­man­gel zulas­ten der Klä­ge­rin, die eine erneu­te Ent­schei­dung erfor­der­lich machen könn­te. Ange­sichts der gerin­gen Lärm­aus­wir­kun­gen der Anhe­bung der Ton­nage­be­gren­zung habe die Bezirks­re­gie­rung Müns­ter im Ergeb­nis rechts­feh­ler­frei davon abge­se­hen, die Ton­na­ge noch stär­ker zu begren­zen oder aber Lärm­schutz­auf­la­gen zuguns­ten der Klä­ge­rin anzu­ord­nen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 10. August 2012 – 20 D 58/​09.AK