Kin­der­por­nos auf dem Uni-PC

Das Ver­schaf­fen kin­der­por­no­gra­fi­scher Datei­en auf dem Dienst- und Pri­vat-PC stellt für einen Pro­fes­sor ein schwer­wie­gen­des Dienst­ver­ge­hens dar, das zur Ent­fer­nung aus dem Dienst führt.

Kin­der­por­nos auf dem Uni-PC

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen ent­schie­de­nen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren hat­te sich ein Pro­fes­sor, Direk­tor der Abtei­lung Mole­ku­la­re Phar­ma­ko­lo­gie eines Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums, mit sei­nem, im Büro des Fach­be­reichs Mole­ku­la­re Phar­ma­ko­lo­gie des Kli­ni­kums J. ste­hen­den, dienst­li­chen Com­pu­ter über ein­schlä­gi­ge Sei­ten Zugriff auf Datei­en mit kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern und Vide­os ver­schafft, sol­che Datei­en her­un­ter­ge­la­den und auf sei­nem Dienst­rech­ner gespei­chert. Bei einer Durch­su­chung und Daten­si­che­rung auf die­sem Rech­ner am 25.09.2006 waren 58 Bild- und 68 Video­da­tei­en mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Inhalt fest­ge­stellt wor­den. Mit rechts­kräf­ti­gem Straf­be­fehl vom 21.02.2008 wur­de gegen ihn wegen des Besit­zes und des Ver­schaf­fens von kin­der­por­no­gra­fi­schen Schrif­ten eine Geld­stra­fe von 90 Tages­sät­zen à 100,00 € ver­hängt. Dem Ver­wal­tungs­ge­richt reich­te dies, um den beam­te­ten Pro­fes­sor aus dem Dienst zu ent­fer­nen.

Der Pro­fes­sor habe, so das VG, ein Dienst­ver­ge­hen i. S. d. § 62 Satz 3 NBG began­gen. Danach muss das Ver­hal­ten des Beam­ten oder der Beam­tin inner­halb und außer­halb des Diens­tes der Ach­tung und dem Ver­trau­en gerecht wer­den, die sein/​ihr Beruf erfor­dern. Gegen die­se Pflicht hat der Beklag­te ver­sto­ßen, indem er auf sei­nen dienst­li­chen PC 58 Bild- und 68 Video­da­tei­en mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Inhalt her­un­ter­lud und spei­cher­te und dadurch den Straf­tat­be­stand des § 184 b Abs. 4 StGB ver­wirk­lich­te. Die­ses Dienst­ver­ge­hen, das der Beklag­te ein­räumt und dar­über hin­aus durch die bei­gezo­ge­nen Strafak­ten, ins­be­son­de­re durch den rechts­kräf­ti­gen Straf­be­fehl vom 21.02.2008, des­sen tat­säch­li­che Fest­stel­lun­gen gem. § 24 Abs.1 Satz1, 2. Alt. NDiszG bin­dend sind, belegt wird, stellt ein schwe­res Dienst­ver­ge­hen i. S. d. § 14 Abs. 2 Satz 1 NDiszG dar. Das Gericht ist dar­über­hin­aus davon über­zeugt, dass der Beklag­te auch die auf sei­nem pri­va­ten PC vor­ge­fun­de­nen 78 Datei­en mit kin­der­por­no­gra­fi­schem Inhalt ent­ge­gen sei­ner Behaup­tung im Straf­ver­fah­ren vor­sätz­lich her­un­ter­ge­la­den und gespei­chert hat. Hier­für spricht nicht nur die Spei­che­rung ent­spre­chen­der Datei­en auf sei­nem dienst­li­chen PC son­dern dar­über hin­aus sei­ne kos­ten­pflich­ti­ge "Mit­glied­schaft" bei der Fir­ma S.P., die ihren Kun­den Zugang zu kin­der­por­no­gra­fi­schen Bil­dern und Video­da­tei­en ver­schafft (s. Strafak­te Bd. I, Bl. 20). Hier­durch ist das erheb­li­che Inter­es­se des Beklag­ten an kin­der­por­no­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen belegt, was dage­gen spricht, dass ent­spre­chen­de Datei­en ohne sein Zutun auf sei­nem pri­va­ten PC gespei­chert wur­den. Im Übri­gen ist die Fra­ge, ob sol­che Datei­en nicht nur auf dem PC ange­se­hen son­dern auch gespei­chert wer­den, zwar für die Ver­wirk­li­chung des Straf­tat­be­stan­des des § 184 b Abs. 4 StGB von Bedeu­tung, nicht aber unbe­dingt für die Fra­ge, ob ein Dienst­ver­ge­hen vor­liegt. Ein Dienst­ver­ge­hen läge sicher auch bereits dann vor, wenn der Beam­te kin­der­por­no­grap­fi­sche Bild- und Video­da­tei­en auf sei­nem PC "nur betrach­tet", ohne die­se zu spei­chern.

