Kein Flücht­lings­schutz für Mili­tär­dienst­ent­zie­her aus Syrien

Syri­schen Asyl­be­wer­bern ist nicht allein des­halb die Flücht­lings­ei­gen­schaft zuzu­er­ken­nen, weil sie aus Furcht davor, zum Mili­tär­dienst in die syri­sche Armee oder zu Mili­zen ein­ge­zo­gen zu wer­den, ihr Hei­mat­land ver­las­sen haben.

Kein Flücht­lings­schutz für Mili­tär­dienst­ent­zie­her aus Syrien

Dies ent­schied jetzt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in drei Fäl­len, in denen das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) den Flücht­lin­gen wegen des in Syri­en herr­schen­den Bür­ger­kriegs den sog. sub­si­diä­ren Schutz gewährt hat­te. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart hat­te ihnen dem­ge­gen­über den wei­ter­ge­hen­den Flücht­lings­schutz zuer­kannt. Auf die Beru­fun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch das BAMF, hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg Ver­wal­tungs­ge­richts­hof die­se Urtei­le nun­mehr geän­dert und die auf Zuer­ken­nung des Flücht­lings­sta­tus gerich­te­ten Kla­gen jeweils abgewiesen:

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mann­heim über­nahm die recht­li­chen Vor­ga­ben des in einem ver­gleich­ba­ren Sach­ver­halt ergan­ge­nen Urteils „EZ“ des Euro­päi­schen Gerichts­hof1. Per­son aus der Grup­pe der ein­fa­chen Mili­tär­dienst­ent­zie­her aus Syri­en kön­ne die Flücht­lings­ei­gen­schaft den­noch wei­ter­hin nur dann zuer­kannt wer­den, wenn in einer Ein­zel­fall­prü­fung, gestützt auf ent­spre­chen­de Erkennt­nis­quel­len, eine Ver­fol­gung auf­grund von Ras­se, Reli­gi­on, Natio­na­li­tät, poli­ti­scher Über­zeu­gung oder Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten sozia­len Grup­pe fest­stell­bar sei. Bei einem ein­fa­chen Mili­tär­dienst­ent­zie­her bedür­fe es dazu beson­de­rer, indi­vi­du­ell gefah­rer­hö­hen­der Umstän­de. Ohne sol­che Umstän­de sei aktu­ell schon eine Ver­fol­gung nicht beacht­lich wahr­schein­lich. Die vom EuGH for­mu­lier­te „star­ke Ver­mu­tung“ einer poli­ti­schen Ver­fol­gung bei tat­säch­lich anzu­neh­men­der Mili­tär­dienst­ver­wei­ge­rung müs­se auf Grund­la­ge aktu­el­ler Erkennt­nis­mit­tel als wider­legt ange­se­hen werden.

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Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg hat sich damit im Ergeb­nis der kürz­lich ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len2 und des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts3 angeschlossen.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden ‑Würt­tem­berg, Urtei­le vom 4. Mai 2021 – A 4 S 468/​21, A 4 S 469/​21 und A 4 S 470/​21

  1. EuGH, Urteil vom 19.11.2020 – – C‑238/​19[]
  2. OVG NRW, Urteil vom 22.03.2021 – 14 A 3439/18.A[]
  3. Nds. OVG, Urteil vom 22.04.2021 – 2 LB 408/​20[]

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