Kon­su­la­ri­sche Hil­fe für Deut­sche im Aus­land

Die kon­su­la­ri­sche Hil­fe nach § 5 KG bezweckt kei­ne all­ge­mei­ne Unter­stüt­zung von deut­schen Staats­bür­gern im Aus­land, son­dern zielt auf die Behe­bung einer aku­ten Not­si­tua­ti­on und beschränkt sich daher auf das, was zur Besei­ti­gung der aku­ten Hilfs­be­dürf­tig­keit im Ein­zel­fall kon­kret not­wen­dig ist.

Kon­su­la­ri­sche Hil­fe für Deut­sche im Aus­land

In dem hier vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­de­nen Fall begehr­te die Antrag­stel­le­rin im Rah­men der kon­su­la­ri­schen Hil­fe u.a., nach einem Ange­hö­ri­gen öffent­lich in Isra­el unter Ver­wen­dung eines aktu­el­len Fotos und unter Inaus­sicht­stel­lung einer Beloh­nung zu fahn­den und ihr wäh­rend des wei­te­ren Auf­ent­halts in Isra­el Kon­su­lar­hil­fe wegen der Fahn­dung nach dem ver­miss­ten Ange­hö­ri­gen zu gewäh­ren, wobei finan­zi­el­le Unter­stüt­zung gewollt ist. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg sah hier kei­nen Anspruch auf die begehr­ten kon­kre­ten Unter­stüt­zungs­maß­nah­men im Rah­men der kon­su­la­ri­schen Hil­fe:

Aller­dings sol­len nach § 5 Abs. 1 Satz 1 des Kon­su­lar­ge­set­zes (KG) die Kon­su­lar­be­am­ten Deut­schen, die in ihrem Kon­su­lar­be­zirk hilfs­be­dürf­tig sind, die erfor­der­li­che Hil­fe leis­ten, wenn die Not­la­ge nicht auf ande­re Wei­se beho­ben wer­den kann. Art, Form und Maß der Hil­fe rich­ten sich gemäß § 5 Abs. 3 KG nach den beson­de­ren Ver­hält­nis­sen im Emp­fangs­staat unter Berück­sich­ti­gung der not­wen­di­gen Lebens­be­dürf­nis­se eines dort leben­den Deut­schen. Maß­ge­bend für den Umfang der erfor­der­li­chen Hil­fe­leis­tung und die Fra­ge der Sub­si­dia­ri­tät sind die kon­kre­ten Umstän­de des jewei­li­gen Ein­zel­fal­les, wobei es dar­auf ankommt, ob der jewei­li­ge Kon­su­lar­be­am­te die Hil­fe bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung der objek­ti­ven Gesamt­um­stän­de aus dama­li­ger Sicht für erfor­der­lich hal­ten durf­te 1. Die kon­su­la­ri­sche Hil­fe nach § 5 KG bezweckt kei­ne all­ge­mei­ne Unter­stüt­zung von deut­schen Staats­bür­gern im Aus­land, son­dern zielt auf die Behe­bung einer aku­ten Not­si­tua­ti­on und beschränkt sich daher auf das, was zur Besei­ti­gung der aku­ten Hilfs­be­dürf­tig­keit im Ein­zel­fall kon­kret not­wen­dig ist 2. Aus die­sem Grund kann die Antrag­stel­le­rin kei­ne Beglei­chung ihrer Schul­den im Wege der Kon­su­lar­hil­fe ver­lan­gen. Denn es ist nicht ersicht­lich, dass die Til­gung von in der Ver­gan­gen­heit ent­stan­de­nen Schul­den eine gegen­wär­ti­ge Not­la­ge besei­ti­gen wür­de 3.