Bei der im Rah­men der Bemes­sung von Art und Maß der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me vor­zu­neh­men­den dis­zi­pli­na­ri­schen Gesamt­wür­di­gung aller be- und ent­las­ten­den Umstän­de geht das Gericht davon aus, dass das Fehl­ver­hal­ten des Beklag­ten äußerst schwer­ge­wich­tig ist. Unter Berück­sich­ti­gung der Eigen­art und Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens, sei­ner Aus­wir­kun­gen, dem Maß der Schuld und auch aus gene­ral­prä­ven­ti­ven Erwä­gun­gen sowie unter Berück­sich­ti­gung der Per­sön­lich­keit des Beklag­ten ist die Ver­hän­gung der Höchst­maß­nah­me, näm­lich die Ent­fer­nung aus dem Dienst, ange­mes­sen und erfor­der­lich.

Bereits der Besitz und die Besitz­ver­schaf­fung von kin­der­por­no­gra­fi­schen Dar­stel­lun­gen bewei­sen nach den vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt 1 ent­wi­ckel­ten Grund­sät­zen erheb­li­che Per­sön­lich­keits­män­gel eines Beam­ten. Bild­ma­te­ri­al, das das tat­säch­li­che Gesche­hen eines sexu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern durch skru­pel­lo­se Erwach­se­ne wie­der­ge­be, die die Kin­der für die Erre­gung eines sexu­el­len Rei­zes beim Betrach­ter aus­nutz­ten, ste­he nicht mit den all­ge­mei­nen Wert­vor­stel­lun­gen von sexu­el­lem Anstand in Ein­klang. Aus die­sem Grun­de sei­en durch das 27. Straf­rechts­än­de­rungs­ge­setz vom 23.07.1993 2 die Besitz­ver­schaf­fung und der Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Dar­stel­lun­gen unter den Vor­aus­set­zun­gen des damals neu ein­ge­füg­ten § 184 Abs. 5 StGB (jetzt § 184 b Abs. 4 StGB) unter Stra­fe gestellt wor­den. Kin­der­por­no­gra­fi­sche Dar­stel­lun­gen ziel­ten unab­hän­gig davon, auf wel­chem Bild­trä­ger sie wie­der­ge­ge­ben sei­en, beim Betrach­ter gene­rell auf die Erre­gung eines sexu­el­len Rei­zes ab und degra­dier­ten die sexu­ell miss­brauch­ten kind­li­chen "Dar­stel­ler" zum blo­ßen (aus­wech­sel­ba­ren) Objekt geschlecht­li­cher Begier­de oder Erre­gung. Sie ver­stie­ßen damit gegen die unan­tast­ba­re Men­schen­wür­de gem. Art. 1 Abs. 1 Satz 1 GG, die dem Men­schen nur in sei­ner per­so­nel­len Gesamt­heit zukom­me 3, und auf deren Gewähr­leis­tung nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung 4 nicht ver­zich­tet wer­den kön­ne. Der sexu­el­le Miss­brauch eines Kin­des oder Jugend­li­chen sei in hohem Maße per­sön­lich­keits- und sozi­al­schäd­lich. Denn er grei­fe in die sitt­li­che Ent­wick­lung eines jun­gen Men­schen ein und gefähr­de die har­mo­ni­sche Ent­wick­lung sei­ner Gesamt­per­sön­lich­keit sowie sei­ne Ein­ord­nung in die Gemein­schaft, da ein Kind oder Jugend­li­cher wegen sei­ner feh­len­den bzw. noch nicht hin­rei­chen­den Rei­fe intel­lek­tu­ell und gefühls­mä­ßig das Erleb­te in der Regel gar nicht oder nur schwer ver­ar­bei­ten kön­ne. Zugleich benut­ze der Täter die Per­son eines Kin­des oder Jugend­li­chen als "Mit­tel" zur Befrie­di­gung sei­nes Geschlechts­trie­bes, auch wenn er sich an dem jewei­li­gen Opfer nicht selbst unmit­tel­bar ver­grei­fe. Trä­ten in der Per­son eines Sol­da­ten sol­che Män­gel zu Tage, so habe dies eine nach­hal­ti­ge Anse­hens­schä­di­gung bis hin zum völ­li­gen Anse­hens­ver­lust des Beam­ten zur Fol­ge. Das Ver­trau­en, das der Dienst­herr in sei­ne Selbst­be­herr­schung, Zuver­läs­sig­keit und mora­li­sche Inte­gri­tät set­ze, sei von Grund auf erschüt­tert oder gar zer­stört.

