Kei­ne Ver­wir­kung poli­zei­li­cher Ein­griffs­be­fug­nis­se

Poli­zei­li­che bzw. ord­nungs­recht­li­che Ein­griffs­be­fug­nis­se auf dem Gebiet des all­ge­mei­nen und beson­de­ren Poli­zei­rechts – hier die Befug­nis zur Anord­nung des teil­wei­sen Abbruchs einer bau­li­chen Anla­ge – kön­nen nicht ver­wirkt wer­den 1, urteil­te jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he.

Kei­ne Ver­wir­kung poli­zei­li­cher Ein­griffs­be­fug­nis­se

Zunächst geht das Ver­wal­tungs­ge­richt mit der neue­ren Recht­spre­chung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg 2 davon aus, dass poli­zei­li­che bzw. ord­nungs­recht­li­che Ein­griffs­be­fug­nis­se auf dem Gebiet des all­ge­mei­nen und beson­de­ren Poli­zei­rechts nicht ver­wirkt wer­den kön­nen. Die­sen Befug­nis­sen kommt im öffent­li­chen Inter­es­se ein über­ra­gen­des Gewicht zu, das deren Ver­wir­kung nicht zulässt. Poli­zei­li­che bzw. ord­nungs­recht­li­che Ein­griffs­be­fug­nis­se, die die zustän­di­gen Behör­den unter den ver­schie­dens­ten sach­li­chen Aspek­ten ermäch­tig­ten, gegen bestehen­de Stö­run­gen vor­zu­ge­hen, stel­len kein sub­jek­ti­ves Recht dar, des­sen Bestand oder Aus­übung durch Nicht­ge­brauch oder Fehl­ge­brauch in Fra­ge gestellt und daher in letz­ter Kon­se­quenz ver­wirkt wer­den könn­ten. Sie knüp­fen viel­mehr an das Vor­han­den­sein einer Stö­rung der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung bzw. einer Gefahr an und sind den zustän­di­gen Behör­den im öffent­li­chen Inter­es­se an der Gewähr­leis­tung recht­mä­ßi­ger Zustän­de zur pflicht­ge­mä­ßen Erle­di­gung auf­er­legt. Die­ses öffent­li­che Inter­es­se und die­se zur pflicht­ge­mä­ßen Erle­di­gung über­tra­ge­ne Auf­ga­be wer­den nicht dadurch geschmä­lert oder gar obso­let, dass zu deren Durch­set­zung von der Behör­de über län­ge­re Zeit hin­weg nichts bzw. wenig unter­nom­men wor­den ist.

Unab­hän­gig davon steht einer Ver­wir­kung, so man sie denn auch in Bezug auf ord­nungs­recht­li­che Ein­griffs­be­fug­nis­se für mög­lich hal­ten soll­te, ent­ge­gen, dass der Beklag­te kei­nen Ver­trau­ens­tat­be­stand geschaf­fen hat, der beim Klä­ger ein schüt­zens­wer­tes Ver­trau­en ent­ste­hen las­sen konn­te. Auch dies hat das Regie­rungs­prä­si­di­um im Wider­spruchs­be­scheid zutref­fend dar­ge­legt; das Gericht folgt auch der dies­be­züg­li­chen Begrün­dung und sieht gemäß § 117 Abs. 5 VwGO von einer wei­te­ren Dar­stel­lung der Ent­schei­dungs­grün­de ab. Soweit der Klä­ger in der Kla­ge­be­grün­dung aber­mals gel­tend macht, bezüg­lich des Kennt­nis­stan­des der Bau­lich­kei­ten und Ört­lich­kei­ten sei nicht auf das Land­rats­amt son­dern die Bei­gela­de­ne abzu­stel­len, über­sieht er, dass die Befug­nis ein­zu­schrei­ten nur dem Land­rats­amt zusteht und sich ein Ver­trau­ens­tat­be­stand allen­falls aus des­sen Ver­hal­ten ent­wi­ckeln kann.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 11. August 2010 – 1 K 3470/​09

  1. im Anschluss an VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 01.04.2008 – 10 S 1388/​06NVwZ-RR 2008, 696 = VBlBW 2008, 339 = BauR 2009, 485[]
  2. vgl. VGH B‑W., Urteil vom 01.04.2008 – 10 S 1388/​06, NVwZ-RR 2008, 696 = VBlBW 2008, 339 = BauR 2009, 485 m.w.Nw.; anders noch: VGH B‑W., Urteil vom 22.11.1979 – III 32/​79[]