Iso­lier­te PKH-Bewil­li­gung für eine noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist im Ver­fah­ren über eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de die Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe an den Beschwer­de­füh­rer ent­spre­chend §§ 114 ff. ZPO mög­lich [1].

Iso­lier­te PKH-Bewil­li­gung für eine noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de

Auch die iso­lier­te Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für eine noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist nicht aus­ge­schlos­sen [2].

Aller­dings wird Pro­zess­kos­ten­hil­fe nur unter stren­gen Vor­aus­set­zun­gen gewährt, weil das Ver­fah­ren kos­ten­frei ist und kein Anwalts­zwang besteht. Sie wird daher nur gewährt, wenn dies unbe­dingt erfor­der­lich erscheint, weil die betrof­fe­ne Per­son nicht in der Lage ist, sich selbst zu ver­tre­ten [3].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen leg­te der hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt beschie­de­ne Antrag nicht dar, der sich auf die nicht näher aus­ge­führ­te Behaup­tung beschränk­te, die Antrag­stel­le­rin sei nicht in der Lage, das Ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ohne anwalt­li­chen Bei­stand zu füh­ren. Sie las­sen sich auch in der Sache nicht erken­nen. Weder in der Per­son der Antrag­stel­le­rin noch im Hin­blick auf die sich stel­len­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Fra­gen sind Umstän­de erkenn­bar, die anwalt­li­chen Bei­stand erfor­der­lich mach­ten.

Der vor­lie­gen­de Antrag war zudem unbe­grün­det.

Eine Par­tei, die nach ihren per­sön­li­chen und wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen die Kos­ten der Pro­zess­füh­rung nicht auf­brin­gen kann, erhält im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO auf Antrag Pro­zess­kos­ten­hil­fe, wenn die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­tet und nicht mut­wil­lig erscheint [4].

Die beab­sich­tig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen den bean­stan­de­ten Beschluss des Ober­lan­des­ge­richts hat jedoch kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg. Die Mög­lich­keit einer Ver­let­zung der Antrag­stel­le­rin in ihrem Grund­recht aus Art. 6 Abs. 1 GG ist nicht ansatz­wei­se erkenn­bar. Im Anwen­dungs­be­reich die­ser Gewähr­leis­tung über­prüft das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fach­ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen ledig­lich dar­auf hin, ob die­se Aus­le­gungs­feh­ler erken­nen las­sen, die auf einer grund­sätz­lich unrich­ti­gen Auf­fas­sung von der Bedeu­tung des Grund­rechts oder vom Umfang sei­nes Schutz­be­reichs beru­hen [5]. Dafür ist ange­sichts der umfas­sen­den recht­li­chen Wür­di­gung des nicht voll­stän­dig auf­klär­ba­ren Sach­ver­halts zum Fami­li­en­stand der Antrag­stel­le­rin sei­tens des Ober­lan­des­ge­richts nichts ersicht­lich. Erst recht lässt weder die Gestal­tung des Ver­fah­rens noch die auf einer sehr sorg­fäl­ti­gen Wür­di­gung umfas­send erho­be­ner Bewei­se beru­hen­de Fest­stel­lung des maß­geb­li­chen Sach­ver­halts die Mög­lich­keit der Ver­let­zung von Ver­fas­sungs­recht erken­nen. Dass sich das Ober­lan­des­ge­richt auf einer sol­chen beweis­wür­di­gen­den Grund­la­ge nicht von der Unrich­tig­keit der Ein­tra­gung der Ehe­schei­dung im Ehe­re­gis­ter hat über­zeu­gen kön­nen, deu­tet nicht auf eine grund­sätz­lich unrich­ti­ge Auf­fas­sung von der Bedeu­tung des Art. 6 Abs. 1 GG hin. Viel­mehr lie­gen die Beweis­wür­di­gung und die dar­auf auf­bau­en­de recht­li­che Wür­di­gung des Ober­lan­des­ge­richts bereits ein­fach­recht­lich außer­or­dent­lich nahe.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 27. Febru­ar 2020 – 1 BvR 89/​20

  1. vgl. BVerfGE 1, 109, 110 ff.; 1, 415, 416; 79, 252, 253; 92, 122, 123; BVerfG, Beschluss vom 08.03.2017 – 1 BvR 2680/​16, Rn. 3 m.w.N.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 08.03.2017 – 1 BvR 2680/​16, Rn. 3 m.w.N.[]
  3. vgl. BVerfGE 27, 57; 78, 7, 19; 92, 122, 123; BVerfG, Beschluss vom 02.12 2016 – 1 BvR 2014/​16, Rn. 2[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 02.12 2016 – 1 BvR 2014/​16, Rn. 2; Beschluss vom 08.03.2017 – 1 BvR 2680/​16, Rn. 5 m.w.N.[]
  5. vgl. BVerfG, Beschluss vom 30.08.2014 – 1 BvR 1409/​14, Rn. 13 m.w.N[]