Kei­ne Hun­de­schu­le in Corona-Zeiten

Die Ein­zel- und Grup­pen­aus­bil­dung in Hun­de­schu­len darf in Nord­rhein-West­fa­len wei­ter­hin nicht statt­fin­den. Dies hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter ent­schie­den und damit den Antrag der Betrei­be­rin einer Hun­de­schu­le aus Marl abge­lehnt, die Coro­na­schutz­ver­ord­nung vor­läu­fig außer Voll­zug zu set­zen, soweit danach sämt­li­che außer­schu­li­schen Bil­dungs­an­ge­bo­te in Prä­senz unter­sagt sind.

Kei­ne Hun­de­schu­le in Corona-Zeiten

Die Rege­lung sei, so das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, nicht offen­sicht­lich rechts­wid­rig. Nach­dem frü­he­re Beschrän­kun­gen allein auf die Gene­ral­klau­sel des Infek­ti­ons­schutz­ge­set­zes gestützt wor­den waren und dar­an zuneh­mend ver­fas­sungs­recht­li­che Beden­ken bestan­den hat­ten, stützt sich die der­zeit gel­ten­de Coro­na­schutz­ver­ord­nung unter ande­rem auf die vom Bun­des­ge­setz­ge­ber neu geschaf­fe­ne Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge in § 28a Infek­ti­ons­schutz­ge­setz. Es bestehen nach Auf­fas­sung des 13. Senats kei­ne offen­sicht­lich durch­grei­fen­den Ein­wän­de dage­gen, dass die­se Neu­re­ge­lun­gen dem Vor­be­halt des Geset­zes genü­gen. Die Rol­le des Gesetz­ge­bers sei im Ver­gleich zur alten Rechts­la­ge in signi­fi­kan­tem Umfang gestärkt wor­den. Die poten­ti­el­le inhalt­li­che Reich­wei­te der Maß­nah­men und Instru­men­te sei mit unmit­tel­ba­rer demo­kra­ti­scher Legi­ti­ma­ti­on durch das Par­la­ment ver­se­hen. Dass dem Ver­ord­nungs­ge­ber bei der Ent­schei­dung über den Erlass von Maß­nah­men zur Pan­de­mie­be­kämp­fung wei­ter­hin ein wei­ter Gestal­tungs­spiel­raum ver­blei­be, sei ange­sichts der Dyna­mik des Infek­ti­ons­ge­sche­hens und der schnel­le­ren Reak­ti­ons­mög­lich­kei­ten der Exe­ku­ti­ve grund­sätz­lich nicht zu beanstanden.

Inhalt­lich sei die ange­grif­fe­ne Rege­lung vor­aus­sicht­lich recht­mä­ßig. Unter den weit zu ver­ste­hen­den Begriff außer­schu­li­scher Bil­dungs­an­ge­bo­te fal­le auch der Betrieb einer Hun­de­schu­le, in der es um die Unter­rich­tung von und Wis­sens­ver­mitt­lung gegen­über den Hun­de­hal­tern gehe. Soweit etwa in „Wel­pen­kur­sen“ auch die Sozia­li­sie­rung mit Art­ge­nos­sen oder das Erler­nen spe­zi­fi­scher Ver­hal­tens­wei­sen durch den Hund eine Rol­le spie­le, ände­re dies nichts dar­an, dass auch hier­bei eine Anlei­tung der Hun­de­hal­ter im Umgang mit dem Hund erfor­der­lich sein dürf­te. Das Ver­bot außer­schu­li­scher Bil­dungs­an­ge­bo­te in Form von Ein­zel- und Grup­pen­trai­ning in Hun­de­schul­den sei bei vor­läu­fi­ger Prü­fung im Eil­ver­fah­ren eine not­wen­di­ge Schutz­maß­nah­me, die vor­aus­sicht­lich weder gegen den Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit noch gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ver­sto­ße. Ins­be­son­de­re sei es nicht zu bean­stan­den, dass die Coro­na­schutz­ver­ord­nung die Unter­schrei­tung des Min­dest­ab­stands beim Zusam­men­tref­fen von bis zu fünf Per­so­nen aus zwei Haus­stän­den zulas­se, das Ein­zel­trai­ning in der Hun­de­schu­le hin­ge­gen nicht. Der Ver­ord­nungs­ge­ber dür­fe im Rah­men des von ihm ver­folg­ten Rege­lungs­kon­zepts der Kon­takt­ver­mei­dung unter­schied­li­che Rege­lun­gen tref­fen und neben dem infek­ti­ons­schutz­recht­li­chen Gefah­ren­grad auch die Rele­vanz bestimm­ter Berei­che für das öffent­li­che Leben berück­sich­ti­gen. Zu den von der Antrag­stel­le­rin befürch­te­ten Aus­wir­kun­gen auf die Ent­wick­lung und das Ver­hal­ten der betrof­fe­nen Hun­de und die damit ein­her­ge­hen­den Belan­ge des Tier­wohls und gege­be­nen­falls auch der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung wies der Senat dar­auf hin, dass digi­ta­le For­ma­te wei­ter­hin mög­lich sei­en und – auch von der Antrag­stel­le­rin – ange­bo­ten würden.

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Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein ‑West­fa­len, Beschluss vom 30. Dezem­ber 2020 – 13 B 1787/20.NE

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