Kein Stu­den­ten­wohn­heim im all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet?

Sind Stu­den­ten­wohn­hei­me in einem all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet zuläs­sig oder unter­schei­det sich "stu­den­ti­sches Woh­nen" sosehr vom "bür­ger­li­chen Woh­nen", dass dies den Nach­barn nicht zumut­bar ist? Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg jeden­falls hat­te jetzt kei­ne Beden­ken gegen das Stu­den­ten­wohn­heit und wies die Eil­an­trä­ge drei­er Nach­barn gegen die Bau­ge­neh­mi­gung für ein Stu­den­ten­wohn­heim in Frei­burg-Stüh­lin­ger mit Zufahrt von der Engel­ber­ger­stra­ße zurück.

Kein Stu­den­ten­wohn­heim im all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet?

Der Neu­bau des Wohn­heims für etwa 100 Stu­den­ten ver­let­ze die Nach­barn nicht in ihren Rech­ten, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg. Für das Bau­grund­stück lie­ge kein qua­li­fi­zier­ter Bebau­ungs­plan vor. Die des­halb bau­pla­nungs­recht­lich maß­geb­li­che Umge­bungs­be­bau­ung spre­che ihrer Art nach eher für „dif­fu­se Struk­tu­ren“ als für ein all­ge­mei­nes Wohn­ge­biet. Aber auch in einem all­ge­mei­nen Wohn­ge­biet wäre das Vor­ha­ben als Wohn­ge­bäu­de zuläs­sig. Ein mög­li­cher­wei­se bestehen­der Anspruch der Nach­barn auf Erhal­tung die­ses Wohn­ge­biets wer­de daher gewahrt. Die Über­le­gung der Nach­barn, „stu­den­ti­sches Woh­nen“ unter­schei­de sich ange­sichts der unter­schied­li­chen Tages- und Abend­ge­stal­tung so sehr vom „bür­ger­li­chen Woh­nen“, dass mit einer Zunah­me von Stu­den­ten­woh­nun­gen im Quar­tier ein „Umkip­pen“ des Wohn­ge­biets ein­her­ge­he, fin­de in den maß­geb­li­chen Vor­schrif­ten der Bau­nut­zungs­ver­ord­nung kei­ne Ent­spre­chung. Der Begriff des Wohn­ge­bäu­des umfas­se viel­mehr alle Erschei­nungs­for­men der auf eine gewis­se Dau­er ange­leg­ten „Häus­lich­keit“. Stu­den­ten­wohn­hei­me rech­ne­ten hier­zu eben­so wie Senio­ren­wohn­hei­me und Alten­pfle­ge­ein­rich­tun­gen. Auch eine Dif­fe­ren­zie­rung nach dem sozia­len Milieu der Bewoh­ner fin­de städ­te­bau­lich selbst­ver­ständ­lich nicht statt. Dass das Vor­ha­ben aus­nahms­wei­se unzu­läs­sig sein könn­te, sei nicht ersicht­lich, zumal das Quar­tier schon heu­te maß­geb­lich durch „stu­den­ti­sches Woh­nen“ geprägt sei. Soweit die Nach­barn erhöh­ten Lärm befürch­te­ten, kön­ne dem nur mit ord­nungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten und mit dem Erlass einer Haus­ord­nung in Ver­bin­dung mit den abzu­schlie­ßen­den Miet­ver­trä­gen Rech­nung getra­gen wer­den.

Auch sonst sei das Bau­vor­ha­ben nicht rück­sichts­los. In Höhe und zu über­bau­en­der Grund­stücks­flä­che über­schrei­te es den Rah­men der Umge­bungs­be­bau­ung nicht. Die nach­bar­schüt­zen­den Abstands­flä­chen hal­te es ein.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschlüs­se vom 27. April 2010 – 4 K 485/​10 und 4 K 499/​10