Kei­ne Neu­be­set­zung der Bun­des­re­gie­rung

Womit sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt alles befas­sen muss… Aktu­ell muss­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über einen Antrag ent­schei­den, im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung

Kei­ne Neu­be­set­zung der Bun­des­re­gie­rung
  1. Deutsch­land zu ver­pflich­ten, die kom­plet­te Bun­des­re­gie­rung neu zu beset­zen, Rich­ter­be­set­zun­gen neu vor­zu­neh­men, wobei die Neu­be­set­zung aus­schließ­lich mit Par­tei­mit­glie­dern der Par­tei DIE LINKE erfol­gen sol­len und Gre­gor Gysi zum neu­en Bun­des­kanz­ler oder Sara Wagen­knecht zur neu­en Bun­des­kanz­le­rin zu ernen­nen,
  2. Polen auf­zu­for­dern, Namen und Daten von im Krieg Verstorbenen/​Opfern bekannt zu geben, um Ent­schä­di­gun­gen gel­tend machen zu kön­nen,
  3. Polen auf­zu­for­dern, Bank­kon­ten von diver­sen Per­so­nen bekannt zu geben, um Ent­schä­di­gun­gen durch­set­zen zu kön­nen,
  4. Marok­ko auf­zu­for­dern, Namen und Daten von im Krieg Verstorbenen/​Opfern bekannt zu geben, um Ent­schä­di­gun­gen gel­tend machen zu kön­nen,
  5. die Namen aller Rich­ter und Rich­te­rin­nen, die seit 1947 in Deutsch­land tätig waren bekannt­zu­ge­ben, und die­se für began­ge­ne Ver­bre­chen recht­lich zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen,
  6. alle Opfer fal­scher EU-Rechts­an­wen­dung aus Gefäng­nis­sen zu befrei­en, ins­be­son­de­re Bea­te Zschäpe, und die­se von Schul­den und von Stra­fen zu befrei­en,
  7. die Schrei­ben und Anträ­ge der Beschwer­de­füh­re­rin an alle Ver­fas­sungs­ge­rich­te der EU wei­ter­zu­lei­ten.

Und wie zu erwar­ten, lehn­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die­sen Antrag eben­so ab wie den damit ver­bun­de­nen Antrag auf Bewil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Bei­ord­nung eines Rechts­an­walts. In den höf­li­chen Wor­ten des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts liest sich das dann so:

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Streit­fall auch bereits vor Anhän­gig­keit eines Ver­fah­rens zur Haupt­sa­che [1] einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le, zur Ver­hin­de­rung dro­hen­der Gewalt oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist. Dabei müs­sen die Grün­de, wel­che für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me spre­chen, außer Betracht blei­ben, es sei denn, die Haupt­sa­che erweist sich als von vorn­her­ein unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det [2].

Der iso­lier­te Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung ist abzu­leh­nen, weil eine in der Haupt­sa­che noch zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de offen­sicht­lich unzu­läs­sig wäre. Die Antrag­stel­le­rin wen­det sich mit ihren ver­schie­de­nen Anträ­gen jeweils nicht gegen kon­kre­te Hoheits­ak­te der deut­schen öffent­li­chen Gewalt im Sin­ne des § 90 Abs. 1 BVerfGG. Zum einen sind Adres­sa­ten ihrer Anträ­ge aus­län­di­sche Staa­ten; soweit sie Maß­nah­men der deut­schen öffent­li­chen Gewalt begehrt, ist nicht ein­mal ansatz­wei­se erkenn­bar, aus wel­chen Grund­rech­ten sie ent­spre­chen­de Ansprü­che ablei­ten könn­te. Die unter a)), und e)) bis g)) auf­ge­führ­ten Antrags­zie­le kön­nen mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht erreicht wer­den.

Da der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung unzu­läs­sig ist, hat die Antrag­stel­le­rin auch kei­nen Anspruch auf Gewäh­rung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe und Bei­ord­nung eines Rechts­an­walts [3].

Die Antrag­stel­le­rin wird für künf­ti­ge Ver­fah­ren dar­auf hin­ge­wie­sen, dass ihr bei Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen des § 34 Abs. 2 BVerfGG eine Miss­brauchs­ge­bühr von bis zu 2.600 Euro auf­er­legt wer­den kann. Ein Miss­brauch kann auch vor­lie­gen, wenn das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt durch erkenn­bar sub­stanz­lo­se Ver­fas­sungs­be­schwer­den an der Erfül­lung sei­ner Auf­ga­ben gehin­dert wird, wodurch ande­ren Recht­su­chen­den der ihnen zukom­men­de Grund­rechts­schutz nur ver­zö­gert gewährt wer­den kann [4].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss der des Zwei­tens vom 7. April 2020 – 2 BvQ 19/​20

  1. vgl. BVerfGE 3, 267, 277; 11, 339, 342; 16, 236, 238; 35, 193, 195; 71, 350, 352; 150, 163, 166 Rn. 9; BVerfG, Beschluss vom 17.09.2019 – 2 BvQ 59/​19, Rn. 16; Beschluss vom 04.12 2019 – 2 BvQ 91/​19, Rn. 2; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 89, 344, 345; 92, 130, 133; 118, 111, 122; 143, 65, 87; 145, 348, 356 Rn. 28; 150, 163, 166 Rn. 9; BVerfG, Beschluss vom 17.09.2019 – 2 BvQ 59/​19, Rn. 16; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 1, 109, 112; 1, 415, 416; 79, 252, 253; 92, 122, 123; BVerfG, Beschluss vom 28.06.2018 – 2 BvR 2380/​17, Rn. 2 f.; Beschluss vom 04.07.2018 – 2 BvR 62/​18, Rn. 1; Beschluss vom 06.11.2019 – 2 BvR 1105/​19, Rn. 3; stRspr[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.05.2010 – 1 BvR 690/​10 u.a., Rn. 5; Beschluss vom 12.04.2018 – 2 BvR 415/​18 u.a., Rn. 2; Beschluss vom 30.10.2019 – 2 BvR 1598/​19, Rn. 2; Beschluss vom 10.02.2020 – 1 BvR 168/​20, Rn. 3[]