Kei­ne Kos­ten­er­stat­tung für Trau­er­fei­er

Wird die Bestat­tung behörd­lich ver­an­lasst, weil kein Ange­hö­ri­ger dafür sorgt, kann die Behör­de nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­ber von den bestat­tungs­pflich­ti­gen Ange­hö­ri­gen nur die Kos­ten ver­lan­gen, die für die Bestat­tung als sol­che nötig waren; die Kos­ten für eine Trau­er­fei­er kann sie dem­ge­gen­über nicht for­dern.

Kei­ne Kos­ten­er­stat­tung für Trau­er­fei­er

Der Klä­ger hat­te eben­so wie sei­ne drei Schwes­tern schon seit Jah­ren kei­nen Kon­takt mehr zu sei­nem Vater. Als der Vater ver­starb, konn­te das Fried­hofs­amt sei­nes letz­ten Wohn­sit­zes die Anschrif­ten der Kin­der als der nächs­ten Ange­hö­ri­gen nicht kurz­fris­tig ermit­teln, so dass die Bestat­tung von der städ­ti­schen Behör­den selbst ver­an­lasst wur­de. Vor der Bei­set­zung in einem anony­men Grä­ber­feld des städ­ti­schen Fried­hofs wur­de die Fei­er­hal­le des Fried­hofs für eine Trau­er­fei­er mit Orgel­spiel zur Ver­fü­gung gestellt. Die spä­ter beklag­te Stadt ver­lang­te die Erstat­tung der gesam­ten ange­fal­le­nen Kos­ten allein vom Klä­ger, da die Schwes-tern auf ihre schlech­te finan­zi­el­le Situa­ti­on ver­wie­sen hat­ten. Auf sei­nen Ein­wand, dass eine Kos­ten­be­las­tung wegen der feh­len­den per­sön­li­chen Bezie­hung zum Vater unzu­mut­bar sei, über­nahm das Sozi­al­amt auf den Antrag des Klä­gers ein Vier­tel der Kos­ten. Mit sei­ner Kla­ge gegen die ver­blei­ben­de Kos­ten­be­las­tung hat­te der Klä­ger vor dem VGH teil­wei­se Erfolg.

Der Ansicht des Klä­gers, dass er nur antei­lig mit sei­nen Schwes­tern zu den Kos­ten her­an­ge­zo­gen wer­den dür­fe, ist der VGH aller­dings nicht gefolgt. Der Klä­ger kön­ne näm­lich Aus­gleichs­an­sprü­che gegen­über sei­nen Schwes­tern gel­tend ma-chen, die gleich­ran­gig mit ihm bestat­tungs- und kos­ten­pflich­tig sei­en; damit wer­de dem Gebot der Las­ten­gleich­heit hin­rei­chend Rech­nung getra­gen.

Unter Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat der VGH indes­sen die Höhe der gel­tend gemach­ten Kos­ten bean­stan­det. Der Umfang der erstat­tungs­fä­hi­gen Kos­ten rich­te sich nicht nach sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Maß­stä­ben; dort sei der Auf­wand für eine Bestat­tung in ein­fa­cher, aber wür­di­ger und orts­üb­li­cher Form ange­mes­sen, wozu auch der klei­ne reli­giö­se Rah­men zäh­le. Hier sei aber allein der Zweck des Bestat­tungs­ge­set­zes aus­schlag­ge­bend. Die dort gere­gel­te Bestat­tungs­pflicht die­ne dem ord­nungs­recht­li­chen Zweck, im öffent­li­chen Inter­es­se die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Bestat­tung Ver­stor­be­ner zu gewähr­leis­ten. Die Bestat­tung sol­le zum einen Gefah­ren für die öffent­li­che Gesund­heit ver­hü­ten, die typi­scher­wei­se durch den fort­schrei­ten­den Ver­we­sungs-pro­zess nicht bestat­te­ter mensch­li­cher Lei­chen dro­hen. Zum ande­ren sol­le vor die­sem Hin­ter­grund dem in der Men­schen­wür­de wur­zeln­den Gebots der Pie­tät gegen­über Ver­stor­be­nen Rech­nung getra­gen wer­den. Trau­er­fei­er­lich­kei­ten lägen dem­ge­gen­über außer­halb des Rege­lungs­be­reichs des Bestat­tungs­ge­set­zes. Sie könn­ten den Bestat­tungs­pflich­ti­gen auch nicht auf­er­legt wer­den. Die auf die Fei­er­hal­len­be­nut­zung und das Orgel­spiel ent­fal­len­den Beträ­ge sei­en folg­lich nicht erstat­tungs­fä­hig.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15. Novem­ber 2007 – 1 S 1471/​07