Kom­mu­na­le Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft

Kom­mu­na­le Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaf­ten, die dem kos­ten­güns­ti­ge­ren Ein­kauf von Waren und Dienst­leis­tun­gen für die betei­lig­ten Gemein­den die­nen, sind auch dann zuläs­sig, wenn sie als pri­vat­recht­li­ches Unter­neh­men betrie­ben wer­den. So hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len ent­schie­den, dass die Gemein­de Scher­mbeck in der Kom­mu­na­len Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft blei­ben darf, und erklär­te damit eine ent­ge­gen­ste­hen­de Ver­fü­gung der Bezirks­re­gie­rung Müns­ter für rechts­wid­rig. Die Bezirks­re­gie­rung hat­te die Gemein­de auf­ge­for­dert, aus der Kom­mu­na­len Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft aus­zu­tre­ten.

Kom­mu­na­le Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft

Die Kom­mu­na­le Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft (KDG) war im Jahr 2002 von den Gemein­den Hei­den, Raes­feld, Reken und Süd­lohn als pri­vat­recht­li­che Gesell­schaft für den kos­ten­güns­ti­ge­ren Ein­kauf von Waren und Dienst­leis­tun­gen gegrün­det wor­den. Die Gemein­de Scher­mbeck trat der KDG im Jahr 2006 bei. Dafür gab es nach Ansicht der Bezirks­re­gie­rung in der Gemein­de­ord­nung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len kei­ne Rechts­grund­la­ge. Ein­rich­tun­gen, die – wie hier – aus­schließ­lich der Deckung des Eigen­be­darfs von Gemein­den dien­ten, dürf­ten nach der gesetz­li­chen Kon­struk­ti­on nicht als pri­vat­recht­li­che Gesell­schaf­ten betrie­ben wer­den, da die Gemein­den auf sol­che Gesell­schaf­ten nicht den nach dem Demo­kra­tie­prin­zip erfor­der­li­chen Ein­fluss aus­üben könn­ten.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter sah jedoch in dem Bei­tritt der Gemein­de Scher­mbeck zur KDG kei­nen Ver­stoß gegen Kom­mu­nal­recht. Eine sol­che Betei­li­gung sei viel­mehr auch ver­fas­sungs­recht­lich geschützt. Ein hin­rei­chen­der Grund, im Rah­men der Eigen­be­darfs­de­ckung eine pri­vat­recht­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­form nicht zuzu­las­sen, sei nicht ersicht­lich. Ins­be­son­de­re aus dem Demo­kra­tie­prin­zip, zu dem auch der Ein­fluss der gemeind­li­chen Ver­tre­tungs­kör­per­schaft gehö­re, las­se sich das von der Bezirks­re­gie­rung ange­nom­me­ne Betei­li­gungs­ver­bot nicht recht­fer­ti­gen. Dem Demo­kra­tie­prin­zip kom­me dann beson­de­re Bedeu­tung zu, wenn gemeind­li­che Ein­rich­tun­gen mit Außen­wir­kung gegen­über dem Bür­ger agier­ten, nament­lich etwa im Bereich der kom­mu­na­len Daseins­vor­sor­ge. Dort sol­le aber nach der Kon­zep­ti­on des Gesetz­ge­bers die Gemein­de grund­sätz­lich frei sein, Ein­rich­tun­gen auch in Pri­vat­rechts­form zu betrei­ben oder sich an sol­chen zu betei­li­gen. War­um das Demo­kra­tie­prin­zip dann aber umge­kehrt einen beson­ders effek­ti­ven Ein­fluss der Ver­tre­tungs­kör­per­schaft for­dern sol­le, wenn die Ein­rich­tung unmit­tel­bar nur ver­wal­tungs­in­ter­ne Vor­gän­ge betref­fe, sei nicht erkenn­bar.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 27. Okto­ber 2010 – 15 A 440/​08