Kein Anspruch auf Besuch ande­rer Grund­schu­le

Der Vater eines Erst­kläss­lers hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass sein Sohn wegen der fami­liä­ren Situa­ti­on durch einen Schul­be­zirks­wech­sel eine ande­re Grund­schu­le besu­chen kann.

Kein Anspruch auf Besuch ande­rer Grund­schu­le

In einem vom Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz ent­schie­de­nen Eil­ver­fah­ren bean­trag­te der Antrag­stel­ler, ein Mann aus Rhein­hes­sen, bei der für sei­nen ältes­ten Sohn zustän­di­gen Grund­schu­le, dem Jun­gen im Rah­men eines Schul­be­zirks­wech­sels den Besuch einer bestimm­ten ande­ren Grund­schu­le zu erlau­ben. Die­se Schu­le lie­ge, von sei­ner Woh­nung aus gese­hen, in der­sel­ben Lauf­rich­tung wie der Kin­der­gar­ten, den sein zweit­äl­tes­tes Kind besu­che, wohin­ge­gen die an sich für sei­nen Sohn vor­ge­se­he­ne Grund­schu­le in ent­ge­gen­ge­setz­ter Rich­tung lie­ge, mach­te er unter ande­rem gel­tend. Der Schul­be­zirks­wech­sel wür­de es sei­ner stark belas­te­ten Ehe­frau ermög­li­chen, das Beglei­ten der bei­den Kin­der zur Schu­le bzw. zum Kin­der­gar­ten zu ver­bin­den. Dies wäre für sie eine Erleich­te­rung, zumal sie auf ihren Wegen stets zusätz­lich die bei­den jüngs­ten Kin­der im Kin­der­wa­gen mit­neh­men müs­se. Nach­dem die Schul­lei­tung sei­nen Antrag abge­lehnt hat­te, wand­te sich der Antrag­stel­ler an das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz.

Die Main­zer Ver­wal­tungs­rich­ter lehn­te jedoch sei­nen Antrag, die Schu­le einst­wei­len zu ver­pflich­ten, die gewünsch­te Schul­be­zirks­än­de­rung vor­zu­neh­men, ab: Bei der Prü­fung, ob der für den Schul­wech­sel erfor­der­li­che wich­ti­ge Grund vor­lie­ge, müs­se neben der indi­vi­du­el­len Situa­ti­on des Schü­lers und sei­ner Eltern auch das öffent­li­che Inter­es­se an der Durch­set­zung der Schul­be­zirks­fest­le­gung, die der mög­lichst gleich­mä­ßi­gen Aus­las­tung der Schu­len die­ne, berück­sich­tigt wer­den. Gemes­sen dar­an, lie­ge hier kein wich­ti­ger Grund vor. Die an sich für den Sohn des Antrag­stel­lers zustän­di­ge Schu­le sei nicht unzu­mut­bar weit von des­sen Woh­nung ent­fernt. Der Schul­weg las­se sich ohne Wei­te­res zu Fuß zurück­le­gen und sei nicht gefähr­lich, so dass der Jun­ge allen­falls in der Anfangs­pha­se durch sei­ne Mut­ter beglei­tet wer­den müs­se, dann aber den Weg allei­ne gehen kön­ne. Dass die Mut­ter in der Anfangs­pha­se zusätz­lich belas­tet wer­de, indem sie das zweit­äl­tes­te Kind zu dem in ande­rer Lauf­rich­tung gele­ge­nen Kin­der­gar­ten brin­gen müs­se, recht­fer­ti­ge einen Schul­be­zirks­wech­sel nicht, zumal es häu­fig vor­kom­me, dass Eltern – ins­be­son­de­re bei Berufs­tä­tig­keit – wegen des Schul­be­suchs ihrer Kin­der zusätz­li­che Weg­stre­cken zurück­le­gen müss­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 12. August 2010 – 6 L 843/​10.MZ

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