Kin­der­ta­ges­stät­te mit Neben­stel­le – und die ein­heit­li­che Betriebs­er­laub­nis

Eine Kin­der­ta­ges­stät­te, die nach der Kon­zep­ti­on ihres Trä­gers räum­lich dezen­tral in Form einer Haupt­stel­le und einer in einem Nach­bar­ort gele­ge­nen Neben­stel­le betrie­ben wer­den soll, kann als Ein­rich­tung im Sin­ne des Kin­der- und Jugend­hil­fe­rechts Gegen­stand einer ein­heit­li­chen Betriebs­er­laub­nis sein.

Kin­der­ta­ges­stät­te mit Neben­stel­le – und die ein­heit­li­che Betriebs­er­laub­nis

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ent­schie­de­nen Stret­fall war die kla­gen­de Kir­chen­ge­mein­de zunächst Trä­ge­rin einer vier­grup­pi­gen Kin­der­ta­ges­stät­te in einer rhein­land-pfäl­zi­schen Orts­ge­mein­de. Spä­ter über­nahm sie zusätz­lich die Trä­ger­schaft für eine ein­grup­pi­ge Kin­der­ta­ges­stät­te in einem etwa zwei Kilo­me­ter ent­fern­ten Ort. Sie bean­trag­te, die bestehen­de Betriebs­er­laub­nis für die vier­grup­pi­ge Kin­der­ta­ges­stät­te abzu­än­dern und ihr eine ein­heit­li­che Betriebs­er­laub­nis für eine fünf­grup­pi­ge Kin­der­ta­ges­stät­te bestehend aus einer Haupt- und einer Neben­stel­le zu ertei­len. Dies lehn­te das Lan­des­ju­gend­amt mit der Begrün­dung ab, hier­für feh­le es an einem unmit­tel­ba­ren ört­li­chen Zusam­men­hang. Der Betrieb kön­ne nur für jeden Stand­ort geson­dert erlaubt wer­den, weil es sich um zwei selb­stän­di­ge Ein­rich­tun­gen hand­le.

Auf die nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz das beklag­te Land ver­pflich­tet, der Klä­ge­rin eine ein­heit­li­che Betriebs­er­laub­nis zu ertei­len [1]. Die hier­ge­gen erho­be­ne Beru­fung des Lan­des Rhein­land-Pfalz vor dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz in Koblenz blieb erfolg­los [2]. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die­se Koblen­zer Urtei­le nun bestä­tigt und hat auch die Revi­si­on des Lan­des Rhein­land-Pfalz zurück­ge­wie­sen:

Eine Ein­rich­tung im Sin­ne der im Streit ste­hen­den Vor­schrift des Kin­der- und Jugend­hil­fe­ge­set­zes (§ 45 Abs. 1 Satz 1 SGB VIII) setzt zwar unter ande­rem einen Orts- und Gebäu­de­be­zug vor­aus. Die­ses Merk­mal dient jedoch in ers­ter Linie dazu, ambu­lan­te Maß­nah­men aus dem Ein­rich­tungs­be­griff aus­zu­klam­mern. Es ist nicht dahin zu ver­ste­hen, dass sich die von dem Ein­rich­tungs­trä­ger genutz­ten Räum­lich­kei­ten alle an einem Ort oder „unter einem Dach“ befin­den müs­sen.

Ent­ge­gen der Ansicht des Lan­des Rhein­land-Pfalz ist es nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, dass bei der Wahl einer dezen­tra­len Orga­ni­sa­ti­ons­form mit Haupt- und Neben­stel­le an unter­schied­li­chen Orten das Wohl der Kin­der in einer sol­chen Ein­rich­tung nicht gewähr­leis­tet sein könn­te. Viel­mehr ist dies als wei­te­re geson­der­te Vor­aus­set­zung für die Ertei­lung einer Betriebs­er­laub­nis anhand der gesetz­li­chen Kri­te­ri­en im Ein­zel­fall zu prü­fen. Grund­la­ge die­ser Prü­fung ist die von dem Ein­rich­tungs­trä­ger vor­zu­le­gen­de Kon­zep­ti­on.

Im kon­kre­ten Fall war die Annah­me der Koblen­zer Vor­in­stanz, dass nach der Kon­zep­ti­on der Kir­chen­ge­mein­de das Kin­des­wohl in einer aus Haupt- und Neben­stel­le bestehen­den ein­heit­li­chen Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung gewähr­leis­tet sei, im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. August 2017 – 5 C 1.16

  1. VG Koblenz, Urteil vom 08.12.2014 – 3 K 1253/​13.KO[]
  2. OVG Rhein­land-Pfalz, Urteil vom 13.11.2015 – 7 A 10094/​15[]