Die­ser grund­sätz­li­chen, für die dis­zi­pli­na­ri­sche Ahn­dung von durch Sol­da­ten began­ge­ne Dienst­ver­ge­hen, ent­wi­ckel­ten Ein­schät­zung hat sich die gesam­te Recht­spre­chung ange­schlos­sen und auf die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Beur­tei­lung ent­spre­chen­der Dienst­ver­ge­hen von Beam­ten über­tra­gen 5.

Das Gericht schließt sich der Recht­spre­chung an. Der vor­lie­gen­de Fall gibt kei­nen Anlass, von die­ser dis­zi­pli­na­ren Bewer­tung des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­scher Bild­da­tei­en abzu­wei­chen. Der Beklag­te hat durch sein Ver­hal­ten min­des­tens ein Jahr zu der oben beschrie­be­nen schwer­wie­gen­den Rechts­ver­let­zung aktiv bei­getra­gen. Die­ser Zeit­raum ergibt sich dar­aus, dass er min­des­tens seit Mai 2005 über die Mit­glied­schaft bei der Fir­ma "Smart Pri­va­cy" ver­füg­te (Strafak­te, Bd. I Bl. 2). Ist schon bei Sol­da­ten (oder Poli­zei­voll­zugs­be­am­ten) ohne Vor­ge­setz­ten­ei­gen­schaft der Besitz von kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al als so gra­vie­rend anzu­se­hen, dass die Beam­ten nur in min­der­schwe­ren Fäl­len oder bei Vor­lie­gen beson­de­rer Mil­de­rungs­grün­de im Dienst ver­blei­ben kön­nen, so gilt dies erst recht für Pro­fes­so­ren. Zu den Auf­ga­ben des Beklag­ten als Pro­fes­sor gehört auch die För­de­rung des wis­sen­schaft­li­chen Nach­wuch­ses, die Abnah­me von Prü­fun­gen und die Stu­di­en­be­ra­tung (§ 24 Abs. 1 Satz 1 und Satz 2 NHG). Mit Blick hier­auf hat der Zugriff auf kin­der­por­no­gra­fi­sche Datei­en durch einen Pro­fes­sor aus der Sicht eines vor­ur­teils­frei­en und beson­ne­nen Betrach­ters im Regel­fall einen end­gül­ti­gen und voll­stän­di­gen Ver­lust sei­nes Anse­hens als Leh­ren­der und Vor­bild zur Fol­ge. Durch ein sol­ches Ver­hal­ten wird näm­lich nicht nur das Ver­trau­en, das der Dienst­herr in die Selbst­be­herr­schung, Zuver­läs­sig­keit und mora­li­sche Inte­gri­tät sei­ner Pro­fes­so­ren setzt, son­dern auch das der dem Pro­fes­sor anver­trau­ten Stu­den­ten im Kern erschüt­tert. Wer als Pro­fes­sor in die­ser Wei­se ver­sagt, beweist so erheb­li­che Per­sön­lich­keits­de­fi­zi­te, die ihn – nicht zuletzt auch im Hin­blick auf sei­ne Vor­bild­funk­ti­on – regel­mä­ßig in der Uni­ver­si­tät gänz­lich untrag­bar machen. Inso­weit ist die Situa­ti­on eines Pro­fes­sors mit der eines Leh­rers ver­gleich­bar, der im Fal­le der Besitz­ver­schaf­fung von kin­der­por­no­gra­fi­schem Mate­ri­al eben­falls regel­mä­ßig aus dem Dienst ent­fernt wird 6. Ent­ge­gen der Ansicht des Beklag­ten ist für die dis­zi­pli­nar­recht­li­che Behand­lung von Leh­rern dabei nicht aus­schlag­ge­bend, dass die­se Kin­der unter­rich­ten und die Kin­der somit gefähr­det wären, Opfer eines rea­len sexu­el­len Über­griffs des Beam­ten zu wer­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr der ein­ge­tre­te­ne Anse­hens­ver­lust. Mit dem Anse­hen eines Leh­rers ist bereits das Betrach­ten kin­der­por­no­gra­fi­scher Dar­stel­lun­gen und ins­be­son­de­re der Ver­stoß gegen Straf­ge­set­ze, die das sexu­el­le Selbst­be­stim­mungs­recht von Kin­dern und Jugend­li­chen schüt­zen, schlech­ter­dings unver­ein­bar. Dies gilt in glei­cher Wei­se für Pro­fes­so­ren. Es ist einer Uni­ver­si­tät schlicht­weg nicht zumut­bar, ihre Stu­den­ten von einem Pro­fes­sor unter­rich­ten zu las­sen, der o. g. Ver­stö­ße began­gen hat. Dabei kommt im vor­lie­gen­den Fall erschwe­rend hin­zu, dass der Beklag­te kin­der­por­no­gra­fi­sche Datei­en in sei­nen Dienst­räu­men – näm­lich auf sei­nem Dienst­com­pu­ter – ange­se­hen und gespei­chert hat. Uner­heb­lich ist, dass Drit­te kei­nen Zugang zu den Datei­en hat­ten. Dies ändert nichts dar­an, dass der Beklag­te selbst im Dienst sei­ne sexu­el­len Nei­gun­gen nicht unter Kon­trol­le hat­te.

