Ins Indus­trie­ge­biet oder ins Gewer­be­ge­biet?

Nach § 9 Abs. 1 BauN­VO die­nen Indus­trie­ge­bie­te aus­schließ­lich der Unter­brin­gung von Gewer­be­be­trie­ben, und zwar über­wie­gend sol­cher Betrie­be, die in ande­ren Bau­ge­bie­ten unzu­läs­sig sind.

Ins Indus­trie­ge­biet oder ins Gewer­be­ge­biet?

Im Kon­text mit § 8 Abs. 1 BauN­VO, wonach Gewer­be­ge­bie­te vor­wie­gend der Unter­brin­gung von nicht erheb­lich beläs­ti­gen­den Gewer­be­ge­bie­ten die­nen, ergibt sich aus § 9 Abs. 1 BauN­VO, dass die Zweck­be­stim­mung eines Indus­trie­ge­biets die Unter­brin­gung von Gewer­be­be­trie­ben ist, die in ihrem Stör­grad nicht beschränkt sind und mehr als nicht erheb­lich beläs­ti­gend sein kön­nen 1.

Aus­gangs­punkt einer typi­sie­ren­den Betrach­tung des Stör­ver­hal­tens von Gewer­be­be­trie­ben im Sin­ne des § 9 Abs. 1 BauN­VO ist die Fra­ge, ob ein Betrieb der betref­fen­den Bran­che "erfah­rungs­ge­mäß" geeig­net ist, mehr als nicht erheb­lich zu beläs­ti­gen 2.

Ob es sol­che "Erfah­run­gen" gibt, ist kei­ne Rechts, son­dern eine Tat­sa­chen­fra­ge. Eben­so ist es eine – zumal ein­zel­fall­be­zo­ge­ne – Tat­sa­chen­fra­ge, ob eine aty­pi­sche Fall­ge­stal­tung vor­liegt, die sich dadurch aus­zeich­net, dass der jewei­li­ge Betrieb nach sei­ner Art und Betriebs­wei­se von dem Erschei­nungs­bild sei­nes Betriebs­ty­pus abweicht, von daher die sonst übli­chen Stö­run­gen von vorn­her­ein nicht befürch­ten lässt und damit sei­ne sonst nicht gege­be­ne Gebiets­ver­träg­lich­keit dau­er­haft und zuver­läs­sig sicher­ge­stellt ist 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 26. März 2019 – 4 BN 21.19

  1. Söf­ker, in: Ernst/​Zinkahn/​Bielenberg/​Krautzberger, Bau­GB, Stand Okto­ber 2018, § 9 BauN­VO Rn. 8[]
  2. vgl. dazu Fickert/​Fieseler, BauN­VO, 13. Aufl.2019, Vor­bem. §§ 2 – 9, 12.14 Tz.09.1[]
  3. BVerwG, Beschluss vom 27.06.2018 – 4 B 10.17ZfBR 2018, 685 Rn. 10[]