Kon­zer­te in der Gast­stät­te

Ist das Abhal­ten von Musik­ver­an­stal­tun­gen in einer Gast­stät­te eine Nut­zungs­än­de­rung, die den Wider­ruf der Gast­stät­ten­kon­zes­si­on recht­fer­tigt? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he zu beschäf­ti­gen und dabei dem Eil­an­trag eines Betrei­bers einer Gast­stät­te in Rhein­müns­ter-Söl­lin­gen statt­ge­ge­ben, der vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gegen die mit Sofort­voll­zug ange­ord­ne­te Unter­sa­gung der Nut­zung sei­ner Gast­stät­te für Kon­zer­te jeg­li­cher Art und ande­re Musik­ver­an­stal­tun­gen sowie die Dul­dung einer sol­chen Nut­zung durch Drit­te begehrt hat.

Kon­zer­te in der Gast­stät­te

Das Land­rats­amt Ras­tatt hat die ange­foch­te­ne Unter­sa­gungs­ver­fü­gung auf eine Rege­lung des Gast­stät­ten­ge­set­zes gestützt, wonach die Gast­stät­ten­er­laub­nis wider­ru­fen wer­den kann, wenn der Gewer­be­trei­ben­de die Betriebs­art, für wel­che die Erlaub­nis erteilt wor­den ist, unbe­fugt ändert. Der Antrag­stel­ler hat hier­ge­gen Wider­spruch ein­ge­legt, über wel­chen noch nicht ent­schie­den wur­de, und zugleich Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz beim Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he gestellt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts ist der Eil­an­trag begrün­det: Nach der im vor­läu­fi­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren allein mög­li­chen sum­ma­ri­schen Prü­fung der Sach- und Rechts­la­ge beur­tei­le das Gericht den Aus­gang des Ver­fah­rens in der Haupt­sa­che im Hin­blick auf die Fra­ge, ob die Nut­zungs­un­ter­sa­gung zu Recht ergan­gen ist, der­zeit zumin­dest als offen, weil inso­weit der Sach­ver­halt noch nicht hin­rei­chend auf­ge­klärt sei und vom Gericht im Eil­ver­fah­ren nicht wei­ter auf­ge­klärt wer­den kön­ne. Eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung müs­se des­halb dem Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben. Mit Rück­sicht dar­auf mes­se das Gericht dem Inter­es­se des Antrag­stel­lers, vor­läu­fig von einem Voll­zug der Ver­fü­gung ver­schont zu blei­ben, grö­ße­res Gewicht bei als dem gegen­läu­fi­gen öffent­li­chen Inter­es­se des Antrags­geg­ners. Die vom Land­rats­amt gewähl­te Rechts­grund­la­ge gebe der Behör­de nur die Befug­nis zum Wider­ruf und ange­sichts des ein­deu­ti­gen Wort­lauts wohl nicht zur Unter­sa­gung einer bis­her nicht erlaub­ten Betriebs­art. Fer­ner bedür­fe es der Auf­klä­rung im Wider­spruchs­ver­fah­ren, ob eine uner­laub­te Ände­rung der Betriebs­art durch den Antrag­stel­ler vor­lie­ge, die ein behörd­li­ches Ein­grei­fen erfor­der­lich mache. Frag­lich sei bereits, ob bei den vom Land­rats­amt ange­führ­ten, in der Ver­gan­gen­heit durch­ge­führ­ten (Musik-)Ver­an­stal­tun­gen ein gast­stät­ten­recht­lich rele­van­ter Betrieb vor­ge­le­gen habe. Einen gast­stät­ten­recht­lich rele­van­ten Betrieb füh­re der­je­ni­ge, der gewerbs­mä­ßig Geträn­ke und Spei­sen zum Ver­zehr an Ort und Stel­le in Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht ver­ab­rei­che und des­sen Betrieb jeder­mann oder bestimm­ten Per­so­nen­krei­sen zugäng­lich sei. An Hand der dem Gericht vor­lie­gen­den Akten kön­ne nicht die not­wen­di­ge Beur­tei­lung getrof­fen wer­den, ob in den bis­he­ri­gen Ver­an­stal­tun­gen des Antrag­stel­lers bzw. sei­ner Mie­ter gast­stät­ten­recht­lich rele­van­te Tätig­kei­ten zu sehen sei­en. Dar­über hin­aus kön­ne nach dem gegen­wär­ti­gen Erkennt­nis­stand auch nicht beur­teilt wer­den, ob eine uner­laub­te Ände­rung der Betriebs­art im Hin­blick auf die Durch­füh­rung von Kon­zer­ten mit Live­cha­rak­ter gege­ben sei. Bei einer Gast­stät­te ohne beson­de­re Betriebs­ei­gen­tüm­lich­keit – wie hier – sei die Durch­füh­rung von jähr­lich nicht mehr als 12 Tanz-/Mu­sik­ver­an­stal­tun­gen im größ­ten Gast­stät­ten­raum durch die Gast­stät­ten­er­laub­nis gedeckt. Die­ser zuläs­si­ge Rah­men sei mit den vom Antrags­geg­ner ange­führ­ten 6 Musik­ver­an­stal­tun­gen im Jahr 2010 noch nicht über­schrit­ten wor­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 13. Juli 2010 – 6 K 1265/​10