Hun­de­zucht oder "ani­mal hoar­ding"

Man kann regel­mä­ßig dann von einer Hun­de­zucht aus­ge­hen, wenn min­des­tens drei fort­pflan­zungs­fä­hi­ge Hün­din­nen gehal­ten wer­den oder min­des­tens drei Wür­fe pro Jahr erfol­gen.

Hun­de­zucht oder "ani­mal hoar­ding"

Mit die­ser Begrün­dung hat aktu­ell das Ver­wal­tungs­ge­richt des Saar­lan­des den Eil­an­trag meh­re­rer Tier­hal­ter abge­wie­sen, die hier­mit die Aus­set­zung zwei­er tier­schutz­recht­li­cher Anord­nun­gen errei­chen woll­ten. Die Antrag­stel­ler hal­ten auf ihrem 26 ar gro­ßen Are­al in Nun­kir­chen ca. 50 Hun­de, 6 Kat­zen, 4 Pfer­de, 1 Lama, 1 Wasch­bär und ver­schie­de­ne wei­te­re Tie­re. Im Rah­men einer zuvor gericht­lich ange­ord­ne­ten Durch­su­chung stell­ten die Amts­tier­ärz­te fest, dass mehr oder weni­ger alle Orte, an denen die Tie­re gehal­ten wur­den, stark mit Kot­hau­fen und Urin­la­chen ver­dreckt und vie­le Tie­re ver­nach­läs­sigt waren. Allein im Wohn­haus befan­den sich 26 Hun­de, 6 Kat­zen, 1 aus­tra­li­sche Ech­se, 4 Boa Con­s­tric­tor, 2 Hams­ter, 1 Tiger­py­thon, 1 Vogel­spin­ne sowie Rat­ten und Mäu­se als Fut­ter­tie­re für die Boas. Die Tier­schutz­be­hör­de hat die Hal­ter auf­ge­for­dert, die gewerb­li­che Zucht mit Hun­den sofort ein­zu­stel­len und alle Tie­re ab sofort tier­schutz­ge­recht zu hal­ten. Des Wei­te­ren wur­de die Dul­dung von Nach­kon­trol­len auch im Wohn­be­reich des Hau­ses ange­ord­net. Weil sol­che Anord­nun­gen trotz ein­ge­leg­ter Rechts­mit­tel sofort zu befol­gen sind, haben die Tier­hal­ter das Ver­wal­tungs­ge­richt ange­ru­fen.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts liegt eine Hun­de­zucht regel­mä­ßig bereits vor, wenn min­des­tens drei fort­pflan­zungs­fä­hi­ge Hün­din­nen gehal­ten wer­den oder min­des­tens drei Wür­fe pro Jahr erfol­gen. Wer so vie­le Tie­re hält, kann auch zur Füh­rung eines Bestands­bu­ches ver­pflich­tet wer­den. Dass die Antrag­stel­ler allen ihren Hun­den regel­mä­ßig Aus­lauf im Rah­men von Spa­zier­gän­gen gewäh­ren, hat das Gericht für kaum vor­stell­bar gehal­ten. Die Behaup­tung, die Auf­ent­halts­be­rei­che aller Tie­re wür­den täg­lich gerei­nigt, ist durch das Ergeb­nis unan­ge­kün­dig­ter behörd­li­cher Kon­trol­len wider­legt wor­den. Lamas und Wasch­bä­ren dür­fen grund­sätz­lich nicht allein gehal­ten wer­den. In jedem Fall sind die Hal­tungs­be­din­gun­gen für Lama und Wasch­bär zu klein und nicht art­ge­recht. Nach­kon­trol­len auch im Wohn­be­reich der Antrag­stel­ler sind recht­lich gebo­ten, nach­dem bei der Durch­su­chung erklärt wor­den ist, es gebe kei­ne wei­te­ren Tie­re, und dann im Schlaf­zim­mer­schrank eine träch­ti­ge Hün­din und im Ehe­bett zwei Wel­pen gefun­den wor­den sind. Soll­ten die Betrof­fe­nen den Bestand an fort­pflan­zungs­fä­hi­gen Hün­din­nen nicht auf zwei redu­zie­ren, darf die Tier­schutz­be­hör­de ihnen die über­zäh­li­gen Tie­re weg­neh­men. Tre­te durch die getrof­fe­nen Maß­nah­men kei­ne Bes­se­rung ein, muss die Vete­ri­när­be­hör­de erwä­gen, ob die Tier­hal­ter als soge­nann­te Tier­horter ("ani­mal hoar­ding") zu qua­li­fi­zie­ren sind, denen regel­mä­ßig nur mit einem gene­rel­len Hal­tungs­ver­bot begeg­net wer­den kann.

Ver­wal­tungs­ge­richt Saar­land, Beschluss vom 8. Febru­ar 2012 – 5 L 48/​12