Erschwe­rend kommt hin­zu, dass er als Pro­fes­sor und Direk­tor der Abtei­lung Mole­ku­la­re Phar­ma­ko­lo­gie eine Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on hat und des­halb in beson­de­rer Ver­ant­wor­tung steht. Hier­mit ist sein Ver­hal­ten eben­falls unver­ein­bar. Je höher ein Beam­ter in sei­ner Auf­ga­ben­stel­lung steigt, um so mehr Ach­tung und Ver­trau­en genießt er; um so grö­ßer sind auch die Anfor­de­run­gen, die an sei­ne Zuver­läs­sig­keit, sein Pflicht­ge­fühl und sein Ver­ant­wor­tungs­be­wusst­sein gestellt wer­den müs­sen und um so schwe­rer wiegt eine Pflicht­ver­let­zung, die er sich hat zu Schul­den kom­men las­sen 7.

Zu Las­ten des Beklag­ten wirkt sich fer­ner aus, dass sein Ver­ge­hen bereits mehr­fach in der Pres­se – anläss­lich des Straf­ver­fah­rens und anläss­lich sei­ner Kla­ge gegen eine erken­nungs­dienst­li­che Behand­lung – the­ma­ti­siert wur­de. Auch wenn sein Name in den Pres­se­be­rich­ten nicht genannt wur­de, dürf­te es auf­grund der sons­ti­gen Anga­ben in den Pres­se­be­rich­ten jeden­falls für Inter­es­sier­te mög­lich sein, ihn zu iden­ti­fi­zie­ren. Hier­durch ist sein Anse­hens­ver­lust in der Öffent­lich­keit bereits real ein­ge­tre­ten.

Zu Unguns­ten des Beklag­ten wirkt sich zudem aus, dass er wegen sei­nes Fehl­ver­hal­tens bereits vom Dienst sus­pen­diert wur­de. Die damit zwangs­läu­fig ver­bun­de­nen nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen für die Per­so­nal­pla­nung und ‑füh­rung sei­nes Dienst­herrn muss sich der Beklag­te als Aus­wir­kung sei­nes Dienst­ver­ge­hens eben­falls zurech­nen las­sen 8.

