Kein Han­dy am Wochen­en­de

Zieht ein Leh­rer das Mobil­te­le­fon eines Schü­lers wegen einer Unter­richts­stö­rung ein und wird das Gerät ledig­lich über das Wochen­en­de ein­be­hal­ten, kann die Maß­nah­me nach Rück­ga­be nicht ohne Wei­te­res auf ihre Recht­mä­ßig­keit über­prüft wer­den.

Kein Han­dy am Wochen­en­de

In dem hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ent­schie­de­nen Fall besuch­te der kla­gen­de Schü­ler, der mitt­ler­wei­le 18 Jah­re alt ist, im Schul­jahr 2014/​15 die neun­te Klas­se einer Sekun­dar­schu­le in Ber­lin. Die wei­te­ren Klä­ger sind sei­ne Eltern. Am 29. Mai 2015, einem Frei­tag, ließ sich der Klas­sen­leh­rer des Schü­lers des­sen Mobil­te­le­fon wegen Stö­rung des Unter­richts aus­hän­di­gen. Eine Rück­ga­be des Han­dys an den Schü­ler selbst lehn­te der stell­ver­tre­ten­de Schul­lei­ter zunächst ab und behielt das Gerät über das Wochen­en­de ein; am dar­auf­fol­gen­den Mon­tag konn­te es die Mut­ter im Schul­se­kre­ta­ri­at wie­der abho­len. Der Schü­ler besucht zwi­schen­zeit­lich eine ande­re Schu­le.

Mit sei­ner Kla­ge woll­ten sei­ne Eltern und er fest­ge­stellt wis­sen, dass die Ein­zie­hung und Ver­wah­rung des Han­dys rechts­wid­rig gewe­sen sei. Die Maß­nah­me habe ihn in sei­ner Ehre ver­letzt und gede­mü­tigt. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin wies die Kla­ge als unzu­läs­sig ab:

Nach­dem das Han­dy wie­der her­aus­ge­ben wor­den sei, kön­ne die begehr­te Fest­stel­lung nur aus­ge­spro­chen wer­den, wenn die Klä­ger ein beson­de­res Inter­es­se hier­an hät­ten. Dar­an feh­le es. Nach­dem der Schü­ler die Schu­le ver­las­sen habe, wer­de sich das Gesche­hen dort nicht wie­der­ho­len. Eine etwai­ge Dis­kri­mi­nie­rung wir­ke jeden­falls nicht mehr fort. Schließ­lich lie­ge hier­in auch kein schwer­wie­gen­der Grund­rechts­ein­griff. Die feh­len­de Gebrauchs­mög­lich­keit des Han­dys über das Wochen­en­de grei­fe nicht in das elter­li­che Erzie­hungs­recht ein. Auch wenn der Schü­ler eige­nem Vor­brin­gen zufol­ge „plötz­lich uner­reich­bar“ gewe­sen sei, stel­le dies kei­ne unzu­mut­ba­re Beein­träch­ti­gung sei­ner Grund­rech­te dar.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil der vom 4. April 2017 – VG 3 K 7972015 -