Kin­der­för­de­rung – Auf­ga­ben und Finan­zie­rung der Kom­mu­nen in NRW

Vor dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len waren die­se Woche meh­re­re kom­mu­na­le Ver­fas­sungs­be­schwer­den gegen die finan­zi­el­len Fol­gen des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes erfolg­reich. Die Rege­lung über die Zustän­dig­keit von Krei­sen und kreis­frei­en Städ­ten für Auf­ga­ben der Kin­der- und Jugend­hil­fe – dar­un­ter die För­de­rung von Kin­dern unter drei Jah­ren in Tages­ein­rich­tun­gen und in Kin­der­ta­ges­pfle­ge – ist nach dem Rich­ter­spruch aus Müns­ter mit der Lan­des­ver­fas­sung nicht ver­ein­bar, die ein­schlä­gi­ge Bestim­mung im nord­rhein-west­fä­li­schen Aus­füh­rungs­ge­setz zum Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­setz ver­letzt das Recht auf kom­mu­na­le Selbst­ver­wal­tung. Damit hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len den Ver­fas­sungs­be­schwer­den von ins­ge­samt 17 kreis­frei­en Städ­ten – Bie­le­feld, Bochum, Bonn, Dort­mund, Düs­sel­dorf, Gel­sen­kir­chen, Her­ne, Köln, Kre­feld, Lever­ku­sen, Mön­chen­glad­bach, Mül­heim a.d.R., Müns­ter, Ober­hau­sen, Rem­scheid, Solin­gen und Wup­per­tal – sowie von zwei Krei­sen – Düren und Wesel – statt­ge­ge­ben. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den der kreis­an­ge­hö­ri­gen Städ­te Her­ford, Hürth, Min­den und Neuss hat der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof dage­gen als unzu­läs­sig ver­wor­fen.

Kin­der­för­de­rung – Auf­ga­ben und Finan­zie­rung der Kom­mu­nen in NRW

Die bean­stan­de­te Rege­lung ver­sto­ße, so der Ver­fas­sungs­ge­richts­hof, gegen das lan­des­ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­te Kon­ne­xi­täts­prin­zip. Die­ses Prin­zip ver­pflich­te den Lan­des­ge­setz­ge­ber bei der Über­tra­gung neu­er oder der Ver­än­de­rung bestehen­der kom­mu­na­ler Auf­ga­ben, gleich­zei­tig einen finan­zi­el­len Aus­gleich für die ent­ste­hen­den not­wen­di­gen, durch­schnitt­li­chen Aus­ga­ben zu schaf­fen. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Anwen­dung des Kon­ne­xi­täts­prin­zips lägen hier vor. Die mit der ange­grif­fe­nen Zustän­dig­keits­norm bewirk­te Auf­ga­ben­zu­wei­sung in Kin­der- und Jugend­hil­fe­an­ge­le­gen­hei­ten sei eine Über­tra­gung neu­er Auf­ga­ben, weil die Krei­se und kreis­frei­en Städ­te erst­mals durch eine lan­des­ge­setz­li­che Rege­lung zur Über­nah­me und Durch­füh­rung von Auf­ga­ben in die­sem Bereich ver­plich­tet wor­den sei­en.

Dar­über hin­aus han­de­le es sich auch um den Fall einer kon­ne­xi­täts­re­le­van­ten Ver­än­de­rung bestehen­der Auf­ga­ben. Im Zuge des Kin­der­för­de­rungs­ge­set­zes (KiföG), das den Lan­des­ge­setz­ge­ber zu der Zustän­dig­keits­re­ge­lung ver­an­lasst habe, ergä­ben sich für die Krei­se und kreis­frei­en Städ­te signi­fi­kan­te Ände­run­gen bei der kom­mu­na­len Auf­ga­ben­wahr­neh­mung. Ins­be­son­de­re hät­ten sich die Vor­ga­ben für den quan­ti­ta­ti­ven Aus­bau der Kin­der­ta­ges­be­treu­ung erheb­lich erhöht. Die Ände­run­gen führ­ten zu einer wesent­li­chen finan­zi­el­len Belas­tung der Krei­se und kreis­frei­en Städ­te. Die vor die­sem Hin­ter­grund erfor­der­li­che Bestim­mung über die Deckung der mit der Auf­ga­ben­über­tra­gung ver­bun­de­nen kom­mu­na­len Kos­ten habe der Gesetz­ge­ber nicht getrof­fen.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 12. Okto­ber 2010 – VerfGH 12/​09