Bei der Maß­nah­me­be­mes­sung ist als gene­ral­prä­ven­ti­ve Erwä­gung auch zu berück­sich­ti­gen, dass sich Kin­der­por­no­gra­fie, ins­be­son­de­re im Zusam­men­hang mit der Glo­ba­li­sie­rung des Daten­aus­tau­sches und der Daten­nut­zung im Rah­men des Inter­nets, als ein sehr ernst zu neh­men­des Gefah­ren­po­ten­ti­al dar­stellt 9. Auch wird das beson­de­re Gewicht des Dienst­ver­ge­hens dadurch deut­lich, dass der Gesetz­ge­ber mit Wir­kung vom 01.04.2004 durch das "Gesetz zur Ände­rung der Vor­schrif­ten über die Straf­ta­ten der sexu­el­len Selbst­be­stim­mung und zur Ände­rung ande­rer Vor­schrif­ten" vom 27.12.2003 10 das Höchst­maß der Frei­heits­stra­fe allein für den Erwerb und den Besitz kin­der­por­no­gra­fi­scher Schrif­ten von einem Jahr auf zwei Jah­re erhöht hat. Die­se Ände­rung, der ein Rah­men­be­schluss des Rats der Euro­päi­schen Uni­on zur Bekämp­fung der sexu­el­len Aus­beu­tung von Kin­dern und der Kin­der­por­no­gra­fie zugrun­de liegt, zielt dar­auf ab, den Unrechts­ge­halt die­ses Han­delns stär­ker zu beto­nen und ein Signal für eine unver­min­dert nach­drück­li­che Straf­ver­fol­gung durch die Jus­tiz­be­hör­den zu set­zen. Zugleich hält der Gesetz­ge­ber es für erfor­der­lich, die gene­ral­prä­ven­ti­ve Wir­kung gegen­über poten­ti­el­len Tätern durch die­se Maß­nah­me zu ver­stär­ken 11. Dadurch soll der Real­kin­der­por­no­markt ein­ge­dämmt wer­den, denn der "Kon­sum" kin­der­por­no­gra­fi­scher Bild­da­tei­en erfor­dert stets "neu­es Mate­ri­al" und för­dert so den Miss­brauch von Kin­dern und Jugend­li­chen, um den Markt mit neu­en und "här­te­ren" Bil­dern zufrie­den­zu­stel­len.

Beson­de­re Umstän­de, die aus­nahms­wei­se eine mil­de­re Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me recht­fer­ti­gen könn­ten, sind nicht ersicht­lich.

Bei dem Ver­ge­hen han­delt es sich um kei­ne ein­ma­li­ge per­sön­lich­keits­frem­de Augen­blick­s­tat des Beklag­ten. Dage­gen spricht bereits die Anzahl, der auf sei­nem dienst­li­chen und pri­va­ten PC vor­ge­fun­de­nen kin­der­por­no­gra­fi­schen Datei­en und der Umstand, dass er sich min­des­tens seit Mai 2005 gegen Bezah­lung Zugang zu sol­chen Datei­en ver­schaff­te. Dabei belegt das in den Strafak­ten doku­men­tier­te, vom Beklag­ten gesam­mel­te bzw. ein­ge­se­he­ne, Bild­ma­te­ri­al in einer Viel­zahl von Dar­stel­lun­gen ein­deu­tig, dass die Kin­der in einer beson­ders rück­sichts­lo­sen und anstö­ßi­gen Art und Wei­se durch Aus­übung des Oral‑, Vagi­nal- und Anal­ver­kehrs miss­braucht wur­den. Teil­wei­se wer­den auf den Bil­dern auch Gewalt­sze­nen dar­ge­stellt (s. Anla­ge 4 des Unter­su­chungs­be­richts über den dienst­li­chen PC, Page 3 und 4, Strafak­te Bd. II Bl. 40). Das Spei­chern aber auch bereits das Anse­hen der­ar­ti­ger Dar­stel­lun­gen zeigt tief­grei­fen­de Per­sön­lich­keits­män­gel auf. Erschwe­rend ist hier zu berück­sich­ti­gen, dass den Beklag­ten selbst die Beschlag­nah­me sei­nes dienst­li­chen PC am 22.09.2006 nicht davon abhielt, bis unmit­tel­bar vor Beschlag­nah­me sei­nes pri­va­ten PC am 22.11.2006 (Strafak­te Bd. I Bl. 23) dort wei­ter­hin Sei­ten mit Posing­bil­dern und Vide­os von Kin­dern auf­zu­ru­fen (Strafak­te Bd. I Bl. 43). Auch bei sol­chen Posing­bil­dern kann es sich um por­no­gra­fi­sche Schrif­ten im Sin­ne von §§ 184 b Abs. 2 StGB han­deln 12. Dar­über hin­aus rief der Beklag­te noch kurz vor Beschlag­nah­me sei­nes pri­va­ten PC über ein­schlä­gi­ge Inter­net­adres­sen Bild­da­tei­en auf, von denen zumin­dest drei ein­deu­ti­gen kin­der­por­no­gra­fi­schen Inhalt hat­ten [s. ergän­zen­der Unter­su­chungs­be­richt: "Bericht IuK-Siche­run­g/­Durch­su­chung der Poli­zei­in­spek­ti­on 5. FK/​RDVG vom 06.01.2009 (Bl. 39 f. Gerichts­ak­te und dort ins­be­son­de­re Bl. 40, 50 und 51)].

