Infor­ma­ti­ons­frei­heit – und die Aus­schluss­grün­de bei umfang­rei­chen Akten­be­stän­den

Betrifft ein Antrag auf Akten­ein­sicht nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz Akten­be­stän­de, die so umfang­reich sind, dass ihre voll­stän­di­ge Prü­fung auf schutz­wür­di­ge Daten Drit­ter (z.B. per­so­nen­be­zo­ge­ne Daten, Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se) für die Behör­de mit einem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den wäre, reicht es aus, wenn Aus­schluss­grün­de nur für einen Teil des Akten­be­stan­des dar­ge­legt wer­den.

Infor­ma­ti­ons­frei­heit – und die Aus­schluss­grün­de bei umfang­rei­chen Akten­be­stän­den

In einem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Klä­ger nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz Zugang zu Akten­be­stän­den im Umfang von meh­re­ren tau­send Ord­nern, die im Zusam­men­hang mit der Pri­va­ti­sie­rung der Unter­neh­men Leuna/​Minol durch die Treu­hand­an­stalt Anfang der 1990erJahre ent­stan­den sind. Er war nach eige­nen Anga­ben sei­ner­zeit als Lob­by­ist für das fran­zö­si­sche Unter­neh­men Elf Aqui­tai­ne tätig.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies die Kla­ge ab, weil eine Aus­son­de­rung bzw. Schwärzung der in den Akten ent­hal­te­nen, auch heu­te noch schutz­wür­di­gen Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­se mit einem unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­auf­wand ver­bun­den wäre [1]. In der Beru­fungs­in­stanz hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg die Bun­des­an­stalt für ver­ei­ni­gungs­be­ding­te Son­der­auf­ga­ben ver­pflich­tet, dem Klä­ger – mit Aus­nah­me der zwi­schen­zeit­lich an das Bun­des­ar­chiv abge­ge­be­nen Unter­la­gen – Ein­sicht in den gesam­ten Akten­be­stand zu gewäh­ren [2]. Der Anspruch sei weder nach § 5 IFG (Schutz per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten) oder § 6 IFG (Schutz von Betriebs- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen) noch nach § 7 Abs. 2 Satz 1 IFG wegen unver­hält­nis­mä­ßi­gen Ver­wal­tungs­auf­wan­des aus­ge­schlos­sen.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun das statt­ge­ben­de Beru­fungs­ur­teil auf­ge­ho­ben und die Sache an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zurück­ver­wie­sen:

as Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, bei der Bestim­mung der Anfor­de­run­gen an die Dar­le­gung von Aus­schluss­grün­den den außer­or­dent­li­chen Umfang der Akten­be­stän­de nicht ange­mes­sen berück­sich­tigt. Zudem lei­det die im Rah­men von § 5 IFG vor­ge­nom­me­ne Abwä­gung zwi­schen dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se und den schutz­wür­di­gen Inter­es­sen Drit­ter an Män­geln. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat kei­ne kon­kre­ten Fest­stel­lun­gen zu Art und Gewicht des Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­ses getrof­fen. Die Erwä­gun­gen, mit denen es die Schutz­wür­dig­keit von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten Drit­ter ver­neint hat, sind nicht trag­fä­hig.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. März 2016 – 7 C 2.15

  1. VG Ber­lin, Urteil vom 12.10.2009 – 2 A 20.08[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 16.01.2014 – 12 B 50.09[]