Kei­ne Kom­mu­nal­wah­len vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt lehnt auch wei­ter­hin eine Über­prü­fung von Lan­des- oder Kom­mu­nal­wah­len ab und sieht hier aus­schließ­lich die Län­der in der Pflicht:

Kei­ne Kom­mu­nal­wah­len vor das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

In einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de, die das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men hat, mach­te der Beschwer­de­füh­rer die Ungül­tig­keit einer Kreis­tags­wahl in Land­kreis Würz­burg gel­ten. Ohne Erfolg, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt befand:

Soweit sich der Beschwer­de­füh­rer unter Beru­fung auf das Demo­kra­tie­prin­zip und Art. 3 Abs. 1 GG gegen die Ableh­nung sei­nes Antrags wen­det, die Wahl für ungül­tig zu erklä­ren, steht ihm ein mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ges Recht nicht zur Sei­te (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG).

Eine Ver­let­zung des Demo­kra­tie­prin­zips gemäß Art. 20 Abs. 1 GG kann er mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht gel­tend machen, weil es sich dabei nicht um ein Grund­recht oder grund­rechts­glei­ches Recht im Sin­ne von § 90 Abs. 1 BVerfGG han­delt.

Soweit der Beschwer­de­füh­rer eine Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 GG unter dem Gesichts­punkt gel­tend macht, durch die Lis­ten­ver­bin­dung wür­den die Wäh­ler­stim­men ungleich gewich­tet und der Wäh­ler­wil­le ver­fälscht, fehlt es an einer sub­jek­tiv­recht­li­chen Gewähr­leis­tung der Wahl­rechts­grund­sät­ze bei Kom­mu­nal­wah­len durch das Grund­ge­setz. Wäh­rend die Ver­let­zung der Wahl­rechts­grund­sät­ze bei Bun­des­tags­wah­len mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de gerügt wer­den kann (Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG in Ver­bin­dung mit Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG), fehlt eine ver­gleich­ba­re Gewähr­leis­tung, wenn es um die Durch­set­zung die­ser Grund­sät­ze bei all­ge­mei­nen poli­ti­schen Wah­len und Abstim­mun­gen im Sin­ne von Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG auf der Ebe­ne der Län­der geht 1.

Art. 38 GG erfasst unmit­tel­bar nur die Wah­len zum Deut­schen Bun­des­tag. Eine ana­lo­ge Anwen­dung auf Wah­len in den Län­dern schei­det mit Rück­sicht auf die selb­stän­di­gen Ver­fas­sungs­räu­me von Bund und Län­dern aus. Zwar ver­langt Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG, dass die Grund­sät­ze der all­ge­mei­nen, unmit­tel­ba­ren, frei­en, glei­chen und gehei­men Wahl auch bei poli­ti­schen Wah­len in den Län­dern gel­ten. Die Län­der haben die­sem Ver­fas­sungs­ge­bot bei der Rege­lung des Wahl­rechts zu ihren Län­der­par­la­men­ten und auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu genü­gen. Dem Ein­zel­nen ver­mit­telt Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG jedoch kei­ne mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ge sub­jek­ti­ve Rechts­po­si­ti­on. Das objek­tiv­recht­li­che Ver­fas­sungs­ge­bot des Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG kann auch nicht über die in Art. 2 Abs. 1 GG ver­bürg­te all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit als sub­jek­ti­ves Recht ein­ge­for­dert wer­den. Im Anwen­dungs­be­reich von Art. 28 Abs. 1 Satz 2, Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG schei­det auch ein Rück­griff auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG aus 2.

Die Län­der gewähr­leis­ten den sub­jek­tiv­recht­li­chen Schutz des Wahl­rechts bei poli­ti­schen Wah­len in ihrem Ver­fas­sungs­raum allein und abschlie­ßend 3. Dem Beschwer­de­füh­rer steht zur Ver­tei­di­gung
sei­nes sub­jek­ti­ven Wahl­rechts auf Län­der­ebe­ne der Ver­wal­tungs­rechts­weg zur Ver­fü­gung (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 GLKrWG 4. Ein Mehr ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten, weil Art. 19 Abs. 4 GG kei­nen sub­jek­ti­ven ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schutz ver­bürgt 5. Die Ver­fas­sung des Frei­staats Bay­ern sieht über den ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Rechts­weg hin­aus einen lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­schutz vor. Die Ver­let­zung des sub­jek­ti­ven Wahl­rechts bei Kom­mu­nal­wah­len (Art. 12 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 14 Abs. 1, Abs. 2 Bay­Verf.) durch die ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen kann der Beschwer­de­füh­rer gemäß Art. 66, Art. 120 Bay­Verf. in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 6, Art. 51 ff. BayVfGHG im Wege der Ver­fas­sungs­be­schwer­de zum Baye­ri­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gel­tend machen 6. Dar­über hin­aus besteht das von der sub­jek­ti­ven Berech­ti­gung unab­hän­gi­ge, objek­ti­ve Ver­fah­ren der Popu­lark­la­ge gemäß Art. 98 Satz 4 Bay­Verf. in Ver­bin­dung mit Art. 2 Nr. 7, Art. 55 BayVfGHG. Dabei han­delt es sich um ein objek­ti­ves Ver­fah­ren, das im öffent­li­chen Inter­es­se den Schutz der Grund­rech­te als Insti­tu­ti­on bezweckt 7. Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Okto­ber 2010 – 2 BvR 1913/​09

  1. BVerfGE 99, 1, 7 ff.[]
  2. vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.[]
  3. vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.; BVerfG, Beschlüs­se vom 09.03.2009 – 2 BvR 120/​09, NVwZ 2009, 776, 777; und vom 03.07.2009 – 2 BvR 1291/​09[]
  4. Baye­ri­sches Gesetz über die Wahl der Gemein­de­rä­te, der Bür­ger­meis­ter, der Kreis­ta­ge und der Land­rä­te Gemein­de- und Land­kreis­wahl­ge­setz – GLKrWG[]
  5. vgl. BVerfGE 99, 1, 19[]
  6. vgl. Bay­VerfGH, Ent­schei­dung vom 28.01.1993 – Vf. 25-VI-92 u.a., NVwZ-RR 1993, 569, 570; Ent­schei­dung vom 11.03.1994 – Vf. 22-VI-92, NVwZ 1994, 993, 994[]
  7. vgl. Wolff, in: Lindner/​Möstl/​Wolff, Ver­fas­sung des Frei­staa­tes Bay­ern, 2009, Art. 98 Rn. 8 m.w.N.[]