Kei­ne Abschie­bung von Asyl­be­wer­bern nach Ungarn

Ein afgha­ni­scher Asyl­be­wer­ber darf nicht nach Ungarn abge­scho­ben wer­den.

Kei­ne Abschie­bung von Asyl­be­wer­bern nach Ungarn

Einem afgha­ni­schen Asyl­be­wer­ber hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg bis zur end­gül­ti­gen Ent­schei­dung im Kla­ge­ver­fah­ren vor­läu­fig Schutz gegen­über sei­ner Abschie­bung nach Ungarn gewährt, weil Ungarn ihn nach Durch­füh­rung eines unga­ri­schen Asyl­ver­fah­rens zwar nicht nach Afgha­ni­stan abschie­be, aber für ihn in Ungarn vor­aus­sicht­lich kei­ne men­schen­wür­di­ge Exis­tenz­mög­lich­keit bestehe.

Nach den gegen­wär­tig vor­lie­gen­den Erkennt­nis­mit­teln sei mit eini­ger Wahr­schein­lich­keit ernst­lich zu befürch­ten, dass Asyl­be­wer­ber in Ungarn unter den dor­ti­gen wirt­schaft­li­chen und sozia­len Ver­hält­nis­sen ins­be­son­de­re auch mit Blick auf den bevor­ste­hen­den Win­ter nicht men­schen­wür­dig exis­tie­ren könn­ten. Es sei näm­lich nicht ersicht­lich, dass Ungarn inso­weit sei­nen Ver­pflich­tun­gen gemäß der Qua­li­fi­ka­ti­ons­richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on (Zugang zu Beschäf­ti­gung, Wohn­raum, Sozi­al­hil­fe­leis­tun­gen, medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung und Bil­dung) nach­kom­me, so dass auch ein Ver­stoß gegen das Ver­bot unmensch­li­cher Behand­lung aus Arti­kel 4 der Char­ta der Grund­rech­te der Euro­päi­schen Uni­on nahe­lie­ge.

Der Asyl­be­wer­ber habe dies anhand einer Rei­he von Erkennt­nis­mit­teln belegt, wäh­rend das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge dem im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nichts ent­ge­gen gehal­ten habe.

Dass die vor­lie­gen­den Erkennt­nis­mit­tel nun schon ein bis zwei Jah­re alt sei­en, gehe nicht zu sei­nen Las­ten. Jeden­falls für das Jahr 2011 und die Zeit davor spre­che viel für das Vor­lie­gen sys­te­mi­scher Män­gel im oben beschrie­be­nen Sinn. In recht­li­cher Hin­sicht spre­che dann aber eini­ges dafür, dass es Sache des Bun­des­amts für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge wäre, dar­zu­le­gen, dass sich die Ver­hält­nis­se in Ungarn inso­weit mitt­ler­wei­le zum Bes­se­ren gewen­det hät­ten. Soweit in der Recht­spre­chung – unter ande­rem des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg – von einer ande­ren Beweis­last­ver­tei­lung aus­ge­gan­gen wer­de, fol­ge das Gericht dem jeden­falls im Ver­fah­ren des vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes nicht.

Einer Ent­kräf­tung der mit hoher Gewiss­heit bis vor kur­zer Zeit gege­be­nen sys­te­mi­schen Män­gel bedür­fe es umso mehr, als die Zahl der Asyl­be­wer­ber zuletzt in der Uni­on ins­ge­samt stark zuge­nom­men habe und es des­halb nahe­lie­ge, dass die in Ungarn mit Hil­fe der Euro­päi­schen Uni­on zuletzt erreich­ten Ver­bes­se­run­gen wegen Über­las­tung der vor­han­de­nen Ein­rich­tun­gen nicht mehr aus­reich­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frei­burg, Beschluss vom 28.08.2013 – A 5 K 1406/​13