Auch die begehr­te län­ger­fris­ti­ge finan­zi­el­le Unter­stüt­zung kann die Antrag­stel­le­rin nicht im Wege der kon­su­la­ri­schen Hil­fe erhal­ten. Wie dar­ge­legt, umfasst die­se Hil­fe­leis­tung kei­ne all­ge­mei­nen Unter­stüt­zungs­maß­nah­men etwa in Form einer "Sozi­al­hil­fe" im Aus­land, son­dern beschränkt sich auf eine punk­tu­el­le Hil­fe in einer unmit­tel­ba­ren Not­la­ge, wenn die­se nicht auf ande­re Wei­se beho­ben wer­den kann. Dies ver­deut­licht auch § 5 Abs. 6 KG, der auf die Mög­lich­keit des Bezugs von Sozi­al­hil­fe im Aus­land ver­weist. Zu Recht ist daher die Antrag­stel­le­rin im Hin­blick auf den sub­si­diä­ren Cha­rak­ter der kon­su­la­ri­schen Hil­fe auf die Ange­bo­te sozia­ler Hil­fe­leis­tun­gen durch den israe­li­schen Staat sowie die regel­mä­ßi­gen Ren­ten­zah­lun­gen aus Deutsch­land und Isra­el hin­ge­wie­sen wor­den.

Schließ­lich kann die Antrag­stel­le­rin auch nicht ver­lan­gen, dass das Kon­su­lat kon­kre­te Maß­nah­men zur Fahn­dung nach dem Ange­hö­ri­gen ergreift. Abge­se­hen davon, dass der Auf­ent­halts­ort des Ange­hö­ri­gen unbe­kannt und es völ­lig spe­ku­la­tiv ist, ob eine öffent­li­che Fahn­dung mit Foto und Beloh­nung erfolg­ver­spre­chend ist und damit eine (etwai­ge) Not­la­ge des Ange­hö­ri­gen tat­säch­lich "behe­ben" könn­te, gehört die Fahn­dung nach ver­miss­ten Deut­schen nicht zu den ori­gi­nä­ren Auf­ga­ben der Kon­su­la­te. Hier­für sind die ent­spre­chen­den Poli­zei­be­hör­den (in Isra­el und Deutsch­land) zustän­dig. Zwar kann es zur erfor­der­li­chen kon­su­la­ri­schen Hil­fe gehö­ren, einer Mut­ter, die im Aus­land ver­zwei­felt ihr Kind sucht, bei der Kon­takt­auf­nah­me mit den zustän­di­gen natio­na­len Behör­den behilf­lich zu sein und sie zu unter­stüt­zen. Denn die kon­su­la­ri­sche Hil­fe nach § 5 KG beschränkt sich nicht auf die Behe­bung finan­zi­el­ler Not­la­gen, son­dern betrifft alle Fäl­le, in denen sich der Hil­fe­su­chen­de in einer aku­ten Bedräng­nis befin­det und drin­gend Hil­fe benö­tigt 4. Dem ist die Bun­des­re­pu­blik auch durch Nach­fra­gen bei der israe­li­schen Poli­zei und Ein­schal­tung der Inter­pol-Kon­takt­stel­le sowie Infor­ma­ti­on des in Deutsch­land zustän­di­gen Bun­des­kri­mi­nal­am­tes nach­ge­kom­men. Soweit die Antrag­stel­le­rin die­se Maß­nah­men für aus­sichts­los hält, weil die israe­li­schen Stel­len das Auf­fin­den des Ange­hö­ri­gen ver­hin­dern und eine öffent­li­che Fahn­dung ver­ei­teln woll­ten, erschöp­fen sich ihre Aus­füh­run­gen in Mut­ma­ßun­gen ohne belast­ba­re Nach­wei­se. Dies genügt nicht als Grund­la­ge für eine gericht­li­che Ver­pflich­tung der Bun­des­re­pu­blik zur Durch­füh­rung kon­kre­ter Fahn­dungs­maß­nah­men.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 30. Janu­ar 2013 – OVG 10 S 2.13, OVG 10 M 5.13

  1. vgl. BVerwG, Beschluss vom 04.02.2010 – BVerwG 7 B 40.09[]
  2. vgl. Hoff­mann, Kon­su­lar­recht, Stand 1.03.2011, § 5 Rn.01.9[]
  3. vgl. dazu auch Hoff­mann, a.a.O., Rn.01.8[]
  4. BVerwG, Urteil vom 28.05.2009 – BVerwG 7 C 13.08, NJW 2009, 2905[]