Kom­mu­nal­wahl – Lis­ten­platz und Par­tei­aus­tritt

Tritt ein Wahl­be­wer­ber unmit­tel­bar nach der Kom­mu­nal­wahl aus der Par­tei oder Wäh­ler­ver­ei­ni­gung, über deren Lis­te er zum Stadt­rat kan­di­dier­te, aus, behält er gleich­wohl sein über die­se Lis­te errun­ge­nes Rats­man­dat.

Kom­mu­nal­wahl – Lis­ten­platz und Par­tei­aus­tritt

Der hier vom Ver­wal­tungs­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Fall beruh­te auf der Kom­mu­nal­wahl in Lever­ku­sen: Am 25.05.2014 fan­den in Nord­rhein-West­fa­len lan­des­weit Kom­mu­nal­wah­len statt. Auch in Lever­ku­sen wur­de ein neu­er Stadt­rat gewählt. Auf Platz 1 der Lis­te der Wäh­ler­grup­pe "Freie Wäh­ler Lever­ku­sen e.V." kan­di­dier­te Uwe Bas­ti­an. Die Wäh­ler­grup­pe errang einen Sitz im Stadt­rat. Unmit­tel­bar nach der Wahl erklär­te Bas­ti­an sei­nen Aus­tritt aus der Wäh­ler­grup­pe. Der Wahl­aus­schuss stell­te gleich­wohl fest, dass aus der Lis­te der Wäh­ler­grup­pe Uwe Bas­ti­an gewählt sei. Der Klä­ger, der auf Platz 3 der Lis­te kan­di­dier­te, erhob dage­gen Ein­spruch. Bas­ti­an habe bei der Zutei­lung des von der Wäh­ler­grup­pe gewon­ne­nen Rats­man­dats wegen sei­nes Aus­tritts unbe­rück­sich­tigt blei­ben müs­sen. Der Rat wies den Ein­spruch in sei­ner Sit­zung vom 25.08.2014 zurück und erklär­te die Rats­wahl für gül­tig. Mit sei­ner am 24.10.2014 beim Ver­wal­tungs­ge­richt Köln erho­be­nen Kla­ge ver­folgt der Klä­ger sein Begeh­ren wei­ter. Das Ver­wal­tungs­ge­richt wies die Kla­ge zurück:

Der Rat habe den Ein­spruch des Klä­gers zu Recht zurück­ge­wie­sen. Der Aus­tritt von Uwe Bas­ti­an aus der Wäh­ler­grup­pe am Tag nach der Wahl wir­ke sich auf die Beset­zung der Sit­ze im Stadt­rat nicht aus. Nach den Rege­lun­gen des Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes blei­be es viel­mehr bei der in der Lis­te der Wäh­ler­grup­pe zuvor fest­ge­leg­ten Rei­hen­fol­ge. Schon vor dem Wahl­tag sei eine Ände­rung der zuge­las­se­nen Wahl­vor­schlä­ge nach dem Gesetz aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen. Selbst nach der Wahl blei­be ein Bewer­ber, der aus der Par­tei oder der Wäh­ler­grup­pe, für die er zunächst kan­di­diert habe, mitt­ler­wei­le aus­ge­schie­den sei, nur im gesetz­lich gere­gel­ten Fall außer Betracht, dass ein schon amtie­ren­des Rats­mit­glied oder (vor der kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des Rates) ein bereits gewähl­ter Bewer­ber versterbe oder auf sein Man­dat ver­zich­te. Allein dann wer­de der dadurch frei wer­den­de Rats­sitz nach der Lis­te der­je­ni­gen Par­tei oder Wäh­ler­grup­pe besetzt, für die das bis­he­ri­ge Rats­mit­glied bei der Wahl auf­ge­tre­ten sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 1. Juli 2015 – 4 K 5856/​14