Kino­be­trei­ber zah­len wei­ter­hin Film­ab­ga­be

Nach­dem durch das Sechs­te Gesetz zur Ände­rung des Film­för­de­rungs­ge­set­zes vom 31. Juli 2010 das Film­för­de­rungs­ge­setz rück­wir­kend – auch für den hier in Rede ste­hen­den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 – geän­dert bzw. ergänzt wor­den ist, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig die Kla­gen von neun Kino­be­trei­bern abge­wie­sen, die sich gegen die Her­an­zie­hung zur Film­ab­ga­be durch die Film­för­der­an­stalt FFA des Bun­des gewandt hat­ten. Die Film­ab­ga­be ist nach Auf­fas­sung des Gerichts nun ver­fas­sungs­ge­mäß.

Kino­be­trei­ber zah­len wei­ter­hin Film­ab­ga­be

Die FFA, eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts, hat nach dem Film­för­de­rungs­ge­setz die Auf­ga­be, den deut­schen Film ins­be­son­de­re durch Bei­hil­fen an die Pro­du­zen­ten von Fil­men zu för­dern. Zur Finan­zie­rung ihrer Tätig­keit zieht sie die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft durch Bescheid zu der sog. Film­ab­ga­be her­an. Dar­über hin­aus hat sie in der Ver­gan­gen­heit auf­grund einer ent­spre­chen­den Ermäch­ti­gung im Film­för­de­rungs­ge­setz mit den öffent­lich-recht­li­chen und den pri­va­ten Fern­seh­ver­an­stal­tern Ver­trä­ge mit mehr­jäh­ri­ger Dau­er geschlos­sen, in denen die­se sich zur Leis­tung von wei­te­ren Finanz­mit­teln ver­pflich­tet haben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat­te die Ver­fah­ren aus­ge­setzt und das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ange­ru­fen, wel­ches über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der Erhe­bung der Film­ab­ga­be ent­schei­den soll­te. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hielt die Erhe­bung der Film­ab­ga­be in ihrer dama­li­gen Form für ver­fas­sungs­wid­rig. Es ging – inso­weit in Über­ein­stim­mung mit dem Gesetz­ge­ber – davon aus, dass es gerecht­fer­tigt ist, sowohl die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft als auch die Fern­seh­ver­an­stal­ter an den Kos­ten der Film­för­de­rung zu betei­li­gen. Denn die Fern­seh­ver­an­stal­ter zie­hen eben­so wie die Kino­be­trei­ber und die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft aus der Ver­wer­tung von Fil­men wirt­schaft­li­chen Nut­zen, der durch die Tätig­keit der FFA geför­dert wird. Aller­dings war die Belas­tungs­gleich­heit nicht hin­rei­chend gewähr­leis­tet, weil sei­ner­zeit die Fern­seh­ver­an­stal­ter ihren Kos­ten­bei­trag und des­sen Höhe frei aus­han­deln konn­ten. Es war daher nach Auf­fas­sung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zur Wah­rung der Abga­ben­ge­rech­tig­keit grund­sätz­lich erfor­der­lich, dass die Fern­seh­ver­an­stal­ter vom Gesetz­ge­ber in die Abga­be­pflicht ein­be­zo­gen wer­den und für sie über­dies der Maß­stab ihrer Kos­ten­be­tei­li­gung gesetz­lich fest­ge­legt wird.

