Infor­ma­ti­ons­frei­heit – und das Par­tei­en­gesetz

Das Par­tei­en­gesetz ver­drängt Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz nicht.

Infor­ma­ti­ons­frei­heit – und das Par­tei­en­gesetz

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg hat aktu­ell in zwei Beru­fungs­ver­fah­ren ent­schie­den, dass der für Jeder­mann bestehen­de Anspruch auf Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz des Bun­des nicht durch Ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ten nach dem Par­tei­en­gesetz ver­drängt wird. Er hat damit die erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin bestä­tigt.

Der kla­gen­de Ver­ein, der nach sei­ner Sat­zung das demo­kra­ti­sche Gemein­wei­sen durch mehr Trans­pa­renz för­dern will, begehrt unter Beru­fung auf das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz des Bun­des (IFG) Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen des Deut­schen Bun­des­ta­ges im Zusam­men­hang mit den Rechen­schafts­be­rich­ten und Par­tei­spen­den der Jah­re 2013 und 2014. Der Deut­sche Bun­des­tag lehn­te die Anträ­ge mit der Begrün­dung ab, das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz sei wegen der vor­ran­gi­gen Rege­lun­gen im Par­tei­en­gesetz nicht anwend­bar. Die dage­gen erho­be­nen Kla­gen hat­ten auch in zwei­ter Instanz Erfolg. Nach § 1 Abs. 3 IFG wird das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz (nur) durch spe­zi­al­ge­setz­li­che Nor­men ver­drängt, die bei abs­trak­ter Betrach­tung einen iden­ti­schen sach­li­chen Rege­lungs­ge­halt haben. Das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz gewährt dem Ein­zel­nen einen grund­sätz­lich vor­aus­set­zungs­lo­sen Anspruch auf Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen einer Behör­de oder sons­ti­gen Stel­le des Bun­des. Einen iden­ti­schen sach­li­chen Rege­lungs­ge­halt wei­sen die Bestim­mun­gen des Par­tei­en­geset­zes nicht auf. Die im Par­tei­en­gesetz gere­gel­ten Ver­öf­fent­li­chungs­pflich­ten gestal­ten die in der Ver­fas­sung ver­an­ker­te Pflicht der Par­tei­en, über die Her­kunft und Ver­wen­dung ihrer Mit­tel sowie über ihr Ver­mö­gen öffent­lich Rechen­schaft zu geben, ein­fach­ge­setz­lich aus. Sie räu­men dem Ein­zel­nen dage­gen kein sub­jek­ti­ves Recht auf Infor­ma­ti­ons­zu­gang gegen­über dem Prä­si­den­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges als der zustän­di­gen Ver­wal­tungs­be­hör­de ein.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 26. April 2018 – OVG 12 B 6.17 und OVG 12 B 7.17