Infor­ma­ti­ons­zu­gang – und der Rechtsmissbrauch

Ein Antrag nach dem Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz ist nicht schon des­we­gen rechtsmiss­bräuchlich, weil der Bevoll­mäch­tig­te rechts­miss­bräuch­lich vorgeht.

Infor­ma­ti­ons­zu­gang – und der Rechtsmissbrauch

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Fall stell­ten die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger im Jahr 2015 beim Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen und bei der Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht für mehr als 500 geschä­dig­te Anle­ger der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft Leip­zig West AG gleich­lau­ten­de Anträ­ge auf Informa­tionen über die Wohnungs­baugesellschaft. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um lehn­te die­se Anträ­ge zum über­wie­gen­den Teil ab.

Die schon zuvor in sämt­li­chen Fäl­len erho­be­nen Kla­gen blie­ben vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, soweit sie nicht zurück­ge­nom­men wur­den, wegen rechts­miss­bräuch­li­cher Kla­ge­er­he­bung ohne Erfolg1. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die von eini­gen Klä­gern ein­ge­leg­ten Beru­fun­gen zurück­ge­wie­sen2. Dem Infor­ma­ti­ons­zu­gangs­an­spruch ste­he, so das OVG, ange­sichts der mas­sen­wei­sen Ein­zel­an­trag­stel­lung und anschlie­ßen­den Kla­ge­er­he­bung unter Berück­sich­ti­gung der sons­ti­gen Umstän­de der Ein­wand des Rechts­miss­brauchs ent­ge­gen. Dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ger sei es allein dar­um gegan­gen, für sich mög­lichst weit­ge­hen­de Gebüh­ren­an­sprü­che zu generieren.

Die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen hat­ten nun vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Erfolg: Das Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren der Klä­ger ist nicht des­halb rechts­miss­bräuch­lich, weil der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te sich mög­li­cher­wei­se rechts­miss­bräuch­lich ver­hält. Das ist viel­mehr erst dann anzu­neh­men, wenn posi­tiv fest­ge­stellt wird, dass es einem Antrag­stel­ler selbst nicht um die begehr­te Infor­ma­ti­on geht, son­dern nur um die Gebüh­ren­an­sprü­che sei­nes Bevoll­mäch­tig­ten. Da der­ar­ti­ge Fest­stel­lun­gen feh­len, ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des ver­tre­te­nen Antrag­stel­lers bestand und auch wäh­rend des Rechts­streits fort­be­steht. Das Ver­hal­ten des Bevoll­mäch­tig­ten außer­halb des eige­nen Man­dats ist einem Antrag­stel­ler nicht zuzurechnen.

Weiterlesen:
NSU-Aktenschreddern - und der Auskunftsanspruch der Presse

Eine eige­ne Sach­ent­schei­dung zu den Infor­ma­ti­ons­be­geh­ren war dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aller­dings wegen feh­len­der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen ver­wehrt, so dass es Ver­fah­ren an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg zurück­ver­wie­sen hat.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 24. Novem­ber 2020 – 10 C 12.19

  1. VG Ber­lin, Urtei­le­vom 27.04.2017 – 2 K 630.15 u.a.[]
  2. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urtei­le vom 22.02.2018 – 12 B 16.17 u.a.[]

Bild­nach­weis: