Kirch­li­che Beschei­ni­gun­gen im Asyl­rechts­streit

Kirch­li­chen Beschei­ni­gun­gen kommt im Asyl­rechts­streit kei­ner­lei Bin­dungs­wir­kung zu.

Kirch­li­che Beschei­ni­gun­gen im Asyl­rechts­streit

Dies gilt auch im Asyl­ver­fah­ren eines ira­ni­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen, der zum Chris­ten­tum kon­ver­tiert ist. Ihm ist die Flücht­lings­ei­gen­schaft nicht zuzu­er­ken­nen, wenn das Ver­wal­tungs­ge­richt von der Ernst­haf­tig­keit des Glau­bens­über­tritts nicht über­zeugt ist, auch nicht, weil das Gericht staats­recht­lich an die Ent­schei­dung des nach inner­kirch­li­chem Recht zustän­di­gen Geist­li­chen gebun­den wäre.

Es ist in der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung bereits hin­rei­chend geklärt, dass es urei­ge­ne Auf­ga­be des Gerichts ist, auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung und der dort vor­lie­gen­den Unter­la­gen zu einer eige­nen Ein­schät­zung hin­sicht­lich der Fra­ge der Ernst­haf­tig­keit des Glau­bens­über­tritts zu gelan­gen. An die Aus­stel­lung eines Tauf­scheins sowie an die Ein­schät­zung der Glau­bens­über­zeu­gung eines Kon­ver­ti­ten durch eine Kir­chen­ge­mein­de bzw. einen Pas­tor ist das Gericht nicht gebun­den 1. Dass ein­zel­ne Ver­wal­tungs­ge­rich­te 2 mit nicht über­zeu­gen­der Begrün­dung eine von der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung abwei­chen­de Auf­fas­sung ver­tre­ten, begrün­det für sich genom­men kei­ne erneu­te Klä­rungs­be­dürf­tig­keit die­ser Fra­ge.

Nach Art. 140 GG i.V.m. Art. 137 Abs. 3 Satz 1 WRV ord­net und ver­wal­tet jede Reli­gi­ons­ge­sell­schaft ihre Ange­le­gen­hei­ten selb­stän­dig inner­halb der Schran­ken des für alle gel­ten­den Geset­zes. Dazu gehört selbst­ver­ständ­lich auch die Mit­glied­schaft in den jewei­li­gen Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten. Es bleibt der Kir­chen­ge­mein­de des Klä­gers mit­hin unbe­nom­men, die­sen wei­ter als ihr Mit­glied anzu­se­hen.

Die Fra­ge, ob die­se Mit­glied­schaft eine staat­li­che Flücht­lings­an­er­ken­nung nach sich zieht, unter­liegt hin­ge­gen der Über­prü­fung durch staat­li­che Gerich­te. Die­se Über­prü­fung beschränkt sich nicht auf die Ent­ge­gen­nah­me kirch­li­cher Beschei­ni­gun­gen oder die unkri­ti­sche Über­nah­me kirch­li­cher Stel­lung­nah­men. Der Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung ist eine zen­tra­le rechts­staat­li­che Errun­gen­schaft, die nicht durch eine Über­stra­pa­zie­rung des Gebots zu gegen­sei­ti­ger Rück­sicht­nah­me zwi­schen Staat und Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten aus­ge­he­belt wer­den darf.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2014 – 13 LA 93/​14

  1. s. zuletzt Nds. OVG, Beschluss vom 7.07.2014 – 13 LA 226/​13; v. 24.06.2014 – 13 LA 216/​13; v.07.03.2014 – 13 LA 118/​13, juris; v. 18.10.2013 – 13 LA 106/​13, u. v. 30.05.2012 – 13 LA 100/​12; so auch OVG NRW, Beschluss vom 11.11.2013 – 13 A 2252/​13.A, juris; BayVGH, Beschluss vom 8.08.2013 – 14 ZB 13.30199[]
  2. vgl. etwa VG Schwe­rin, Urteil vom 13.02.2013 – 3 A 1877/​10 As. 165 ff.[]