Um die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken Rech­nung zu tra­gen, hat der Bun­des­ge­setz­ge­ber durch das Sechs­te Gesetz zur Ände­rung des Film­för­de­rungs­ge­set­zes vom 31. Juli 2010 das Film­för­de­rungs­ge­setz rück­wir­kend – auch für den hier in Rede ste­hen­den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 – um Rege­lun­gen ergänzt, die den Maß­stab näher bestim­men, nach dem die Film­ab­ga­be der Fern­seh­ver­an­stal­ter zu bemes­sen ist.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt sah auf­grund die­ser Ände­rung des Film­för­de­rungs­ge­set­zes kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken gegen die Her­an­zie­hung der Kino­be­trei­ber zur Film­ab­ga­be mehr, hat des­halb sei­nen Vor­la­ge­be­schluss an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt auf­ge­ho­ben und die Revi­sio­nen der Klä­ge­rin­nen gegen die kla­ge­ab­wei­sen­den Urtei­le des Ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin 1 zurück­ge­wie­sen. Der Bund kann sich für das Film­för­de­rungs­ge­setz auf sei­ne kon­kur­rie­ren­de Gesetz­ge­bungs­zu­stän­dig­keit für die Wirt­schaft stüt­zen, weil er mit dem Film­för­de­rungs­ge­setz im Schwer­punkt Wirt­schafts­för­de­rung betreibt, näm­lich zu einer Erhal­tung und Stär­kung der Film­wirt­schaft in Deutsch­land bei­tra­gen will. Eben­so hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt – wie schon in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – es für zuläs­sig gehal­ten, die Kino­be­trei­ber, die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft und die Fern­seh­ver­an­stal­ter als eine gesell­schaft­lich homo­ge­ne Grup­pe wegen eines ihr ent­ste­hen­den Grup­pen­nut­zens an den Kos­ten der Film­för­de­rung zu betei­li­gen. Es ist inso­weit nicht dem Argu­ment der Klä­ge­rin­nen gefolgt, der Gesetz­ge­ber hät­te wei­te­re Grup­pen, nament­lich die Film­ex­por­teu­re, in die Finan­zie­rungs­pflicht neh­men müs­sen, weil sie eben­so wie die Kino­be­trei­ber, die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft und die Fern­seh­ver­an­stal­ter für ihren Geschäfts­be­trieb auf die Ver­wer­tung und damit zunächst auf die Pro­duk­ti­on von wirt­schaft­lich erfolg­rei­chen Fil­men ange­wie­sen sei­en und des­halb eben­so wie die Kino­be­trei­ber, die Unter­neh­men der Video­wirt­schaft und die Fern­seh­ver­an­stal­ter aus der Tätig­keit der FFA Nut­zen zögen. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat dem Gesetz­ge­ber zuge­bil­ligt, er habe sich aus sach­ge­rech­ten Grün­den auf die Her­an­zie­hung der Kino­be­trei­ber, der Unter­neh­men der Video­wirt­schaft und der Fern­seh­ver­an­stal­ter beschränkt, weil sie als homo­ge­ne Grup­pe mit der Ver­wer­tung deut­scher Fil­me im Inland dem För­der­zweck am nächs­ten stün­den. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat fer­ner ange­nom­men, die Ände­rung des Film­för­de­rungs­ge­set­zes stel­le sicher, dass unter Berück­sich­ti­gung der unter­schied­li­chen Struk­tur von Kino­be­trei­bern, Unter­neh­men der Video­wirt­schaft und Fern­seh­ver­an­stal­tern nun­mehr auch die Fern­seh­ver­an­stal­ter nach einem vor­teils­ge­rech­ten und ver­gleich­ba­ren Maß­stab zur Film­ab­ga­be her­an­ge­zo­gen wür­den.

Schließ­lich hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ände­rung des Film­för­de­rungs­ge­set­zes für den hier noch in Rede ste­hen­den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 berück­sich­tigt, weil gegen die inso­weit zu Las­ten der Fern­seh­ver­an­stal­ter ange­ord­ne­te Rück­wir­kung kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken bestün­den. Ins­be­son­de­re hat­te der Gesetz­ge­ber ange­ord­net, dass die Fern­seh­ver­an­stal­ter, soweit sie auf­grund der frü­her abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge Leis­tun­gen an die FFA erbracht hat­ten, nicht nach­träg­lich mit höhe­ren Abga­ben belegt wer­den könn­ten. Im Übri­gen waren nach den vom Gesetz­ge­ber zugrun­de geleg­ten Zah­len die Leis­tun­gen der Fern­seh­ver­an­stal­ter auf­grund der von ihnen abge­schlos­se­nen Ver­trä­ge höher als sie bei einer Anwen­dung der jetzt fest­ge­leg­ten Maß­stä­be von ihnen hät­ten ver­langt wer­den kön­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt Leip­zig, Urtei­le vom 23. Febru­ar 2011 – 6 C 22.10, 6 C 23.10, 6 C 24.10, 6 C 25.10, 6 C 26.10, 6 C 27.10, 6 C 28.10, 6 C 29.10 und 6 C 30.10

  1. VG Ber­lin, Urtei­le v. 20.09.2007 – 22 A 517.04,- 22 A 522.04, – 22 A 523.04, – 22 A 524.04, – 22 A 483.04, – 22 A 512.04, – 22 A 7.05, – 22 A 5.05, – 22 A 6.05 []