Hun­de­trans­port aus dem euro­päi­schen Aus­land

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat in einem Ver­fah­ren, in dem es um die Gel­tung tier­schutz­recht­li­cher Bestim­mun­gen für den Trans­port und die Ver­mitt­lung von Hun­den aus dem euro­päi­schen Aus­land nach Deutsch­land geht, den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on in Luxem­burg zur Vor­ab­ent­schei­dung über die Aus­le­gung uni­ons­recht­li­cher Bestim­mun­gen ange­ru­fen.

Hun­de­trans­port aus dem euro­päi­schen Aus­land

Kon­kret wur­den dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on fol­gen­de Fra­gen zur Aus­le­gung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1/​2005 des Rates vom 22.12 2004 über den Schutz von Tie­ren beim Trans­port 1 und der Richt­li­nie 90/​425/​EWG des Rates vom 26.06.1990 zur Rege­lung der vete­ri­när­recht­li­chen und tier­züch­te­ri­schen Kon­trol­len im inner­ge­mein­schaft­li­chen Han­del mit leben­den Tie­ren und Erzeug­nis­sen im Hin­blick auf den Bin­nen­markt 2 zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

  1. Ist es im Sin­ne von Art. 1 Abs. 5 VO (EG) Nr. 1/​2005 ein Trans­port von Tie­ren, der nicht in Ver­bin­dung mit einer wirt­schaft­li­chen Tätig­keit durch­ge­führt wird, wenn die­ser Trans­port von einem als gemein­nüt­zig aner­kann­ten Tier­schutz­ver­ein durch­ge­führt wird und dazu dient, her­ren­lo­se Hun­de an Drit­te gegen ein Ent­gelt ("Schutz­ge­bühr") zu ver­mit­teln, das
    1. hin­ter den Auf­wen­dun­gen des Ver­eins für das Tier, den Trans­port und die Ver­mitt­lung zurück­bleibt oder die­se gera­de deckt,
    2. über die­se Auf­wen­dun­gen hin­aus­geht, der Gewinn aber dazu dient, unge­deckt geblie­be­ne Auf­wen­dun­gen für die Ver­mitt­lung ande­rer her­ren­lo­ser Tie­re, Auf­wen­dun­gen für her­ren­lo­se Tie­re oder ande­re Tier­schutz­pro­jek­te zu finan­zie­ren?
  2. Liegt ein inner­ge­mein­schaft­lich Han­del trei­ben­des Unter­neh­men im Sin­ne von Art. 12 RL 90/​425/​EWG vor, wenn ein als gemein­nüt­zig aner­kann­ter Tier­schutz­ver­ein her­ren­lo­se Hun­de nach Deutsch­land ver­bringt und an Drit­te gegen ein Ent­gelt ("Schutz­ge­bühr") ver­mit­telt, das
    1. hin­ter den Auf­wen­dun­gen des Ver­eins für das Tier, den Trans­port und die Ver­mitt­lung zurück­bleibt oder die­se gera­de deckt,
    2. über die­se Auf­wen­dun­gen hin­aus­geht, der Gewinn aber dazu dient, unge­deckt geblie­be­ne Auf­wen­dun­gen für die Ver­mitt­lung ande­rer her­ren­lo­ser Tie­re, Auf­wen­dun­gen für her­ren­lo­se Tie­re oder ande­re Tier­schutz­pro­jek­te zu finan­zie­ren?

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens ist ein Tier­schutz­ver­ein, der im Rah­men sei­ner Akti­vi­tä­ten her­ren­lo­se Hun­de aus Ungarn gegen eine "Schutz­ge­bühr" in Höhe von 270 € an Drit­te ver­mit­telt und in die­sem Zuge die Tie­re von Mit­glie­dern mit einem Lie­fer­wa­gen nach Deutsch­land trans­por­tie­ren lässt. Zwi­schen dem Klä­ger und dem beklag­ten Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um des Lan­des Schles­wig-Hol­stein ist unter ande­rem strei­tig, ob der Ver­ein die uni­ons­recht­li­chen Bestim­mun­gen über den Schutz von Tie­ren beim Trans­port nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1/​2005 zu beach­ten hat. Des Wei­te­ren ist strei­tig, ob die Ver­brin­gung der Hun­de nach Deutsch­land der Anzei­ge- und Regis­trie­rungs­pflicht nach § 4 der Bin­nen­markt-Tier­seu­chen­schut­z­­ver­ord­nung unter­liegt, die ins­be­son­de­re der Umset­zung von Art. 12 der Richt­li­nie (RL) 90/​425/​EWG dient, die unter ande­rem Rege­lun­gen zu vete­ri­när­recht­li­chen Kon­trol­len im inner­ge­mein­schaft­li­chen Han­del zum Gegen­stand hat.

In den Vor­in­stan­zen haben sowohl Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ver­wal­tungs­ge­richt 3 und Ober­ver­wal­tungs­ge­richt 4 dies bejaht und die Kla­ge abge­wie­sen. Das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat dabei (letzt­lich) offen gelas­sen, ob der Klä­ger mit sei­ner Ver­mitt­lungs­tä­tig­keit eine Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ver­fol­ge und – zumin­dest mit einem Teil sei­ner Tier­trans­por­te – einen Gewinn erzie­le.

In dem nun beim Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt anhän­gi­gen Revi­si­ons­ver­fah­ren kommt es ins­be­son­de­re dar­auf an, wann eine sol­che Ver­mitt­lung von Hun­den eine "wirt­schaft­li­che Tätig­keit" im Sin­ne der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1/​2005 dar­stellt und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein inner­ge­mein­schaft­lich Han­del trei­ben­des Unter­neh­men im Sin­ne von Art. 12 RL 90/​425/​EWG vor­liegt. Da die­se Fra­gen bis­lang nicht geklärt sind und sich auch nicht zwei­fels­frei beant­wor­ten las­sen, hat der 3. Revi­si­ons­se­nat beschlos­sen, den EuGH um Vor­ab­ent­schei­dung zu ersu­chen. Bis zur Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on ist das Revi­si­ons­ver­fah­ren aus­ge­setzt.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 09. April 2014 – 3 C 2.2013 -

  1. ABl Nr. L 3 S. 1[]
  2. ABl Nr. L 224 S. 29[]
  3. VG Schles­wig, Urteil vom 17.08.2011 – 1 A 31/​10[]
  4. OVG Schles­wig, Urteil vom 06.12 2012 – 4 LB 11/​11[]

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