Kein Kre­ma­to­ri­um im Gewer­be­ge­biet

Ein Kre­ma­to­ri­um ver­trägt sich nicht mit der Zweck­be­stim­mung eines Gewer­be­ge­bie­tes und ist daher dort weder all­ge­mein nocht aus­nahms­wei­se zuläs­sig.

Kein Kre­ma­to­ri­um im Gewer­be­ge­biet

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück die Kla­ge einer Fir­ma abge­wie­sen, die auf dem Grund­stück Alfred-Nobel-Stra­ße 4 in Wiet­mar­schen-Loh­ne inner­halb des fest­ge­setz­ten Gewer­be­ge­bie­tes ein kom­mer­zi­ell geführ­tes Kre­ma­to­ri­um für Human­lei­chen betrei­ben will. Die Klä­ge­rin beton­te in ihrer Kla­ge, dass es sich bei dem Vor­ha­ben um eine auf den tech­ni­schen Vor­gang des Ver­bren­nens von Lei­chen beschränk­te Anla­ge han­de­le.

Die­ser Argu­men­ta­ti­on ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück nicht gefolgt. Viel­mehr sieht das Ver­wal­tungs­ge­richt in dem Vor­ha­ben ein Kre­ma­to­ri­um mit einem Abschieds­raum. Das erge­be sich dar­aus, dass die Klä­ge­rin auch die Bau­ge­neh­mi­gung für ein ‑die­sem Zweck ent­spre­chend in das Gebäu­de inte­grier­tes- „Fami­li­en­zim­mer" bean­tragt habe, um Ange­hö­ri­gen Ver­stor­be­ner die Mög­lich­keit zu geben, wäh­rend der Ein­äsche­rung anwe­send zu sein.

Ein sol­ches Kre­ma­to­ri­um sei in einem Gewer­be­ge­biet weder all­ge­mein noch aus­nahms­wei­se zuläs­sig. Dazu hat das Ver­wal­tungs­ge­richt unter Beru­fung auf die jüngs­te dies­be­züg­li­che Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­rich­tes 1 im Wesent­li­chen aus­ge­führt, eine der­ar­ti­ge Anla­ge ver­tra­ge sich nicht mit der Zweck­be­stim­mung eines Gewer­be­ge­bie­tes. Ein Gewer­be­ge­biet die­ne der Unter­brin­gung ver­schie­den­ar­tigs­ter Betrie­be des pro­du­zie­ren­den Gewer­bes sowie art­ver­wand­ter Nut­zun­gen und wer­de des­halb durch ent­spre­chen­de Geschäf­tig­keit, Geräu­sche und Unru­he geprägt. Gegen der­ar­ti­ge Stö­run­gen sei ein Kre­ma­to­ri­um mit Abschieds­raum ganz beson­ders emp­find­lich. Es stel­le nach der herr­schen­den gesell­schaft­li­chen Anschau­ung zum Umgang mit dem Tod und nach der kul­tu­rel­len Bedeu­tung eines Kre­ma­to­ri­ums der hier betrof­fe­nen Art einen Ort der Ruhe, des Frie­dens sowie des kon­tem­pla­ti­ven Geden­kens an die Ver­stor­be­nen dar. Dazu stün­den der in einem Gewer­be­ge­biet übli­che Umge­bungs­lärm, die all­ge­mei­ne Geschäf­tig­keit und Unru­he in einem nicht über­brück­ba­ren Gegen­satz.

Ver­wal­tungs­ge­richt Osna­brück, Urteil vom 10. Okto­ber 2012 – 2 A 118/​10

  1. BVerwG, Urteil vom 02.02.2012 ‑4C 14/​10[]