Kom­mu­nal­wahl­recht für Min­der­jäh­rig

Ein Kom­mu­nal­wahl­recht für Min­der­jäh­ri­ge ist nach Ansicht des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Kom­mu­nal­wahl­recht für Min­der­jäh­rig

Das baden-würt­tem­ber­gi­sche Kom­mu­nal­wahl­recht legt das Min­dest­al­ter für die Stimm­ab­ga­be bei Kom­mu­nal­wah­len auf 16 Jah­re fest. Das dar­aus fol­gen­de „Min­der­jäh­ri­gen­wahl­recht" für Bür­ger im Alter zwi­schen 16 und 18 Jah­ren ist, wie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt jetzt im Fall einer Wahl­an­fech­tung befand, mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

Die Klä­ger sind Bür­ger der Stadt Hei­del­berg. Sie erho­ben gegen die Gemein­de­rats­wahl vom 25. Mai 2014 Ein­sprü­che mit der Begrün­dung, dass das Wahl­recht für Bür­ger zwi­schen 16 und 18 Jah­ren mit dem Demo­kra­tie­prin­zip und zahl­rei­chen wei­te­ren Ver­fas­sungs­be­stim­mun­gen nicht ver­ein­bar sei. Das Regie­rungs­prä­si­di­um Karls­ru­he wies die Ein­sprü­che zurück.

Die dar­auf­hin erho­be­ne Kla­ge hat­te in bei­den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he 1 und dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim 2 kei­nen Erfolg. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die Revi­si­on der Klä­ger zurück­ge­wie­sen:

Ein Min­dest­al­ter von 18 Jah­ren für das akti­ve Wahl­recht bei Kom­mu­nal­wah­len ergibt sich nicht aus dem Grund­ge­setz. Die ent­spre­chen­de Fest­le­gung in Art. 38 Abs. 2 GG gilt nur für Bun­des­tags­wah­len und ent­fal­tet für Kom­mu­nal­wah­len kei­ne maß­stabs­bil­den­de Kraft. Die Grund­sät­ze der All­ge­mein­heit und der Gleich­heit der Wahl (Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG) ste­hen der Absen­kung des Wahl­al­ters auf 16 Jah­re eben­falls nicht ent­ge­gen. Dem Lan­des­ge­setz­ge­ber obliegt im Rah­men die­ser Grund­sät­ze eine Aus­ge­stal­tung des Kom­mu­nal­wahl­rechts, die in typi­sie­ren­der Wei­se eine hin­rei­chen­de Ver­stan­des­rei­fe zur Vor­aus­set­zung für das akti­ve Stimm­recht macht. Die­ses Erfor­der­nis ist nament­lich des­we­gen gebo­ten, weil Demo­kra­tie vom Aus­tausch sach­li­cher Argu­men­te auf ratio­na­ler Ebe­ne lebt. Eine Teil­nah­me an die­sem argu­men­ta­ti­ven Dis­kurs setzt ein aus­rei­chen­des Maß an intel­lek­tu­el­ler Rei­fe vor­aus, das der baden-würt­tem­ber­gi­sche Gesetz­ge­ber ohne Ver­stoß gegen Ver­fas­sungs­recht auch bei Bür­gern zwi­schen 16 und 18 Jah­ren bejaht hat.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 13. Juni 2018 – 10 C 8.17

  1. VG Karls­ru­he, Urteil vom 11.05.2016 – 4 K 2062/​14[]
  2. OVG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 21.07.2017 – 1 S 1240/​16[]