Kein Bonus für eine über­sprun­ge­ne Schul­klas­se bei der Stu­di­en­platz­ver­ga­be

Ein Stu­di­en­platz­be­wer­ber, der in sei­ner Schul­zeit eine Klas­sen­stu­fe über­sprun­gen hat, hat kei­nen Anspruch dar­auf, dass bei der Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen nach der Abitur­no­te für ihn eine (fik­ti­ve) bes­se­re Note zugrun­de gelegt wird.

Kein Bonus für eine über­sprun­ge­ne Schul­klas­se bei der Stu­di­en­platz­ver­ga­be

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz ent­schie­de­nen Fall über­sprang die Antrag­stel­le­rin auf Emp­feh­lung ihrer Schu­le in der Mit­tel­stu­fe eine Klas­sen­stu­fe und erreich­te im Abitur die Durch­schnitts­no­te 1,8. Damit bewarb sie sich bei der Uni­ver­si­tät Mainz um einen Stu­di­en­platz in Psy­cho­lo­gie und bean­trag­te zugleich einen soge­nann­ten Nach­teils­aus­gleich. Ein sol­cher ist bei der Ver­ga­be von Stu­di­en­plät­zen nach der Abitur­no­te wie folgt vor­ge­se­hen: Wer nach­weist, aus in der eige­nen Per­son lie­gen­den, nicht selbst zu ver­tre­ten­den Grün­den dar­an gehin­dert gewe­sen zu sein, eine bes­se­re Durch­schnitts­no­te zu errei­chen, wird auf Antrag mit der bes­se­ren Durch­schnitts­no­te berück­sich­tigt. Die Antrag­stel­le­rin leg­te dazu ein Schrei­ben ihres ehe­ma­li­gen Schul­lei­ters vor, der davon aus­ging, dass sie das Abitur mit einem Fak­tor von 0,5 bes­ser abge­schlos­sen hät­te, wenn sie kei­ne Klas­se über­sprun­gen hät­te.

Die Hoch­schu­le ver­sag­te einen Nach­teils­aus­gleich und lehn­te – aus­ge­hend von der Abitur­no­te 1,8 – die Bewer­bung der Antrag­stel­le­rin ab, die bei Gewäh­rung des bean­trag­ten Nach­teils­aus­gleichs Erfolg gehabt hät­te.

Den auf ihre einst­wei­li­ge Zulas­sung zum Stu­di­um gerich­te­ten Eil­an­trag der Antrag­stel­le­rin lehn­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz ab: Das Über­sprin­gen einer Klas­sen­stu­fe und der damit in der Regel ein­her­ge­hen­de (zumin­dest vor­über­ge­hen­de) Leis­tungs­ab­fall sei­en kei­ne "nicht selbst zu ver­tre­ten­den Grün­de" im Sin­ne des Nach­teils­aus­gleichs.

Die Ent­schei­dung, eine Schul­klas­se zu über­sprin­gen, stel­le eine bewuss­te Ent­schei­dung des Schü­lers bzw. sei­ner Erzie­hungs­be­rech­tig­ten dar. Die sich erge­ben­den Vor­tei­le als auch mög­li­che Nach­tei­le müss­ten dabei sorg­fäl­tig gegen­ein­an­der abge­wo­gen wer­den. Die­se Situa­ti­on unter­schei­de sich von sol­chen Fäl­len, in denen ein Schü­ler wegen einer schwe­ren Erkran­kung oder sons­ti­ger Schick­sals­schlä­ge in sei­ner schu­li­schen Ent­wick­lung und Leis­tungs­fä­hig­keit ein­ge­schränkt wer­de. Die­sen und den Aus­wir­kun­gen auf sei­ne schu­li­schen Leis­tun­gen kön­ne der Schü­ler sich nicht selbst­be­stimmt ent­zie­hen, so dass vor dem Hin­ter­grund der Chan­cen­gleich­heit ein Nach­teils­aus­gleich ange­bracht sei. Den mög­li­chen Nach­teil, der sich aus dem Über­sprin­gen einer Klas­sen­stu­fe erge­be, neh­me der Schü­ler jedoch mit sei­ner Ent­schei­dung bewusst in Kauf.

Ver­wal­tungs­ge­richt Mainz, Beschluss vom 27. April 2011 – 6 L 494/​11.MZ