Schließ­lich führt auch die vom Beklag­ten durch­ge­führ­te The­ra­pie und sei­ne Koope­ra­ti­ons­be­reit­schaft (Geständ­nis hin­sicht­lich des dienst­li­chen PC) zu kei­ner ande­ren Betrach­tungs­wei­se. Zwar setzt sich der Beklag­te nach den vor­ge­leg­ten ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen (ins­be­son­de­re von Dr. med. N. – Fach­arzt für Psych­ia­trie, Psy­cho­ana­ly­se und Psy­cho­the­ra­pie – vom 08.12.2008) in regel­mä­ßig statt­fin­den­den the­ra­peu­ti­schen Sit­zun­gen unter ande­rem auch mit dem dis­zi­pli­nar­recht­lich rele­van­ten Gesche­hen aus­ein­an­der. Dies stellt aller­dings ein nor­ma­les Ver­hal­ten zur Erfül­lung der Dienst­pflicht dar. Die The­ra­pie ist des­halb nicht geeig­net, die Schwe­re des Dienst­ver­ge­hens so zu rela­ti­vie­ren, dass des­halb bei einem Beam­ten, der sich untrag­bar gemacht hat, von einer Dienst­ent­fer­nung abge­se­hen wer­den könn­te 13. Dar­an ändert auch nichts, dass in den ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen betont wird, beim Beklag­ten lie­ge kei­ne pädo­phi­le Stö­rung son­dern eine "Anpas­sungs­stö­rung" und "Dysth­mia mit Stö­rung der Impuls­kon­trol­le" (Beschei­ni­gung von Dr. med. N. a.a.O.) vor. Die medi­zi­ni­sche Bewer­tung des Ver­hal­tens des Beklag­ten ändert nichts an der Schwe­re sei­nes Ver­ge­hens. Die The­ra­pie kann sich auch des­halb nicht zu sei­nen Guns­ten aus­wir­ken, weil er die­se erst nach Ent­de­ckung sei­ner Taten und damit unter äuße­rem Druck begon­nen hat. Wirk­li­che Reue hat er weder im straf­recht­li­chen noch im dis­zi­pli­nar­recht­li­chen Ver­fah­ren gezeigt. Dies gilt auch mit Blick dar­auf, dass er in der münd­li­chen Ver­hand­lung im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren erklär­te, sein Ver­hal­ten zu bereu­en. Mit­leid mit den Opfern kin­der­por­no­gra­fi­scher Dar­stel­lun­gen war dabei nicht erkenn­bar. Im Gegen­teil ließ der Beklag­te in der Ver­gan­gen­heit eher eine Ten­denz zum Ver­harm­lo­sen und Baga­tel­li­sie­ren sei­nes Ver­hal­tens erken­nen, indem er sich wie­der­holt – mit Schrift­sät­zen sei­nes Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vom 19.01. und 26.01.2009 an das Gericht – dar­auf berief, er sei nach den vor­ge­leg­ten ärzt­li­chen Beschei­ni­gun­gen nicht pädo­phil, als ob dies die Schwe­re sei­nes Ver­ge­hens abschwä­chen könn­te. Auch im Straf­ver­fah­ren ver­such­te er, sein Ver­ge­hen her­ab zu spie­len. So führ­te sein Straf­ver­tei­di­ger in sei­nem Schrift­satz vom 21.03.2007 an die Staats­an­walt­schaft Han­no­ver aus, der Vor­wurf des Besit­zes kin­der­por­no­gra­fi­schen Bild­ma­te­ri­als sei – ohne baga­tel­li­sie­ren zu wol­len – im Straf­rah­men ver­gleich­bar mit der Sach­be­schä­di­gung oder der Belei­di­gung (Geld­stra­fe oder Frei­heits­stra­fe von bis zu 2 Jah­ren). Des­halb lie­ge es nahe, Fäl­le, in denen der Tat­ver­däch­ti­ge gestän­dig sei, infor­mell gem. § 153 a StPO oder im Straf­be­fehls­we­ge abzu­schlie­ßen. Mit der Zah­lung der Geld­stra­fe sei dann der Fall für den Beschul­dig­ten oder die Jus­tiz zumeist aus­ge­stan­den (Strafak­te Bd. II Bd. 114). Nach alle­dem kann sich die The­ra­pie des Beklag­ten bei der Bemes­sung der Dis­zi­pli­nar­maß­nah­me nicht mil­dernd aus­wir­ken. Das Glei­che gilt für sein (Teil-)Geständnis hin­sicht­lich sei­nes dienst­li­chen PC. Zu sei­nen Guns­ten kann nicht von einer frei­wil­li­gen Offen­ba­rung sei­nes Fehl­ver­hal­tens vor der Ent­de­ckung der Tat aus­ge­gan­gen wer­den. Das wäre nur dann der Fall, wenn die Offen­ba­rung ohne äuße­ren Zwang oder inne­ren zwin­gen­den Anlass erfolgt und sein Ver­hal­ten erkenn­bar von Ein­sicht oder Reue bestimmt ist. Dies ist hier nicht der Falll. Der Beklag­te hat sein Geständ­nis erst nach Durch­su­chung sei­ner Dienst­räu­me abge­legt. Ein Bestrei­ten zu die­sem Zeit­punkt wäre aus­sichts­los gewe­sen 14.

