Kein poli­zei­li­cher Schutz­ge­wahr­sam wegen Selbstgefährdung

Eine eigen­ver­ant­wort­li­che – also auf frei­er und unge­stör­ter Wil­lens­bil­dung beru­hen­de – Selbst­ge­fähr­dung begrün­det regel­mä­ßig kei­ne Gefahr im Sin­ne des § 18 Abs. 1 Nr. 1 NPOG1

Kein poli­zei­li­cher Schutz­ge­wahr­sam wegen Selbstgefährdung

Soweit das Amts­ge­richt Wolfs­burg im vor­lie­gen­den Fall in sei­ne­nen Nicht­ab­hil­fe­be­schlüs­sen2 unter ande­rem dar­auf abstellt, das Absei­len stel­le eine Gefähr­dung „ins­be­son­de­re der Betrof­fe­nen selbst dar“, kommt daher ein Schutz­ge­wahr­sam gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 1 NPOG nicht in Betracht, zumal Anhalts­punk­te dafür, dass die Wil­lens­frei­heit der Betrof­fe­nen hier – etwa auf­grund Krank­heit, Dro­gen oder hohem psy­chi­schem Druck3 – aus­ge­schlos­sen gewe­sen wäre, nicht vorliegen.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 5. März 2021 – 3 W 104/​20 – 3 W 105/​20 – 3 W 3/​21

  1. Becker­mann, in: Sai­pa u.a., NPOG, 27. EL, Stand: Sep­tem­ber 2020, § 18, Rn. 7; Waech­ter, in: Beck­OK PolR Nds, 17. Edi­ti­on, Stand 1.11.2020, § 18 NPOG, Rn. 27 ff.[]
  2. AG Wolfs­burg, Beschlüs­se vom 24.07.2020 – 3a XIV 290 und 291[]
  3. vgl. Waech­ter, a.a.O., Rn. 28 f.[]