Kei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de per De-Mail

Eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de kann bis­lang nicht per De-Mail ein­ge­reicht wer­den.

Kei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de per De-Mail

So hat jetzt das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, die per De-Mail ein­ge­reicht wur­de: Die­se genügt nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht dem Schrift­form­erfor­der­nis des § 23 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG, der ver­langt, dass ein kör­per­li­ches Schrift­stück ein­ge­hen muss. Der Gesetz­ge­ber hat bis­lang noch kei­ne ent­spre­chen­de gesetz­li­che Rege­lung geschaf­fen, die eine Über­mitt­lung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de per De-Mail ermög­licht. Bis­lang steht daher die De-Mail – wie auch die gewöhn­li­che E‑Mail – beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur für Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten zur Ver­fü­gung.

Die als De-Mail ein­ge­reich­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de genügt bereits nicht dem Schrift­form­erfor­der­nis des § 23 Abs. 1 Satz 1 BVerfGG. Die­ses ver­langt, dass ein kör­per­li­ches Schrift­stück ein­geht1.

Eine Ein­rei­chung per E‑Mail, die – anders als ein Fax – nicht zum sofor­ti­gen Aus­druck bestimmt ist, reicht dafür nicht aus2.

Dies gilt auch für eine De-Mail. Der Gesetz­ge­ber hat gera­de davon abge­se­hen, in das Gesetz über das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­setz – BVerfGG) eine § 130a ZPO, § 55a VwGO, § 46c ArbGG, § 65a SGG oder § 52a FGO ent­spre­chen­de Rege­lung auf­zu­neh­men3. Gemäß § 1 Abs. 1 der Ver­ord­nung über die tech­ni­schen Rah­men­be­din­gun­gen des elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehrs und über das beson­de­re elek­tro­ni­sche Behör­den­post­fach (Elek­tro­ni­scher-Rechts­ver­kehr-Ver­ord­nung – ERVV) sind die­se Regeln man­gels Bezugs­norm für das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht anwend­bar. Der Über­mitt­lungs­weg per De-Mail müss­te daher vom Gesetz­ge­ber erst eröff­net wer­den4. Auch soweit das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über eine De-Mail-Adres­se ver­fügt, steht die­ser Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg – wie auch die gewöhn­li­che E‑Mail – aus­drück­lich aus­schließ­lich für Ver­wal­tungs­an­ge­le­gen­hei­ten zur Ver­fü­gung.

Zudem genüg­te im hier ent­schie­de­nen Fall die ein­ge­reich­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht den Sub­stan­ti­ie­rungs­an­for­de­run­gen der § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG. Es fehlt bereits jede Aus­ein­an­der­set­zung mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit des Anwalts­zwangs5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 19. Novem­ber 2018 – 1 BvR 2391/​18

  1. vgl. Diehl, in: Bar­c­zak, BVerfGG, 2018, § 23 Rn. 16; im Ergeb­nis auch von Coelln, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 23 Rn. 48, Mai 2009
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 25.07.2017 – 2 BvC 6/​17; Beschluss vom 27.11.2015 – 2 BvQ 43/​15; Beschluss vom 19.05.2010 – 1 BvR 1070/​10
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 27.11.2015 – 2 BvQ 43/​15
  4. vgl. von Coelln, in: Maun­z/­Schmidt-Bleib­treu/Klein/­Be­th­ge, BVerfGG, § 23 Rn. 49 ff., Mai 2009; Put­tler, in: Burkiczak/​Dollinger/​Schorkopf, BVerfGG, 2015, § 23 Rn. 9; Lenz/​Hansel, BVerfGG, 2. Aufl.2015, § 23 Rn. 10
  5. vgl. BVerfGE 10, 185, 197 ff.; 37, 67, 76 f.; 41, 378, 390; 75, 246, 275 f.; 97, 12, 26 f.