Der Beklag­te ist eines Unter­halts­bei­trags gemäß § 11 Abs. 3 NDiszG wür­dig.

Ver­wal­tungs­ge­richt Göt­tin­gen, Urteil vom 12. Mai 2009 – 5 A 4/​07

  1. BVerwG, Grund­satz­ur­teil vom 06.07.2000 – 2 WD 9/​00 -, Urtei­le vom 08.11.2001 – 2 WD 29/​01 -, 27.08.2003 – 2 WD 39/​02 – und 25.09.2007 – 2 WD 19/​06 -, Juris[]
  2. BGBl. I S. 13.46[]
  3. BVerwG, Urtei­le vom 17.03.1989 – BVerwG 2 WD 40.88 – und 15.06.1999 – BVerwG 2 WD 34.98 -, Juris[]
  4. BVerwG, Urtei­le vom 03.02.1998, 2WD 16.97 – und 15.06.1999 a.a.O., Juris[]
  5. z.B. Nds. OVG Lüne­burg, Urtei­le vom 18.11.2004 – 3 LD 1/​03 – und 04.09.2004 – 20 LD 14/​06 – sowie Beschluss vom 21.02.2005 – 1 NDH M 10/​04 -, Baye­ri­scher VGH, Beschlüs­se vom 12.07.2006 – 16 a D 05.981- und 15.07.2008 – 16 a DA 08.736 -, OVG des Saar­lan­des, Beschluss vom 06.09.2007 – 7 B 346/​07 -, VGH Baden Würt­tem­berg, Urteil vom 14.02.2008 – DL 16 S 29/​06, Juris[]
  6. z.B. Baye­ri­scher VGH Beschluss vom 12.07.2006, a. a. O.; Nds. OVG Lüne­burg Urteil vom 18.11.2004 a. a. O.[]
  7. vgl. BVerwG Urteil vom 08.11.2001 – 2 WD 29/​01[]
  8. BVerwG, Urteil vom 08.11.2001, a. a. O.[]
  9. vgl. BVerwG, Urteil vom 06.07.2000, a. a. O.[]
  10. BGBl I, Sei­te 3007 f.[]
  11. Begrün­dung zum Geset­zes­ent­wurf, BT-Druck­sa­che 15/​350 S.9 [21][]
  12. vgl. Nds. OVG Lüne­burg, Beschluss vom 22.05.2008 – 11 ME 103/​08 – mit Hin­weis auf BGH, Beschluss vom 17.12.1997 – 3 Str 567/​97 -, Juris[]
  13. so auch Baye­ri­scher VGH, Urtei­le vom 12.07.2006 a.a.O. und 20.04.2005 – 16 aD 04.2289 -, VG Mün­chen, Urteil vom 08.01.2007 – M19D06.3930 -, Juris[]
  14. vgl. VG Mün­chen, Urteil vom 08.01.2007 – M19D06.3930 -, Juris[]