Iden­ti­tä­re sind „gesi­chert rechtsextrem“

Ein­stu­fun­gen der sog. Iden­ti­tä­ren Bewe­gung als „Ver­dachts­fall“ sowie als „gesi­chert rechts­ex­trem“ in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten 2016 bis 2019 sind nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg nicht zu beanstanden.

Iden­ti­tä­re sind „gesi­chert rechtsextrem“

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat den Antrag auf Zulas­sung der Beru­fung gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin vom 12. Novem­ber 2020 abge­lehnt, mit dem die Kla­ge der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung Deutsch­land e.V. gegen die Bericht­erstat­tung über ihn in Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten des Bun­des abge­wie­sen wor­den war. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um des Innern, für Bau und Hei­mat hat­te über den Ver­ein in den Jah­ren 2016 bis 2018 als sog. Ver­dachts­fall und im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2019 als „gesi­chert rechts­ex­tre­mis­ti­sche Bestre­bung“ berichtet.

Für das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg bestehenk­ei­ne ernst­li­chen Zwei­fel an der Rich­tig­keit der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung; die vom Ver­wal­tungs­ge­richt erkann­te zen­tra­le Ziel­set­zung des Ver­eins einer Erhal­tung des deut­schen Vol­kes in sei­ner eth­no­kul­tu­rel­len Iden­ti­tät, die er expli­zit im Grund­ge­setz ver­an­kert sehen wol­le, habe er eben­so wenig in Abre­de gestellt wie die Fest­stel­lung, dass die­sem Ver­ständ­nis der Sache nach ein völ­kisch-abstam­mungs­mä­ßi­ger Volks­be­griff zu Grun­de liege.

Ein sol­cher Volks­be­griff ver­sto­ße jedoch gegen die Men­schen­wür­de, denn Art. 1 Abs. 1 GG umfas­se die prin­zi­pi­el­le Gleich­heit aller Men­schen, unge­ach­tet aller tat­säch­lich bestehen­den Unter­schie­de. Der eth­nop­lu­ra­lis­ti­sche Ansatz des Ver­eins leh­ne die­se Gleich­heit grund­sätz­lich ab.

Es füh­re zu kei­ner abwei­chen­den Bewer­tung, dass der Ver­ein bereits ein­ge­tre­te­ne Ände­run­gen des deut­schen Staats­vol­kes akzep­tie­ren wol­le und der erlang­te Rechts­sta­tus deut­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger ande­rer eth­ni­scher Zuge­hö­rig­keit unver­än­dert blei­ben sol­le. Denn völ­kisch-abstam­mungs­mä­ßi­ge und ras­sis­ti­sche Kri­te­ri­en ver­stie­ßen auch dann gegen die Men­schen­wür­de, wenn sie nicht abso­lut gel­ten sollten. 

Weiterlesen:
Die namentliche Berichterstattung über Rechtsextremismus in der AfD

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ‑Bran­den­burg, Beschluss vom 23. Juni 2021 – OVG 1 N 96/​20

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