Kei­ne Pflicht zur Steu­er­fi­nan­zie­rung des Stra­ßen­aus­baus

Die Finan­zie­rungs­prin­zi­pi­en der Kom­mu­nal­ver­fas­sung ste­hen der Auf­fas­sung ent­ge­gen, Stra­ßen­aus­bau müs­se gene­rell aus Steu­ern finan­ziert wer­den.

Kei­ne Pflicht zur Steu­er­fi­nan­zie­rung des Stra­ßen­aus­baus

Die Vor­schrift des § 8 des schles­wig-hol­stei­ni­schen KAG – eine der maß­geb­li­chen Rechts­grund­la­gen für Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­sat­zun­gen – ver­stößt nicht gegen das aus dem Rechts­staats­prin­zip abzu­lei­ten­de Bestimmt­heits­ge­bot bzw. Gebot der Nor­men­klar­heit.

Mit der Anknüp­fung an den Vor­teil als Vor­aus­set­zung für die Bei­trags­er­he­bung wird dem Cha­rak­ter des kom­mu­na­len Bei­trags als Ent­gelt­ab­ga­be Rech­nung getra­gen. Der unbe­stimm­te Rechts­be­griff des "Vor­teils" ist in den Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zen der Län­der weit ver­brei­tet und in stän­di­ger Recht­spre­chung aner­kannt und näher defi­niert.

Es ist nicht zu bean­stan­den, dass § 8 KAG nicht regelt, nach wel­chen Maß­ga­ben im Ein­zel­nen die Anlie­ger­vor­tei­le zu bemes­sen sind und wie die­se von den Vor­tei­len der All­ge­mein­heit abzu­gren­zen sind. Bestim­mun­gen dazu sind von den Kör­per­schaf­ten, die nach § 1 KAG zur Erhe­bung von Abga­ben berech­tigt sind, in die nach § 2 KAG erfor­der­li­chen Sat­zun­gen auf­zu­neh­men.

Bei Vor­lie­gen einer bei­trags­fä­hi­gen Maß­nah­me ergibt sich aus der Bezie­hung zur Ein­rich­tung der Kreis der­je­ni­gen, denen durch die Her­stel­lung, die Erneue­rung oder den Umbau Vor­tei­le erwach­sen.

Die Fest­set­zung des Gemein­de­an­teils ist ein Akt gemeind­li­cher Recht­set­zung. Sie kann des­halb wie jeder ande­re Gesetz­ge­bungs­akt gericht­lich nur dar­auf über­prüft wer­den, ob die Gemein­de den durch das KAG und das dadurch begrün­de­te Vor­teils­prin­zip der Aus­übung ihres gesetz­ge­be­ri­schen Ermes­sens gesteck­ten Rah­men über­schrit­ten hat.

Es ist frag­lich, ob dem abga­ben­recht­li­chen Vor­teils­prin­zip eine von Bei­trags­pflich­ti­gen ein­klag­ba­re Ver­pflich­tung der Gemein­de ent­nom­men wer­den kann, Min­dest­sät­ze der Anlie­ger­an­tei­le fest­zu­le­gen. Jeden­falls ver­sto­ßen ein Anteils­satz von 53% für Anlie­ger­stra­ßen – und dar­an ori­en­tier­te Anteils­sät­ze für die ande­ren Stra­ßen­ar­ten – (noch) nicht gegen das Vor­teils­prin­zip.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Schles­wig-Hol­stein, Urteil vom 19. Mai 2010 – 2 KN 2/​09