Infek­ti­ons­schutz im Natur­bad

Das in einem Frei­bad mit bio­lo­gi­scher Was­ser­auf­be­rei­tung und ohne Des­in­fek­ti­ons­ver­fah­ren ("Natur­bad") zum Schwim­men und Baden bereit­ge­stell­te Was­ser ist kein Schwimm- und Bade­be­cken­was­ser im Sin­ne von § 37 Abs. 2 und § 38 Abs. 2 Satz 1 IfSG, son­dern sons­ti­ges Was­ser im Sin­ne von § 38 Abs. 2 Satz 3 IfSG.

Infek­ti­ons­schutz im Natur­bad

Nach § 37 Abs. 2 IfSG muss Schwimm- oder Bade­be­cken­was­ser in Gewer­be­be­trie­ben, öffent­li­chen Bädern sowie in sons­ti­gen nicht aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Ein­rich­tun­gen so beschaf­fen sein, dass durch sei­nen Gebrauch eine Schä­di­gung der mensch­li­chen Gesund­heit, ins­be­son­de­re durch Krank­heits­er­re­ger, nicht zu besor­gen ist. Mit dem Begriff des Schwimm- oder Bade­be­cken­was­sers in öffent­li­chen Bädern wer­den die her­kömm­li­chen Schwimm- und Bade­be­rei­che in Frei- und Hal­len­bä­dern erfasst, bei denen das Was­ser kon­ti­nu­ier­lich im Kreis­lauf auf­be­rei­tet (gerei­nigt) und (z.B. mit­tels Chlor) des­in­fi­ziert wird.

Davon grenzt § 38 Abs. 2 Satz 3 IfSG sons­ti­ges Was­ser ab, das in Gewer­be­be­trie­ben, öffent­li­chen Bädern sowie in sons­ti­gen nicht aus­schließ­lich pri­vat genutz­ten Ein­rich­tun­gen zum Schwim­men oder Baden bereit­ge­stellt wird. Die Unter­schei­dung knüpft dar­an an, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zuneh­mend künst­lich ange­leg­te Schwimm- und Bade­teich­an­la­gen öffent­lich oder gewerb­lich bereit­ge­stellt und genutzt wor­den sind, bei denen die Was­ser­auf­be­rei­tung durch natür­li­che Rei­ni­gungs­pro­zes­se und durch Fil­tra­ti­on, aber ohne Ver­wen­dung von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln vor­ge­nom­men wird 1.

Ent­spre­chend hat das Umwelt­bun­des­amt (§ 40 IfSG) getrenn­te Emp­feh­lun­gen zu den Hygie­ne­an­for­de­run­gen bei Schwimm- und Bade­be­cken­was­ser einer­seits und bei Schwimm- und Bade­teich­was­ser ande­rer­seits her­aus­ge­ge­ben 2.

Für die Ein­ord­nung von Was­ser als "Schwimm- und Bade­be­cken­was­ser" oder als "sons­ti­ges Was­ser zum Schwim­men oder Baden" kommt es auf die Gesamt­si­tua­ti­on der jewei­li­gen Anla­ge an, die im Wesent­li­chen durch die Art und Wei­se der Was­ser­auf­be­rei­tung und die bau­li­che Gestal­tung des Schwimm- und Bade­be­reichs geprägt wird 3.

Bei einem aus­schließ­lich durch bio­lo­gisch und phy­si­ka­lisch-tech­ni­sche Maß­nah­men (z.B. durch Mikro­or­ga­nis­men und bepflanz­te oder ver­kies­te Flach­was­ser­zo­nen) gerei­nig­tem Was­ser eines Natur­frei­ba­des, das neben dem Schwimm- und Bade­be­reich über eine beson­de­re Rege­ne­ra­ti­ons­zo­ne zur Was­ser­auf­be­rei­tung ver­fügt, han­delt es sich um "sons­ti­ges" zum Schwim­men oder Baden bereit­ge­stell­tes Was­ser im Sin­ne von § 38 Abs. 2 Satz 3 IfSG.

Dass der Schwimm- und Bade­be­reich teil­wei­se oder voll­stän­dig gemau­ert oder beto­niert wor­den ist, stellt die Ein­ord­nung als künst­li­che Schwimm- und Bade­teich­an­la­ge nicht in Fra­ge; denn das Vor­han­den­sein sol­cher bau­li­cher Becken­ele­men­te ver­mag an dem Gesamt­bild der Anla­ge als Frei­bad mit bio­lo­gi­scher Was­ser­auf­be­rei­tung nichts zu ändern. Das wird bestä­tigt durch die Geset­zes­ma­te­ria­li­en, wonach auch "Bio-Bade­be­cken" vom Anwen­dungs­be­reich des § 38 Abs. 2 Satz 3 IfSG erfasst wer­den 4.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Juli 2014 – 3 B 74.2013 -

  1. vgl. die amt­li­che Begrün­dung zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Neu­ord­nung seu­chen­recht­li­cher Vor­schrif­ten, Seu­chen­rechts­neu­ord­nungs­ge­setz – SeuchRNeuG, BT-Drs. 14/​2530 S. 79 f.[]
  2. "Hygie­ne­an­for­de­run­gen an Bäder und deren Über­wa­chung – Emp­feh­lung des Umwelt­bun­des­am­tes, UBA nach Anhö­rung der Schwimm- und Bade­be­cken­was­ser­kom­mis­si­on des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Gesund­heit, BMG beim Umwelt­bun­des­amt", Bun­des­ge­sund­heits­blatt 2014, S. 258 sowie "Hygie­ni­sche Anfor­de­run­gen an Klein­ba­de­tei­che, künst­li­che Schwimm- und Bade­teich­an­la­gen", Bun­des­ge­sund­heits­blatt 2003, S. 527; zur Abgren­zung sie­he auch den Ent­wurf einer "Ver­ord­nung über die Qua­li­tät von Schwimm- und Bade­be­cken­was­ser", BR-Drs. 748/​02 S. 24, zu § 1[]
  3. vgl. Bales/​Baumann/​Schnitzler, Infek­ti­ons­schutz­ge­setz, 2. Aufl.2003, § 38 Rn. 5[]
  4. vgl. BT-Drs. 14/​2530 S. 80; eben­so zu "umge­rüs­te­ten Bio­be­cken", also zu Natur­bä­dern umge­bau­ten Frei­bä­dern: Emp­feh­lung der Bade­was­ser­kom­mis­si­on des UBA "Hygie­ne­an­for­de­run­gen an künst­li­che Biot­ei­che, die als Bade­ge­wäs­ser benutzt wer­den", Bun­des­ge­sund­heits­blatt 1998, S. 441[]