Jagd­lam­pen­sets

Das Bun­des­kri­mi­nal­amt ist nicht berech­tigt, Lam­pen­sets, die als Jagd­lam­pen ange­bo­ten wer­den, durch Bescheid als ver­bo­te­ne Waf­fen ein­zu­stu­fen.

Jagd­lam­pen­sets

In dem jetzt vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall bot die Klä­ge­rin, die Aus­rüs­tungs­ge­gen­stän­de für den Frei­zeit- und Out­do­or­be­reich ver­kauft, unter ande­rem auch als "Jagd­lam­pen" bezeich­ne­te Lam­pen­sets an, die aus einer Lam­pe, einem Kabel­schal­ter und einer Uni­ver­sal­hal­te­rung bestan­den. Auf Initia­ti­ve des Baye­ri­schen Lan­des­kri­mi­nal­amts erließ das Bun­des­kri­mi­nal­amt einen auf § 2 Abs. 5 des Waf­fen­ge­set­zes gestütz­ten Fest­stel­lungs­be­scheid, wonach "Lam­pen­sets, die als Jagd­lam­pen ange­bo­ten wer­den", zu den nach dem Waf­fen­ge­setz ver­bo­te­nen Waf­fen zäh­len. Zur Begrün­dung ver­wies es auf die Anla­ge 2 zum Waf­fen­ge­setz, in der "für Schuss­waf­fen bestimm­te Vor­rich­tun­gen, die das Ziel beleuch­ten, z.B. Ziel­schein­wer­fer" als ver­bo­te­ne Waf­fen bezeich­net sind. Der nicht an einen bestimm­ten Adres­sa­ten gerich­te­te Bescheid wur­de im Bun­des­an­zei­ger ver­öf­fent­licht. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Wies­ba­den hat den ange­foch­te­nen Bescheid als zu unbe­stimmt auf­ge­ho­ben; denn das glei­che Lam­pen­set kön­ne statt als Jagd­lam­pe auch in einem Foto­ma­ga­zin als Kame­ra­zu­be­hör ange­bo­ten wer­den.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Sprung­re­vi­si­on der Beklag­ten gegen das Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts zurück­ge­wie­sen. Der ange­foch­te­ne Fest­stel­lungs­be­scheid konn­te kei­nen Bestand haben, weil das Bun­des­kri­mi­nal­amt sei­ne gesetz­li­che Kon­kre­ti­sie­rungs­be­fug­nis für ver­bo­te­ne Waf­fen über­spannt hat. Ein all­ge­mein­ver­bind­li­cher Fest­stel­lungs­be­scheid des Bun­des­kri­mi­nal­amts gemäß § 2 Abs. 5 des Waf­fen­ge­set­zes kann zur Rege­lung kon­kret-gegen­stands­be­zo­ge­ner Sach­ver­hal­te erge­hen, wie sie sich aus den meis­ten tat­be­stand­li­chen Umschrei­bun­gen in der Anla­ge 2 zum Waf­fen­ge­setz erge­ben. Dies ist anders in Fäl­len, in denen sich die Ver­bots­ei­gen­schaft nicht aus dem jewei­li­gen Gegen­stand selbst, son­dern erst aus sei­nem vom Ver­wen­der bestimm­ten Zweck, d.h. einer mit ihm ver­bun­de­nen sub­jek­ti­ven Ver­wen­dungs­ab­sicht ergibt. Sol­che Fäl­le, zu denen der vor­lie­gen­de Fall gehört, las­sen sich nicht durch eine adress­at­lo­se All­ge­mein­ver­fü­gung des Bun­des­kri­mi­nal­amts regeln, weil sie typi­scher­wei­se durch die per­so­nen­ab­hän­gi­gen Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­falls geprägt wer­den. Geeig­ne­tes Rege­lungs­in­stru­ment zur Durch­set­zung der waf­fen­recht­li­chen Ver­bo­te ist inso­weit der Erlass von Ord­nungs­ver­fü­gun­gen durch die Lan­des­be­hör­den, die die­se nach Wür­di­gung des Ein­zel­falls an die den Ver­bo­ten zuwi­der­han­deln­den Per­so­nen rich­ten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Juni 2009 – 6 C 21.08