Blo­ckier­pflicht für frü­her ererb­te Schuss­waf­fen

Die Pflicht, ererb­te Schuss­waf­fen durch ein Blo­ckier­sys­tem zu sichern, gilt nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts auch für sol­che Waf­fen, die der Erbe auf­grund eines Erb­fal­les vor Ein­füh­rung der Blo­ckier­pflicht in das Waf­fen­ge­setz erwor­ben hat­te.

Blo­ckier­pflicht für frü­her ererb­te Schuss­waf­fen

Wer infol­ge eines Erb­falls eine erlaub­nis­pflich­ti­ge Waf­fe erwirbt, erhält für die­se Waf­fe eine waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis, wenn der Erb­las­ser berech­tig­ter Besit­zer war und er selbst zuver­läs­sig und per­sön­lich geeig­net ist, ohne dass anders als sonst ein Bedürf­nis für den Waf­fen­be­sitz nach­ge­wie­sen sein muss. Durch ein Gesetz aus dem Jahr 2008 hat der Gesetz­ge­ber in das Waf­fen­ge­setz eine Bestim­mung ein­ge­fügt, nach wel­cher ererb­te Schuss­waf­fen durch ein dem Stand der Tech­nik ent­spre­chen­des Blo­ckier­sys­tem zu sichern sind.

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen wur­de die Klä­ge­rin als Erbin ihres 2001 ver­stor­be­nen Ehe­man­nes Eigen­tü­me­rin von Schuss­waf­fen. Das beklag­te Poli­zei­prä­si­di­um erteil­te ihr hier­für waf­fen­recht­li­che Erlaub­nis­se. Im Jah­re 2011 gab es der Klä­ge­rin auf, die Schuss­waf­fen mit einem Blo­ckier­sys­tem zu ver­se­hen. Die Klä­ge­rin erhob hier­ge­gen mit der Begrün­dung Kla­ge, die gesetz­li­che Blo­ckier­pflicht gel­te nicht für Waf­fen, die durch einen Erb­fall vor Ein­fü­gung der Blo­ckier­pflicht in das Waf­fen­ge­setz erwor­ben wor­den sind.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung der Klä­ge­rin zurück­ge­wie­sen 2. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dies nun bestä­tigt und die Revi­si­on der Klä­ge­rin eben­falls zurück­ge­wie­sen:

Die gesetz­li­che Blo­ckier­pflicht gilt für sämt­li­che erlaub­nis­pflich­ti­ge Schuss­waf­fen, die durch Erb­fall erwor­ben wur­den, unab­hän­gig vom Zeit­punkt der Erwerbs. Die Blo­ckier­pflicht soll im Sin­ne einer kon­se­quen­ten Risi­ko­mi­ni­mie­rung die mit dem Besitz ererb­ter Schuss­waf­fen ver­bun­de­ne abs­trak­te Gefahr einer Schä­di­gung Drit­ter ver­rin­gern, wel­che der Gesetz­ge­ber bei feh­len­dem waf­fen­recht­li­chen Bedürf­nis des Besit­zers für nicht hin­nehm­bar erach­tet hat. Wären nur Erb­fäl­le ab dem Jahr 2008 ein­be­zo­gen, wür­de die ange­streb­te Risi­ko­ver­rin­ge­rung erst all­mäh­lich über einen Zeit­raum von meh­re­ren Jahr­zehn­ten ein­tre­ten. Die­se Erstre­ckung auf Alt­fäl­le ist mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ver­ein­bar. Der Gesetz­ge­ber hat all­ge­mein ein berech­tig­tes Inter­es­se dar­an, die mit dem Waf­fen­ge­setz jeweils ver­folg­ten Siche­rungs­zwe­cke mög­lichst rasch zur Gel­tung zu brin­gen. Er han­delt bei der Aus­ge­stal­tung des Waf­fen­rechts mit dem Ziel, sei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Schutz­pflicht für Leben und kör­per­li­che Unver­sehrt­heit der Bür­ger zu erfül­len. Er kann des­halb in aller Regel das Recht zum Umgang mit Waf­fen ver­schär­fen, ohne hier­an durch den ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes beschränkt zu wer­den. Umge­kehrt kann der­je­ni­ge, dem der Umgang mit Waf­fen erlaubt ist, in aller Regel nicht berech­tig­ter­wei­se dar­auf ver­trau­en, dass die hier­für gel­ten­den Anfor­de­run­gen für alle Zukunft unver­än­dert blei­ben.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 16. März 2015 – 6 C 31.2014 -

  1. VG Köln, Urteil vom 28.06.2012 – 20 K 6147/​11[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 15.05.2014 – 20 A 1853/​12[]