Kei­ne Mäd­chen im Knabenchor

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die Beru­fung eines Mäd­chens zurück­ge­wie­sen, das die Auf­nah­me in den nur mit Kna­ben besetz­ten Kon­zert­chor des Staats- und Dom­chors Ber­lin begehrte. 

Kei­ne Mäd­chen im Knabenchor

Der Staats- und Dom­chor Ber­lin ist Teil der Uni­ver­si­tät der Küns­te Ber­lin und wid­met sich der Pfle­ge der viel­hun­dert­jäh­ri­gen Tra­di­ti­on des Kna­ben­ch­or­ge­sangs. Die Klä­ge­rin, die die Aus­bil­dungs­chö­re des Cho­res nicht besucht hat­te, bewarb sich im Alter von neun Jah­ren um Auf­nah­me in den Kon­zert­chor. Der Chor­lei­ter lehn­te sie ab, weil sie das für den Kon­zert­chor vor­aus­ge­setz­te Niveau nicht errei­che und sich mit ihrer Stim­me nicht in das Klang­bild eines Kna­ben­cho­res einfüge.

Nach dem Urteil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg lässt die Aus­wahl­ent­schei­dung des Chor­lei­ters Beur­tei­lungs­feh­ler nicht erken­nen. Ins­be­son­de­re deren Ori­en­tie­rung dar­an, ob die Bewer­ber zusätz­lich zum hohen Aus­bil­dungs­stand stimm­lich zum Klang eines Kna­ben­cho­res pas­sen, ist nicht zu bean­stan­den. Der in Art. 20 Abs. 1 der Ber­li­ner Lan­des­ver­fas­sung ver­an­ker­te Anspruch auf Teil­ha­be an staat­li­chen Bil­dungs­ein­rich­tun­gen steht dem nicht ent­ge­gen, denn die­ser rich­tet sich nach der Wid­mung der jewei­li­gen Ein­rich­tung. Dem Land Ber­lin ist es durch Art. 20 Abs. 2 der Lan­des­ver­fas­sung erlaubt, zum Schutz des kul­tu­rel­len Lebens die aus der christ­li­chen Sakral­mu­sik ent­stan­de­ne Tra­di­ti­on der Kna­ben­chö­re zu pfle­gen. Das berech­tigt den Chor­lei­ter dazu, Mäd­chen aus­zu­schlie­ßen, wenn sie bei allem Talent mit ihrer Stim­me nicht dem Klang­bild eines sol­chen Cho­res ent­spre­chen. Die­se poli­ti­sche Ent­schei­dung ist von den Gerich­ten nicht zu bean­stan­den, wenn es im Land Ber­lin auch Mäd­chen mög­lich ist, eine hoch­wer­ti­ge musi­sche Bil­dung zu erhal­ten. Es bestehen inso­weit aus­rei­chen­de Ange­bo­te an Mäd­chen­chö­ren und gemisch­ten Kinderchören. 

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Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ‑Bran­den­burg, Urteil vom 21. Mai 2021 – OVG 5 B 32.19

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