Kein neu­es Asyl­ver­fah­ren bei aus­län­di­scher Flücht­lings­an­er­ken­nung

Ein Aus­län­der, der in einem ande­ren Staat bereits als Flücht­ling aner­kannt wor­den ist, kann in Deutsch­land nicht erneut Flücht­lings­schutz oder den Sta­tus eines sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten bean­spru­chen. Ein erneu­ter Asyl­an­trag ist unzu­läs­sig. Das hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig heu­te ent­schie­den.

Kein neu­es Asyl­ver­fah­ren bei aus­län­di­scher Flücht­lings­an­er­ken­nung

Der Klä­ger des Aus­gangs­ver­fah­rens ist Staats­an­ge­hö­ri­ger von Soma­lia, der im August 2010 in Deutsch­land sei­ne Aner­ken­nung als Asyl­be­rech­tig­ter bean­trag­te. Von ihm waren kei­ne ver­wert­ba­ren Fin­ger­ab­drü­cke zu erlan­gen und er kam auch der Auf­for­de­rung nicht nach, inner­halb eines Monats schrift­li­che Anga­ben zu sei­nem Rei­se­weg zu machen. Dar­auf­hin stell­te das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bun­des­amt) mit Bescheid vom Okto­ber 2010 fest, dass der Asyl­an­trag wegen Nicht­be­trei­bens des Ver­fah­rens als zurück­ge­nom­men gilt und stell­te das Asyl­ver­fah­ren ein. Im Ver­lauf des gericht­li­chen Ver­fah­rens erfuhr das Bun­des­amt, dass der Klä­ger bereits im April 2009 in Ita­li­en Asyl bean­tragt hat­te und ihm dort der Flücht­lings­sta­tus zuer­kannt wor­den war.

In den Vor­in­stan­zen hiel­ten das Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg 1 und der Baye­ri­sche Vewal­tungs­ge­richts­hof 2 in Mün­chen die Ver­fah­rens­ein­stel­lung wegen Nicht­be­trei­bens für rechts­wid­rig und eine Berück­sich­ti­gung der bekannt gewor­de­nen aus­län­di­schen Aner­ken­nungs­ent­schei­dung im anhän­gi­gen Ver­fah­ren nicht für mög­lich. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat jetzt die­se Urtei­le geän­dert und die Kla­ge abge­wie­sen:

Das Bun­des­amt hat das Ver­fah­ren mit Recht ein­ge­stellt, ent­schied das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, da der Klä­ger die von ihm gefor­der­ten schrift­li­chen Anga­ben zu sei­nem Rei­se­weg inner­halb der ihm gesetz­ten Frist nicht gemacht hat­te. Zu ent­spre­chen­den Aus­künf­ten war er ver­pflich­tet, da die fest­ge­stell­ten Ver­än­de­run­gen sei­ner Fin­ger­kup­pen Zwei­fel am ernst­haf­ten Betrei­ben des Ver­fah­rens begrün­de­ten (§§ 32, 33 Abs. 1 Asyl­verfG). Der Hilfs­an­trag des Klä­gers auf Gewäh­rung uni­ons­recht­li­chen sub­si­diä­ren Schut­zes war wegen der aus­län­di­schen Flücht­lings­an­er­ken­nung nach § 60 Abs. 2 Satz 2 in Ver­bin­dung mit Abs. 1 Satz 3 Auf­ent­halts­ge­setz unzu­läs­sig. Denn ein Aus­län­der, der in einem ande­ren Staat bereits als Flücht­ling aner­kannt wor­den ist, kann in Deutsch­land nicht erneut Flücht­lings­schutz oder den Sta­tus eines sub­si­di­är Schutz­be­rech­tig­ten bean­spru­chen. Das Begeh­ren auf natio­na­len Abschie­bungs­schutz war zurück­zu­wei­sen, weil dem Klä­ger auf­grund der aus­län­di­schen Aner­ken­nung bereits Abschie­bungs­schutz in Bezug auf sein Her­kunfts­land Soma­lia zusteht (§ 60 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17.Juni 2014 – 10 C 7.2013 -

  1. VG Regens­burg, Urteil vom 13.12.2011 – RO 7 K 10.30268[]
  2. BayVGH, Urteil vom 17.01.2013 – 20 B 12.20247[]