Infor­ma­ti­ons­pflicht gilt auch für Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um

Die Pflicht zur Infor­ma­ti­on hat ein Bun­des­mi­nis­te­ri­um grund­sätz­lich für den gesam­ten Bereich sei­ner Tätig­keit. Zu die­sem Urteil ist das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in den zwei hier betrof­fe­nen Fäl­len gelangt.

Infor­ma­ti­ons­pflicht gilt auch für Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um

Im ers­ten Fall begehrt der Klä­ger Ein­sicht in Unter­la­gen des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums zur Fra­ge der Reform­be­dürf­tig­keit des Kind­schafts­rechts. Anlass für die Unter­su­chun­gen und Über­le­gun­gen war ein Prüf­auf­trag des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, der sich mitt­ler­wei­le durch eine wei­te­re Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts erle­digt hat. Im Streit waren zuletzt noch inter­ne Vor­la­gen für die Minis­te­rin.

Im zwei­ten Fall ver­langt der Klä­ger Zugang zu Stel­lung­nah­men des Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums, die die­ses in zwei mitt­ler­wei­le abge­schlos­se­nen Peti­ti­ons­ver­fah­ren gegen­über dem Peti­ti­ons­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges abge­ge­ben hat. Die­se Peti­tio­nen betra­fen über den Ein­zel­fall hin­aus­ge­hen­de Fra­gen zur Reha­bi­li­tie­rung der Opfer der so genann­ten Boden- und Indus­trie­re­form in der dama­li­gen Sowje­ti­schen Besat­zungs­zo­ne.

Die Klä­ger beru­fen sich auf das Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz, das grund­sätz­lich jeder­mann gegen­über Behör­den des Bun­des einen Anspruch auf Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen gewährt. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die den Kla­gen statt­ge­ben­den Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen 1 bestä­tigt und die Revi­sio­nen der beklag­ten Bun­des­re­pu­blik zurück­ge­wie­sen. Das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um gehö­re zu den zur Aus­kunft ver­pflich­te­ten Behör­den. Eine Unter­schei­dung zwi­schen dem Ver­wal­tungs- und dem Regie­rungs­han­deln eines Minis­te­ri­ums sei im Gesetz nicht ange­legt und auch nach dem Geset­zes­zweck nicht gerecht­fer­tigt. Es kom­me auch nicht dar­auf an, dass das Minis­te­ri­um mit der Abga­be einer Stel­lung­nah­me gegen­über dem Peti­ti­ons­aus­schuss eine ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­pflich­tung erfül­le. Auch die im Gesetz gere­gel­ten Ver­sa­gungs­grün­de stün­den dem Anspruch der Klä­ger nicht ent­ge­gen. Ins­be­son­de­re kön­ne sich das Minis­te­ri­um hier nicht auf den Schutz der Ver­trau­lich­keit von Bera­tun­gen beru­fen.

Ein Bun­des­mi­nis­te­ri­um darf den Antrag auf Zugang zu amt­li­chen Infor­ma­tio­nen – hier haus­in­ter­ne Unter­la­gen zu einem Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren sowie Stel­lung­nah­men gegen­über dem Peti­ti­ons­aus­schuss – nicht mit der Begrün­dung ableh­nen, dass die Unter­la­gen die Regie­rungs­tä­tig­keit betref­fen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 3. Novem­ber 2011 – 7 C 3.11 und 7 C 4.11

  1. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 05.10.2010 – 12 B 6.10 und 12 B 13.10 []