Hyaluron – oder: Dicke Lip­pen als heil­kund­li­che Tätig­keit

Vor­läu­fig gilt die Anwen­dung eines Hyaluron-Pens als heil­kund­li­che Tätig­keit.

Hyaluron – oder: Dicke Lip­pen als heil­kund­li­che Tätig­keit

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren ent­schie­den und den Eil­an­trag auf Fest­stel­lung, dass die Anwen­dung des Pens kei­ne heil­kund­li­che Tätig­keit ist, abge­lehnt. Antrag­stel­le­rin ist die Betrei­be­rin eines Nagel­stu­di­os sowie eines Schu­lungs­zen­trums für Nagel­be­hand­lung und Nagel­de­sign. In der Ver­gan­gen­heit bot sie u.a. Schu­lun­gen mit einem Hyaluron-Pen an. Haupt­an­wen­dungs­be­rei­che des Pens sind der Auf­bau des Lip­pen­vo­lu­mens sowie die Fal­ten­be­hand­lung im Gesicht. Dabei wird Hyaluron­säu­re ohne Kanü­le mit hohem Druck und einer Geschwin­dig­keit von 800 km/​h unter die Haut ein­ge­bracht.

Die Städ­te­re­gi­on Aachen ver­tritt die Auf­fas­sung, dass die Anwen­dung von Hyaluron-Pens eine Tätig­keit sei, die nur von Heil­prak­ti­kern vor­ge­nom­men wer­den dür­fe. Das "Ein­schie­ßen" der Hyaluron­säu­re set­ze – wie die Unter­sprit­zung mit­tels Kanü­le – medi­zi­ni­sche Grund­kennt­nis­se vor­aus. Da die Antrag­stel­le­rin kei­ne Heil­prak­ti­ke­rin ist, for­der­te sie die Antrag­stel­le­rin zur Abga­be einer Unter­las­sungs­er­klä­rung auf. Dem ist die Antrag­stel­le­rin zunächst nach­ge­kom­men. Sie beab­sich­tigt aber wei­ter­hin, ent­spre­chen­de Schu­lun­gen anzu­bie­ten und begehrt daher mit dem Eil­an­trag die Fest­stel­lung, dass die Anwen­dung des Pens kei­ne heil­kund­li­che Tätig­keit ist.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen aus­ge­führt, dass die gesund­heit­li­chen Risi­ken bei der Anwen­dung des Pens im Eil­ver­fah­ren nicht geklärt wer­den könn­ten. Es sei offen, inwie­weit die Behand­lung der "klas­si­schen" Fal­ten­un­ter­sprit­zung ent­spre­che (die Heil­prak­ti­kern vor­be­hal­ten ist) und ver­gleich­ba­re gesund­heit­li­che Risi­ken ber­ge. Medi­zi­ni­sche Kennt­nis­se könn­ten erfor­der­lich sein im Hin­blick auf die kon­kre­te Anwen­dung des Pens oder die Fest­stel­lung, ob mit einer Behand­lung begon­nen wer­den darf, ohne dass der Pati­ent Scha­den nimmt. Zur Klä­rung bedür­fe es der Ein­ho­lung eines fach­ärzt­li­chen Gut­ach­tens (Fach­arzt für Haut­er­kran­kun­gen, für Mund-Kie­fer-Gesichts­chir­ur­gie oder für Plas­tisch-Ästhe­ti­sche Chir­ur­gie). Ein sol­ches kön­ne jedoch erst in einem – bis­lang nicht anhän­gig gemach­ten – Haupt­sa­che­ver­fah­ren ein­ge­holt wer­den. Die von der Her­stel­ler­fir­ma des Pens in Auf­trag gege­be­nen und von der Antrag­stel­le­rin vor­ge­leg­ten medi­zi­ni­schen Stel­lung­nah­men und Gut­ach­ten sei­en nicht hin­rei­chend aus­sa­ge­kräf­tig. Sie sei­en u.a. nur an weni­gen Pro­ban­den und nicht auf der Gesichts­haut bzw. den Lip­pen durch­ge­führt wor­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Beschluss vom 26. Febru­ar 2020 – 5 L 1404/​19